Als das Olympische Eishockey-Turnier am 20. Februar zu Ende gegangen war, war der Himmel in Finnland in den frühen Morgenstunden nicht voller Polarlichter, sondern voller Geigen. Erstmals hatten die "Leijonat" ("Löwen"), wie die Nationalmannschaft genannt wird, Gold bei Olympia geholt, nach zweimal Silber bei den Spielen sowie dreier Weltmeistertitel war eine der in dieser Sportart traditionsreichsten Nationen auch offiziell ganz oben auf dem Olymp angekommen, ein 2:1 gegen Russland in Peking - nach 0:1-Rückstand - machte es möglich.

Nun aber kann Finnland noch eins draufsetzen: Wird auch die am Freitag in Helsinki und Tampere ausgetragene WM gewonnen, könnte man nicht nur im eigenen Land mit den Heim-Fans den Titel zelebrieren, man wäre auch die erst zweite Mannschaft, der das Double aus Olympiasieg und Weltmeistertitel in einem Jahr gelingt. Bisher hatte dieses Kunststück nur Schweden 2006 geschafft.

Und die Hoffnungen der Fans im Eishockey-verrückten 5,5-Millionen-Einwohner-Land sind durchaus berechtigt. Bei Olympia musste das Team von Cheftrainer Jukka Jalonen, der es schon 2011 und 2019 zum WM-Titel geführt hatte, keine Niederlage hinnehmen, bei sechs Siegen wies es ein imposantes Torverhältnis von 22:8 auf.

Erfolgscoach Jukka Jalonen und seine Löwen. 
- © reuters / David W. Cerny

Erfolgscoach Jukka Jalonen und seine Löwen.

- © reuters / David W. Cerny

Dazu kommt, dass einer der großen Rivalen diesmal fehlt: Das Team aus Russland darf ebenso wie jenes aus Weißrussland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht an den Titelkämpfen teilnehmen.

Treffen mit Österreich

Nutznießer war neben Frankreich auch Österreich, das ohne sportliche Qualifikation in die höchste Leistungsklasse aufrückte - und es dort nun in der Vorrunde unter anderem mit den Gastgebern zu tun bekommt (21. Mai). Im Rahmen der Euro-Hockey-Tour hielt man sich Ende April gegen die Suomi-Truppe wacker und die Niederlage nach 0:3-Rückstand mit 2:4 in Grenzen. Insgesamt liest sich die Bilanz aber vernichtend: In elf bisherigen Duellen holte man nur einmal - 2000 - ein Unentschieden, ansonsten setzte es ausschließlich Niederlagen. Bei acht davon betrug die Differenz vier oder mehr Tore.

Die übrigen Gruppengegner sind Großbritannien, Lettland, Norwegen, Schweden, Tschechien und die USA. Für Finnland geht die Mission Heim-Gold heute, Freitag, gegen Norwegen los (19.20 Uhr), Österreich bekommt es am Tag darauf zunächst mit den neben Finnland anderen üblichen Verdächtigen aus Kanada und den USA ebenfalls zu den Medaillenaspiranten zählenden Schweden zu tun.

Doch während der Kampf gegen den Abstieg für die Österreicher, die mit zahlreichen Debütanten ins Turnier gehen, schon schwer genug wird, sind die Gastgeber wild entschlossen, wieder Geschichte zu schreiben - und den Himmel über Finnland erneut sportlich zum Strahlen zu bringen.