Das Spannende und Unterhaltsame am Sport ist nicht bloß das Ergebnis, vielen bietet er auch die ideale Bühne, um ihr Sportwissen zur Schau zu stellen. Von unnützem Wissen ist dann oft die Rede, etwa, wenn es um das Rezitieren von Sportergebnissen oder gebrochenen Rekorden geht. Aber wie sieht es mit den allgemeinen Fakten aus -beziehungsweise mit jenen, die für Selbige so gehalten werden? Die "Wiener Zeitung" hat einige kuriose Irrtümer der Sport-Allgemeinbildung zusammengetragen. Hätten Sie es gewusst?

Von Marathon nach Athen sind es exakt 42,195 Kilometer . . .

Es sind etwa 40 Kilometer, und diese Strecke wurde auch bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit gelaufen. Bei Olympia 1908 in London jedoch wollte man den Marathonlauf unbedingt vor dem Windsor Castle beginnen und vor der königlichen Loge im White City Stadium im Stadtteil Hammersmith and Fulham enden lassen. Die Strecke entsprach exakt 26 Meilen und 385 Yards, also 42,195 Kilometern. 1921 wurde die Distanz als offizielle Länge eines Marathonlaufs festgelegt.

Fußball war immer schon der Sport des "kleinen Mannes" . . .

Fußball wurde im 19. Jahrhundert vor allem bei jungen englischen Akademikern sehr populär. 1846 verfassten die Theologiestudenten Henry de Winton und John Charles Thring an der Universität Cambridge die ersten Regeln. Auch auf dem Kontinent jagten vor allem Schüler und Studenten dem Ball hinterher. Namen wie "Borussia" oder "Alemannia" rühren von diesen studentischen Verbindungen. Die Arbeiter waren eher beim Turnen zu finden. Erst in den 1930er Jahren entdeckte schließlich auch die Arbeiterklasse den Fußball für sich. Frühe Träger dieser Entwicklung waren unter anderem die Arbeitersportvereine. Rapid oder Schalke 04 galten als klassische Arbeiterklubs.

Gefoulte Fußballer sollten Elfmeter nicht selbst schießen . . .

Es ist dies eine bekannte "Hasenfußregel", die selbst Franz Beckenbauer immer wieder gerne zum Besten gab. Allerdings ist der Rat an Gefoulte, tunlichst nicht zum Strafstoß anzutreten, seit mindestens zwanzig oder dreißig Jahren out. Wenn der Gefoulte zu den anerkannten Elfmeterschützen im Team gehört, dann schießt er auch - und winkt nicht etwa einen Mitspieler herbei, der sich womöglich noch am anderen Ende des Platzes befindet oder schlechtere Trefferquoten hat. Die Wut über die genommene Torchance scheint Schützen weder zu hindern noch zu beflügeln. Laut einer Statistik der Sporthochschule Köln treffen gefoulte Kicker nicht öfter als andere. Die Trefferquote liegt bei jeweils 73 Prozent.

Frauenfußball gab es erst nach dem Zweiten Weltkrieg . . .

Bei den Indigenen Amerikas, aber auch im europäischen Mittelalter haben Männer und Frauen fußballähnliche Spiele oft gemeinsam gespielt. Dabei traten manchmal ganze Dörfer oder Stämme gegeneinander an. An den britischen Schulen spielten Mädchen ab 1863 Fußball, 1895 fand das erste "Länderspiel" zwischen Frauen statt, das der englische Norden haushoch gegen den Süden der Insel gewann. Das erste internationale Länderspiel gewann England 1920 gegen Frankreich. Nach dem Ersten Weltkrieg existierten unzählige Frauenteams, und Spitzenspiele wurden von bis zu 50.000 Zuschauern verfolgt, bevor 1921 der Frauenfußball verboten wurde. In Österreich wurde das Frauen-Nationalteam erst 1990 ins Leben gerufen. Im Jahr 2017 qualifizierte man sich erstmals für die Fußball-EM und wurde Dritter. 2022 gelang erneut die EM-Qualifikation.

