Das lange Warten hat ein Ende: Eva Voraberger gibt am Freitag in Istanbul ihr Comeback in einem WM-Kampf. Die 32-jährige Profi-Boxerin matcht sich mit der Türkin Seren Cetin im Bantamgewicht (bis 53,5 Kilogramm) um den WBC-Titel. Es ist die Premiere für einen Frauen-WM-Kampf in der Türkei. "Das ist natürlich was Besonderes und auch eine zusätzliche Motivation", sagt Voraberger im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

Die Vorbereitung mit Trainer Hermann Bendl sei trotz einer mittlerweile auskurierten Verletzung "zufriedenstellend" verlaufen. Der Optimismus ist groß. "Wenn wir nicht wissen würden, dass wir gute Chancen haben, zu siegen, würden wir es nicht machen", betont Voraberger. Einen Selbstläufer dürfe man allerdings keinesfalls erwarten. "Es wird zu 100 Prozent ein harter Kampf, da wird die Tagesverfassung viel mitspielen. Wir sind auf alles vorbereitet."

Läuft alles nach Plan, soll das Duell nicht erst nach den zehn Runden entschieden sein. "Auswärts wäre es schöner, wenn man durch K.o. siegt, dann wäre es klarer. Wenn es über die Distanz geht, wird es schätzungsweise knapp werden", vermutet Voraberger. Sie will die Initiative übernehmen, ihrer Gegnerin ihren Kampfstil aufzwingen. "Sie hat einen sehr aggressiven Kampfstil, ist dafür aber auch sehr offen. Ich muss schauen, dass ich sie nicht gut stehen lasse, sie unter Beschäftigung halte." Cetin hat zwar ihre bisher neun Duelle allesamt gewonnen, allerdings noch keinen WM-Kampf absolviert. "Meine Erfahrung in WM-Kämpfen ist ein großer Vorteil, normaler Kampf und WM-Kampf, das ist ein großer Unterschied", sagt Voraberger. Auch das Gefühl des Verlierens und Am-Boden-Liegens schon zu kennen, bezeichnet Österreichs Aushängeschild, das seit Dienstagnachmittag in der Türkei ist, als "Vorteil".

2019 war die Steirerin zuletzt in WM-Titelkämpfen zu sehen. Im Jänner hatte es im Hulu Theater im Madison Square Garden von New York gegen Amanda Serrano aus Puerto Rico nur 35 Sekunden gedauert, ehe sie in der Hoffnung auf den WBO-Superfliegengewichts-Titel k.o. ging. Im Oktober ging sie dann vor eigenem Publikum in Bregenz im WBC-Bantamgewichts-Duell mit der Argentinierin Vanesa Taborda in der Schlussphase der fünften Runde zu Boden.

Lange Pause

Danach lag ein Karriereende in der Luft, mehr als zweieinhalb Jahre später nimmt die Österreicherin mit dem Kampfnamen "Golden Baby" aber einen neuen Anlauf. "Die lange Pause hat für den Kopf gut getan, sportlich war es aber schon so, dass wir wieder bei null angefangen haben", sagt Voraberger. Motivationstechnisch sei es auch aufgrund der Corona-Pandemie sehr schwer gewesen. Nun ist der Blick aber nur noch nach vorne gerichtet - vorerst allerdings nur bis Freitag. Erst danach will sie entscheiden, wie es weitergeht. "Es gibt diesen einen Kampf, diesen Tag X. Ich habe das bewusst so entschieden, will bewusst Druck rausnehmen. Was danach passiert, wird man dann sehen." Der WM-Kampf erfüllt auch einen guten Zweck, 50 Prozent der Ticketeinnahmen werden an Kriegsopfer und junge Sportler in der Ukraine gespendet. (apa)