Das Ganze sei ein schlechter Witz und völlig entgegen dem gesunden Menschenverstand. Als bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021 die Gewichtheberin Laurel Hubbard antrat, mag zwar die globale Transgender-Gemeinde gejubelt haben, ihre Konkurrentinnen konnten jedoch ihren Augen nicht trauen und übten entsprechend Kritik. Denn die Neuseeländerin war als Mann geboren worden und verfügte - trotz "Geschlechtsanpassung" - auf der großen olympischen Bühne über wesentliche männliche Attribute. Hubbart hatte zwar mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun - doch weil sie als Trans-Aktivistin auch noch die Siegerinnen in den Schatten stellte, musste die Sportwelt handeln, um Fairness und Integrität sicherzustellen. In erster Linie bei Frauenwettkämpfen, wo Trans-Frauen die Gunst der Stunde zahlreich nutzen könnten.

Zunächst trat in der heiklen Angelegenheit das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf den Plan und änderte die bei Hubbard noch gültige Testosteron-Regel. (Der Testosteron-Wert einer zur Frau erklärten Person durfte für mindestens zwölf Monate bei höchstens 10 Nanomol pro Liter Blut liegen.) Stattdessen solle künftig in jedem Sport entschieden werden, in welchem Fall bestimmte Teilnehmer in dieser Hinsicht einen unfairen Vorteil haben könnten. Seit dem Wochenende ist nun gehörig Bewegung in die Causa gekommen.

Schwimmen: Denn der Schwimm-Weltverband Fina hat sich bei der derzeit laufenden WM in Budapest für einen restriktiven Kurs entschieden und gibt nun die Pace vor. Mit 71-prozentiger Zustimmung von den 152 wahlberechtigten nationalen Verbänden wurde durchgesetzt, dass eine Geschlechtsanpassung bereits vor dem zwölften Geburtstag abgeschlossen sein muss, um in Frauen-Bewerben antreten zu dürfen. Alternativ muss nachgewiesen werden, eine bestimmte Phase der männlichen Pubertät vor dem Vollzug noch nicht durchgemacht zu haben. Es ist dies das strengste gültige Transgender-Regulativ in allen olympischen Sportverbänden.

Gleichzeitig soll es künftig eine "offene Kategorie" geben, in der auch internationale Meisterschaften ausgetragen werden können. Die Debatte hatte sich im Schwimmsport zuletzt intensiviert, nachdem Lia Thomas von der Universität von Pennsylvania als erste Transgender-Athletin in den USA einen College-Meistertitel erobert hatte.

Leichtathletik: Dem Beispiel könnte nun auch die zweite elementare olympische Sportart folgen: Der Leichtathletik-Weltverband soll sich britischen Medienberichten zufolge dem neuen Fina-Reglement für Trans-Menschen anschließen. Wie unter anderem die BBC und der "Mirror" am Montag online berichteten, lobte World-Athletics-Präsident Sebastian Coe die neuen Festlegungen und zeigte sich offen für Regeländerungen. "Das ist so, wie es sein sollte. Wir haben immer geglaubt, dass die Biologie Gender übertrumpft, und wir werden unsere Vorschriften weiterhin entsprechend überprüfen. Wir werden der Wissenschaft folgen", kündigte Coe an.

In der Leichtathletik gibt es immer wieder Fälle von "männlichen" Athleten bei Frauenbewerben, die den Wettbewerb verzerren. Bekanntestes Beispiel ist die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya, die derzeit nur noch antreten dürfte, wenn sie ihren Testosteronspiegel künstlich senkt.

Rugby und Fußball: Am Dienstag kündigten auch die Rugby- und Fußball-Weltverbände Änderungen an: Die International Rugby League schließt vorerst alle Transgender-Athleten von internationalen Frauenwettbewerben aus - vor allem im Hinblick auf die anstehende Frauen-WM im Oktober. Man arbeite an Kriterien, "die das Recht des Einzelnen auf das Spielen mit der Sicherheit aller Teilnehmer auf faire Weise in Einklang bringen".

Und auch die Fifa will den Umgang mit Transgender-Spielern aktualisieren. "Die Fifa überarbeitet derzeit ihr Reglement zur Geschlechtergerechtigkeit in Absprache mit Experten", teilte ein Sprecher mit.