Mit Geschenken sollte man bekanntlich nicht leichtfertig umgehen. Nachdem Österreichs Eishockey-Nationalteam durch den Rauswurf von Russland und Belarus wegen des Angriffskrieges Wladimir Putins gegen die Ukraine nach dem Abstieg 2019 unverhofft die Chance bekommen hat, doch wieder an einer A-WM teilzunehmen, will man diese nun nutzen - auch wenn die Umstände "bedauerlich" sind, wie Teamchef Roger Bader sagt. "Das wünscht man niemanden", meint auch Angreifer Manuel Ganahl. "Aber jetzt wollen wir zeigen, dass wir in die A-Gruppe gehören."

Wie schwierig das Unterfangen wird, zeigt auch der Blick auf die Gegner: Als Erstes bekommt man es am Samstag (11.20 Uhr) in der ultramodernen Nokia-Halle in Tampere im Südwesten des Landes mit dem elffachen Weltmeister Schweden zu tun. Danach folgen die Duelle mit dem zweifachen Goldmedaillengewinner USA, dem sechsfachen Titelträger Tschechien und - nach den Partien gegen Norwegen und Lettland, gegen die man sich zumindest Außenseiterchancen ausrechnet -, mit dem Gastgeber, der heuer schon Olympia gewonnen hat und damit das historische Double in Angriff nimmt -, ehe das Schlüsselspiel im Kampf gegen den Abstieg gegen Großbritannien auf dem Programm steht.

Doch so schwierig die ersten Spiele auch von der Ausgangslage her scheinen, ein ansprechender Start wird dennoch wichtig sein, um nicht in eine Negativspirale zu kommen. "Wir müssen uns so schnell wie möglich an das Niveau gewöhnen, das Tempo und die Spielanlage aufnehmen, dann tun wir uns in den Spielen danach wesentlich leichter", betont Ganahl. Einer, für den gleich die erste Partie eine besondere Bedeutung hat, ist Marco Kasper: Der 18-Jährige kommt nicht nur als jüngster rot-weiß-roter Akteur seit 21 Jahren zu seinem WM-Debüt, er darf dieses auch noch gegen seine Wahlheimat bestreiten.

Keine Nervosität

Beim schwedischen Spitzenklub Rögle BK hat er sich Saison einen Stammplatz erkämpft, einen Namen gemacht und die Champions Hockey League gewonnen, auch wenn er ausgerechnet im Finale zuschauen musste. Nun will der Kärntner, der einer von gleich 14 WM-Neulingen im Kader Baders ist, vor seinem fünften Länderspiel auch mit der Nationalmannschaft aufzeigen. "Ich bin nicht nervös, sondern freue mich nur", sagt der Sohn des ehemaligen Teamverteidigers Peter Kasper, der meist als Center, manchmal auch als Flügel eingesetzt wird. "Ich will daran anschließen, wie ich im Play-off gespielt habe, Tempo reinbringen, giftig spielen, um dem Team zu helfen", erklärt er. Was auf ihn und seine Kollegen gegen das Tre-Kronor-Team - bisher die einzige Mannschaft, die in einem Jahr WM und Olympia gewonnen hat (2006) - zukommt, kann der Schweden-Legionär gut einschätzen. "Sie sind eisläuferisch und technisch sehr gut. Wir müssen viel eislaufen, defensiv kompakt stehen, hart arbeiten, in die Zweikämpfe und auf die Rebounds gehen", meint Kasper. Denn Geschenke werden die Schweden wohl keine verteilen.(art/apa)