Eines lässt sich einen Tag vor der Premiere des Formel-1-Grand Prix von Miami am Wochenende in Florida (Start: Sonntag, 21.30 Uhr/Servus TV) schon mit Bestimmtheit sagen: Ein Flop wird dieses Kräftemessen nicht. Immerhin war der Sunshine State schon einmal, am 12. Dezember 1959, Austragungsort eines Formel-1-Rennens gewesen - und dieses Gastspiel endete damals in einem Desaster. Eigentlich hätte ja der Große Preis der USA auf dem im Zentrum des Bundesstaats gelegenen Sebring International Raceway, der damals noch nach dem Reglement der Indianapolis-500-Serie gefahren wurde, den Saisonauftakt bilden sollen. Allerdings wurde das Rennen ans Ende der Saison verschoben und erzielte kaum Zuschauerresonanz und noch weniger Einnahmen.

Während also dieser Grand Prix in Florida nach nur einem einzigen Rennen wieder Geschichte war (und 1960 ins kalifornische Riverside übersiedelte), wird sein Schicksal der Strecke in Miami wohl erspart bleiben. Zum einen ist der 5,41 Kilometer lange Kurs, der rund um das Football-Stadion der Miami Dolphins im Norden der Stadt gelegt wurde, neu und noch ein Mysterium für Piloten, Konstrukteure und Fans. Er wurde speziell für die Veranstaltung entworfen, wobei mehrere potenzielle Streckendesigns vorgeschlagen und getestet wurden. Und zum anderen erlebt die Formel 1 in den USA aktuell einen Hype, wie es ihn lange nicht mehr gegeben hat. Als Popularitäts-Turbo erwies sich neben den seit 2012 ausgetragenen Rennen in Austin (Texas) vor allem die Netflix-Formel-1-Dokumentation "Drive to Survive".

Tatsächlich lassen sich die amerikanischen Fans die Königsklasse einiges kosten. Schon das erste Kontingent an Eintrittskarten für den erstmalig ausgetragenen Miami-Grand-Prix war binnen Minuten ausverkauft, und das, obwohl die Veranstalter hohe Preise ausgerufen hatten. So lagen etwa die Kosten für ein Dreitagesticket in Miami im Vorverkauf bei 550 bis 1.800 Euro pro Person, je nach Lage der Tribüne. Am teuersten sind die Tickets für Sitzplätze auf der Höhe von Start und Ziel beim Hard-Rock-Stadion. Am günstigsten verfolgt man die Formel 1 in Miami am Streckenteil "Beach". Laut Veranstaltern sollen sich 275.000 Personen aktiv um Karten bemüht und eine Registrierung vorgenommen haben. Und das bei einer geplanten Kapazität von "nur" 80.000 Menschen.

Das Ende der Fahnenstange ist also noch lange nicht erreicht, und die Formel 1 weiß das. Um das noch ruhende Potenzial des US-Marktes auszuschöpfen, ist neben Miami und dem Großen Preis der USA auf dem Circuit of the Americas in Austin bereits ein drittes Projekt in der Pipeline: die Rückkehr der Königsklasse 2023 nach Las Vegas. Schon 1981 und 1982 waren die Boliden in der Glitzerstadt in der Wüste Nevadas zu Gast gewesen. Stattfinden soll der Grand Prix an einem Samstag im November als Nachtrennen, und die 6,12 Kilometer lange Strecke (mit 14 Kurven und drei langen Geraden) soll über die weltberühmte Amüsiermeile "Strip" verlaufen. Längst als Formel-1-Strecke ausgedient hat in den USA hingegen die alte Dame Indianapolis. 19 Jahre lang (von 1950 bis 1960 und 2000 bis 2007) war der etwas mehr als vier Kilometer lange Kurs im Stadtteil Speedway Teil der Königsklasse gewesen - inklusive des Skandalrennens von 2005, als aufgrund massiver Reifenprobleme alle mit Michelin-Pneus ausgestatteten Teams nicht starten konnten und daher nur jene sechs Fahrer, die auf Bridgestone unterwegs waren, teilnehmen konnten. Aktuell wird Indianapolis vor allem mit den legendären Indycar-Rennen assoziiert. Indianapolis gilt ja überhaupt als die Wiege des US-Motorsports, die ersten Autorennen datieren von 1906, fünf Jahre später wurde hier das erste "Indy 500" veranstaltet. Die Oberfläche der Fahrbahn bestand ursprünglich lediglich aus Schotter und Teer.

Nachdem die Strecke bei den Eröffnungsrennen stark beschädigt worden war, erhielt sie im Herbst 1909 einen neuen Belag aus über drei Millionen Ziegelsteinen, was ihr den Spitznamen "Brickyard" einbrachte. Die Renndistanz beträgt im Übrigen 200 Runden, 500 Meilen oder 804,672 Kilometer. Bei einer heutigen Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern und einer Renndauer von gut drei Stunden ist dieses Rennen neben anderen Superspeedway-Veranstaltungen die höchste Belastung für Fahrer und Material. Mit Blick auf solche Zahlen können die Piloten in Miami aufatmen. Schätzungen gehen von einer Rundenzeit von 1:35 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 217 Stundenkilometern aus. Nun, man wird sehen.