Die Überraschung war sehr groß gewesen, als es Mitte März plötzlich hieß, dass das österreichische Eishockey-Nationalteam aufgrund der kriegsbedingten Ausladung der weißrussischen und russischen Mannschaften doch an der A-WM im finnischen Tampere teilnehmen darf. Parallel mit dem allgemeinen Jubel nahm bald aber auch der Respekt vor der Herausforderung zu. Grund dafür waren die personelle wie die sportliche Verfassung.

Wie eng es um den Kader der Österreicher bestellt ist, zeigte die Nominierung desselben am Montag. Teamchef Roger Bader hat für die am Freitag beginnende Weltmeisterschaft in Finnland einen 25-Mann-Kader mit nicht weniger als 13 WM-Neulingen nominiert. Beim finalen Cut wurden der Verteidiger Gerd Kragl (Linz) und der Angreifer Simeon Schwinger aus Dornbirn aussortiert. "Es war unglaublich schwer, diese Entscheidung zu fällen. Die beiden Spieler hätten es sich genauso verdient, nach Finnland mitzufliegen", sagte Bader. Während die drei Torhüter David Kickert, David Madlener und Bernhard Starkbaum WM-Erfahrung mitbringen, sind sieben der neun Verteidiger erstmals bei einem WM-Turnier dabei. Zudem haben sechs Stürmer noch nie bei einer WM gespielt.

Diese personellen Defizite machten sich zuletzt auch sportlich bemerkbar. So hat das Nationalteam auch sein jüngstes Testspiel für die A-WM in und gegen Deutschland 1:3 (0:0, 1:1, 0:2) verloren. Die ÖEHV-Truppe unterlag am Sonntag in Schwenningen vor ausverkaufter Hallen-Kulisse mit rund 6.200 Zuschauern nach einer durch Brian Lebler erzielten Führung (29. Minute) nicht unbedingt verdient, die Deutschen waren aber die Glücklicheren. Umso mehr will man nun in Skandinavien zeigen, was man kann.

Dabei waren die Nationalspieler mit viel Selbstvertrauen in die Partie gegangen, hatte es doch zuletzt gegen die Weltklasse-Teams Schweden (0:1), Olympiasieger Finnland (2:4) sowie gegen Tschechien (1:4) nach guten Leistungen nur recht knappe Niederlagen gesetzt. Eine gute Leistung bot die Equipe von Chefcoach Bader auch diesmal, die Deutschen hingegen kamen nicht an ihr Topniveau heran. Der Ausgleich gelang Alexander Karachun von hinter dem Tor im Kampf gegen gleich vier Österreicher. Im Schlussdrittel schien bereits eine Entscheidung im Penaltyschießen wahrscheinlich, als Stefan Loibl eher mit einem Verzweiflungsschuss den bis dahin starken ÖEHV-Goalie Starkbaum überraschte (56.). Das 1:3 war ein Empty-net-Tor per Bande von Dominik Bittner (58.).

Schwere Gruppe B

Allein Bader ließ sich die Vorstellung seines Teams nicht schlechtreden: "Wir waren heute in jeder Hinsicht und von der ersten bis zur letzten Minute ebenbürtig mit den Deutschen, und das ist nicht selbstverständlich. Das dritte Tor, den Empty Netter kann man vergessen. Ein Glücksschuss über die Bande ins Tor, im Prinzip ist das eine 1:2-Niederlage und wir hätten genauso 2:1 gewinnen können, also die Leistung war recht gut." Die Deutschen waren immerhin mit den NHL-Stars Philipp Grubauer, Moritz Seider und Tim Stützle angetreten, die auch noch ein zweites Mal an der Stange gescheiterten Österreicher erstmals mit dem jungen, erst 18-jährigen Stürmer Marco Kasper.

Das ÖEHV-Team verbrachte am Montag noch einen freien Tag in Schwenningen. Am Dienstag reist die Mannschaft via Zürich in die finnische Hauptstadt. Von Helsinki geht es dann am Mittwoch per Bus nach Tampere, wo am Samstagvormittag (11.20 Uhr) im ersten WM-Spiel mit Schweden ein starkes Kaliber wartet. Die fünf übrigen Gegner in der Gruppe B lauten auf WM-Gastgeber Finnland, USA, Tschechien, Lettland, Norwegen sowie Großbritannien. Das Finale steigt am 29. Mai, der Gruppenletzte steigt wieder ab.

Bei der A-WM nicht dabei sind hingegen Ungarn und Slowenien. Doch daran könnte sich bald etwas ändern. Beide Länder bewerben sich gemeinsam mit Budapest und Ljubljana für die Austragung der Eishockey-WM 2023. Vor knapp zwei Wochen hatte der Eishockey-Weltverband Russland das in St. Petersburg geplante Turnier entzogen. Den Ersatzort will die IIHF anlässlich ihrer Jahresversammlung im Rahmen der Weltmeisterschaft im finnischen Tampere bekannt geben. (apa/rel)