Die Bilanz von Dominic Thiem nach den ersten vier Auftritten nach seinem Comeback liest sich bitter: vier Niederlagen, ein Satzgewinn und auch ein weiterer Absturz in der Weltrangliste, in der Thiem ab Montag erstmals seit 3. März 2014 nicht mehr in den Top 100 aufscheinen wird. Die Bestandsaufnahme über das rot-weiß-rote Tennis sieht daher ganz anders als rosig aus, erstmals seit mehr als 36 Jahren hat Österreich bei den Herren keinen Top-100-Spieler; bei den Damen wartet man schon seit fünf Jahren darauf.

Thiem selbst gab sich nach dem 3:6, 4:6 gegen Andy Murray in Madrid zumindest nach außen hin gelassen. "Es war das erste ganz große Turnier nach dem Comeback, das erste Mal auch ein richtig voller Centercourt. Das war schon wunderschön, vor allem auch mit den ganzen Erinnerungen, die ich an das Turnier habe", sagte er in Erinnerung an insgesamt vier Semifinale sowie zwei Finale (2017, 2018) in der spanischen Hauptstadt.

Die gleiche gute Bilanz hat Thiem übrigens auch in Roland Garros, wo am Sonntag in zwei Wochen das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres über die Bühne geht. Dass Thiem bis dahin schon einen klaren Aufwärtstrend schafft, ist derzeit aber eher unwahrscheinlich. Nach 280 Tagen Pause braucht Thiem Zeit, die ihm betreffend Paris freilich schon davonläuft. Nächste Woche in Rom steht schon das nächste Masters-1000-Turnier an, danach noch unmittelbar vor dem Major an der Seine das Turnier in Genf.

Er selbst hatte betont, dass er bis Paris "zumindest ansprechende Form" erreichen will, aber er wisse, dass es ein langer Weg zurück ist. "Es ist das eingetreten, was zu erwarten war, eine frühe Niederlage leider. Aber ich schaue, dass ich weiterarbeite und ich nächstes Jahr in Madrid wieder auf 100 Prozent bin", sagte der Niederösterreicher nach seinem Aus. Sein nächster Plan klingt gleich wie zuletzt: "Ich muss schauen, dass ich viele Stunden auf dem Platz verbringe. Das ist das Wichtigste. Noch ein paar Tage hier in Madrid und dann nach Rom, dort nehme ich den nächsten Anlauf."

Viel Zuspruch von Murray

Sein Bezwinger sprach Thiem schon beim Shakehands Mut zu: "Mach so weiter. Es dauert seine Zeit, aber es wird wieder", sagte Murray, der übrigens seinen ersten Sieg auf Sand seit fünf Jahren feierte. Murray hatte im Jahr 2007 eine ähnliche Verletzung. "Ich hatte eine Handgelenksverletzung, als ich 20 Jahre alt war, und das war sehr schwer. Es hat mich einige Zeit gekostet, ehe ich mich auf der Vorhandseite wieder wohlgefühlt habe", erzählte der zweifache Olympiasieger. Bei Thiems Spielstil dürfte es noch etwas diffiziler sein. "Er verwendet das Handgelenk sehr, wenn er spielt, und er spielt mit einem starken Topspin. Ich hoffe, dass es eine Art mentale Sache ist und nichts, das ihm Schmerzen oder unangenehme Gefühle verursacht." Bei gewissen Schlägen sehe es sehr gut aus. "Aber es gab ein paar besondere Schläge, die er normalerweise machen würde. Er serviert immer noch sehr gut, hat einen fantastischen Kick-Aufschlag und schlägt eine sehr gute Rückhand. Und er bewegt sich exzellent." Worte, die Thiem freuen. "Es war sehr nett, was er am Netz gesagt hat. Und diese Worte sind von jemandem wie ihm noch mehr wert, weil er wirklich einen langen Erholungsprozess durchgemacht hat. Er ist ein echtes Vorbild, wie er nach seiner Hüftverletzung zurückgekommen ist."

Für Thiem wird es allerdings in der Weltrangliste noch ordentlich abwärts gehen, wenn er die Kehrtwende nicht sehr bald schafft. Kommenden Montag wird er um Rang 160 zu finden sein, womit er auch seinen Status als Österreichs Nummer eins an Dennis Novak verliert; die Woche darauf fallen ihm weitere 90 Zähler aus Rom aus der Wertung, und am 13. Juni werden ihm die 180 Punkte vom French-Open-Viertelfinale 2020 gestrichen. Punktet Thiem bis dahin nicht ordentlich, fällt er sogar aus den Top 300.(apa/red.)