Die norditalienische Stadt Imola wird von vielen in erster Linie mit Ferrari und dem hier 1994 verunglückten Formel-1-Piloten Ayrton Senna in Zusammenhang gebracht. Dabei wartet der Ort sportlich wie auch historisch mit interessanten Details auf, die über diese Schlagworte weit hinausgehen. Warum gilt ausgerechnet dieser Kurs neben Monza als Mekka der Tifosi genannten Ferrari-Fans? Und woher kommen die Tifosi überhaupt? Die "Wiener Zeitung" hat anlässlich des am Sonntag startenden Grand Prix der Emilia-Romagna ein Lexikon zu Imola und sein berühmtes Event zusammengestellt:

Charles Leclerc: Der 24-jährige Monegasse ist nicht nur WM-Führender, sondern könnte im vierten Saisonlauf in Imola gleich 34 Punkte abräumen. Möglich macht dies der neue Sprintbewerb, der hier am Samstag Premiere feiert. Acht Zähler gibt es nach der Aufwertung gegenüber dem Vorjahr für den Sieg. Beim Rennen am Sonntag sind inklusive schnellster Runde weitere 26 drin.

Emilia-Romagna: Seit der Wiederaufnahme der Imola-Rennstrecke in den WM-Kalender im Jahr 2020 wird dieser Kurs als Grand Prix der Emilia Romagna - benannt nach der Provinz - geführt. Emilia und Romagna bezeichnen historische Landschaften, wobei Emilia von der römischen Straße Via Aemilia und die Romagna von der ehemals byzantinischen Romania abgeleitet wird. Zwischen 1980 und 2006 firmierte Imola im Rennkalender als Grand Prix von San Marino.

Ferrari: Der Automobilhersteller von Sportwagen und Formel-1-Autos existiert seit 1947 und hat seinen Verwaltungssitz in Maranello in der italienischen Provinz Modena. Der Konzern wurde vom ehemaligen Autorennfahrer Enzo Ferrari gegründet. Der Börsengang von Ferrari an der New York Stock Exchange erfolgte am 21. Oktober 2015. Ferrari wird durch die Holding Exor der italienischen Unternehmerfamilie Agnelli geführt.

Imola: Imola liegt 32 Kilometer südöstlich von Bologna an den nordöstlichen Ausläufern des Apennins auf 47 Metern Seehöhe. Der Name Imola bedeutet übersetzt "dort drüben" oder "dort unten" und ist wohl auf den Ausblick von den umliegenden Hügeln über den Ort zurückzuführen.

Rennstrecke: Das Autodromo Enzo e Dino Ferrari trägt seit 1968 den Namen des Ferrari-Gründers, 1988 wurde er um den des Bruders Alfred (Dino) erweitert. Die Rennstrecke wurde 1953 eröffnet und geht auf eine Idee von Enzo Ferrari zurück, der hier einen kleinen "Nürburgring" errichten lassen wollte. Bei der Eröffnung waren hier wie in Deutschland noch keine Schikanen vorgesehen, weswegen die Strecke nur über zwei Kurven - Tamburello und Tosa - verfügte. Heute wartet der 4,909 Kilometer lange Kurs mit 17 Kurven auf. Erfolgreichster Rennpilot ist der Deutsche Michael Schumacher mit sieben Siegen.

Scuderia: Die Scuderia Ferrari (italienisch für Rennstall) wurde 1929 von Enzo Ferrari gegründet und bildet die Motorsportabteilung des Ferrari-Konzerns. Da Imola vom Firmensitz Maranello nur 80 Kilometer entfernt ist, wird das Rennen auch als Heimspiel der Scuderia gehandelt. Daneben gelten auch die Kurse in Monza und Maranello als Ferrari-Heimstrecken. Das Markenzeichen des Rennstalls, ein springendes Pferd auf gelbem Grund, geht im Übrigen auf den Weltkriegspiloten Francesco Baracca zurück.

Tifosi: Der italienische Begriff Tifoso bezeichnet einen Fan oder Anhänger einer Sache. Der Plural Tifosi wird oft als Synonym für italienische Fans bei Sportveranstaltungen verwendet. Das Wort Tifoso geht im Übrigen auf die Infektionskrankheit "tifo" (italienisch für Typhus) zurück, die unbehandelt zu hohem Fieber führt, so wie der Tifoso oft unter "Sportfieber" leidet. Ursprünglich besaß der Begriff eine negative Bedeutung und meinte früher die Anhänger des faschistischen Diktators Benito Mussolini.