Cheerleading war und ist ein klarer Frauensport . . .

Die ersten Cheerleader waren ausschließlich Männer. 1898 soll es an der University of Minnesota das erste Team gegeben haben, das das Publikum mit einstudierten Gesten zum Anfeuern der Mannschaft animierte. Die ersten Mädchen tauchten erst um 1920 auf, doch dann entwickelte sich sehr rasch eine "Arbeitsteilung" zwischen den Burschen, die Basketball, Football oder Eishockey spielten, und den Mädchen, die Cheerleading als Sport betrieben. Im Trend ist Cheerleading auch bei Homosexuellen.

In der Antike konnten Frauen keine Olympiasiegerinnen werden . . .

Die erste Frau, die in Olympia gewann, hieß Kyniska, sie war Tochter eines spartanischen Königs und siegte 400 vor Christus im Wagenrennen. Damals wurde der Besitzer und Züchter der Pferde zum Olympioniken gekürt, nicht der Wagenlenker, der oft ein Sklave war. Nach Kyniska gewannen auf diese Weise noch weitere Damen. Die erste Frau, die ihre Medaille aktiv errang, war die Britin Charlotte Cooper (1871-1967), die im Jahr 1900 in Paris im Tennis gewann.

Cricket ist ein typisches englisches Spiel . . .

Die ersten nachweisbaren Cricketspieler waren Weber in Flandern und Nordfrankreich. Auch der Name des Spiels ist flämisch und leitet sich von "met de krik ketsen" (mit dem Stock jagen) ab. In England wurde Cricket erst im 14. Jahrhundert heimisch. Die Briten exportierten das Spiel folglich in die Staaten des einstigen Commonwealth, wo es teilweise noch populärer als im Mutterland wurde.

Auch die merkwürdige Zählweise im Tennis kommt aus England . . .

Im Zweifelsfall werden immer die Briten verantwortlich gemacht, wenn irgendwo in Europa irgendwelche Maßeinheiten oder Zählschritte nicht dem Dezimalsystem entsprechen. Allein die Zählweise im Tennis wurde in Frankreich eingeführt. Dort spielte man Tennis in der frühen Neuzeit um Geld, und die entsprechenden Münzen waren 15, 30 und 45 Sous wert. Vermutlich aus sprachlicher Schlampigkeit ist irgendwann aus dem 45er ein 40er geworden. Tennis soll übrigens im 13. Jahrhundert von französischen Mönchen erfunden worden sein, die bei ihrem Spiel auch die Decke des Kreuzgangs mit einbezogen.

Pingpong wurde von den Chinesen erfunden . . .

Das Tischtennis erfand die englische Oberschicht in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dieses "table tennis", mit dem sich gut verregnete Wochenenden vertreiben ließen, wurde am Anfang sehr rustikal gespielt. Über einen großen Tisch wurde eine Schnur gespannt, Bälle aus Champagnerkorken oder Gummi geschnitzt, und als Schläger dienten Deckel von Zigarettenkisten, Pfannen oder auch Federballschläger. 1875 legte der Ingenieur James Gibb die ersten Regeln fest. 16 Jahre später entdeckte Gibb in den USA Zelluloidbälle, die sich hervorragend für das Spiel eigneten. Deren klackende Geräusche brachten ihn auf den Namen Pingpong, den er sich prompt gesetzlich schützen ließ. In China wurde Pingpong erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts heimisch.

Winston Churchill hatte eine starke Abneigung gegen Sport . . .

Ob der britische Premier Winston Churchill (1874 bis 1965) tatsächlich Urheber des berühmten Spruchs "No sports, only whiskey" ist, steht nicht einwandfrei fest. Möglicherweise hat er ihn gesagt. Ernst gemeint hat er ihn mit Bestimmtheit nicht. Churchill war erfolgreicher Cricket- und Golfspieler, Schwimmer und Fechter. Vor allem aber ritt er gerne. Seinen aktiven Kriegsdienst bestritt er als berittener Husar. Zudem spielte er Polo und ritt noch als 70-Jähriger aus.