Am Donnerstag wird Bernhard Raimann in Indianapolis zur Füllfeder greifen und mit der Leistung seiner Unterschrift rot-weiß- rote Sportgeschichte schreiben. Erstmals seit rund 38 Jahren ist in der kommenden Saison wieder ein Österreicher in der US-amerikansichen National Football-League engagiert. Erst im März war der 24-jährige Student der Central Michigan University von den Indianapolis Colts in die NFL gedraftet worden, er ist damit der erst insgesamt vierte Österreicher, dem dieses Kunststück gelungen ist.

1972 gewann der Ex-Fußball-Nationalspieler Toni Fritsch mit den Dallas Cowboys die Super Bowl, wenngleich er im Finale nicht zum Einsatz kam. Mit den San Francisco 49ers erfolgreich war wiederum 1982 und 1985 Raimund "Ray" Wersching. Der Auswanderer-Sohn aus Mondsee bestritt 1987 auch das bisher letzte NFL-Spiel eines Österreichers. Dritter im Bunde der NFL-Österreicher war Toni Linhart. Der gebürtige Steirer kickte unter anderem bei den Baltimore Colts, die 1984 nach Indianapolis übersiedelten, wo Raimann nun seine NFL-Karriere beginnen wird.

Nun ist Raimann nicht der einzige Austro-Sportler, für den der Traum einer Profi-Karriere in den USA wahr geworden ist. Auch in anderen Sportarten und US-Ligen haben sich einige Landsleute des Burgenländers einen Namen gemacht. Hier einige aktuell engagierte Aktive im Überblick.

National Hockey League: Der Vorarlberger Marco Rossi wurde im Sommer 2020 von den Minnesota Wild an neunter Position im Draft ausgewählt und im Oktober mit einem Einstiegsvertrag ausgestattet. Für die Vorbereitung auf die Saison 2020/21 nahm der heute 20-Jährige am Trainingslager der Wild im Januar 2021 teil, schied jedoch bald verletzt aus und erkrankte an Covid-19. In Minnesotas Farmteam Iowa Wild entwickelte er sich mit 16 Toren und 26 Assists in 42 Partien zum Topscorer und feierte am Dreikönigstag 2022 mit Minnesota Wild sein NHL-Debüt. Nach zwei Spielen kehrte er ins Farmteam zurück. Im März wurde Rossi zu Österreichs Spieler des Jahres gewählt. Außer ihm ist nur noch Landsmann Michael Raffl als NHL-Spieler aktiv. Er spielt seit 2021 als Free Agent für die Dallas Stars.

National Basketball League: Jakob Pöltl ist der erste Österreicher, dem je der Sprung in die NBA gelungen ist. Der Wiener wurde am 23. Juni 2016 beim Draft an neunter Stelle von den Toronto Raptors ausgewählt. Nach erfolgreicher Vorbereitungsphase feierte er am 26. Oktober sein Debüt in einem NBA-Spiel, wobei ihm gleich ein Dunk gelang. In seiner ersten Saison hatte Pöltl insgesamt 54 Einsätze mit 626 Minuten Spielzeit. Sein Vertrag bei den Toronto Raptors lief bis zur Saison 2018/19 mit zwei Team-Optionen bis Juli 2019 beziehungsweise 2020 und dann einem Qualifying Offer als Free Agent. Im Juli 2018 wechselte er nach einem Vertragstausch zu den San Antonio Spurs. In Texas spielt Pöltl aktuell die Saison seines Lebens. In 68 Spielen gelangen ihm im Schnitt 13,5 Punkte. Das ist eine deutliche Steigerung zu den Vorjahren. In der Vorsaison waren es lediglich 8,6 Punkte, bei seinem Debüt in der NBA bei den Raptors gar nur 3,1.

Major Soccer League: Beim SK Rapid kam er in der Saison 2020/21 in 32 Saisonspielen zum Einsatz und machte dabei 15 Tore, womit er der viertbeste ligaweit und der beste Torschütze seines Klubs war. Im Jahr darauf knüpfte Ercan Kara an seine Torquote aus der Vorsaison an und hielt bei neun Treffern in 17 Einsätzen, als er im Jänner 2022 Rapid verließ und zu Orlando City in die USA wechselte. Sein Vertrag beim Major-Soccer-League-Klub aus Florida läuft bis Dezember 2024. Im April traf Kara für Orlando City erstmals gegen Chicago Fire und Columbus Crew.

Neben Ercan Kara ist aktuell nur ein weiterer Österreicher, der aus Libyen gebürtige Ismael Tajouri, in der Major Soccer League aktiv. Der Mittelfeldspieler wechselte 2018 von der Wiener Austria zum New York City FC, seit Dezember 2021 steht er beim Los Angeles FC unter Vertrag. Seine Bilanz in den USA ist mit zwei Toren in vier Jahren eher mau.