Sechs Siege hat Red Bull Racing zuletzt in der Formel-1-WM hintereinander gefeiert - nächster Halt ist der traditionsreiche Grand Prix von Großbritannien in Silverstone am Sonntag (16 Uhr MESZ/Servus- TV, Sky). Das "Home of British Motor Racing" hat zuletzt im Jahr 2012, als Mark Webber triumphierte, einen Red-Bull-Erfolg erlebt. Die Frage des Wochenendes ist, ob Ferrari seine Pannenserie abstellen kann. Und auch Mercedes rechnet sich mit zwei britischen Fahrern etwas aus.

Sechs der neun bisherigen Rennen hat Weltmeister Verstappen für sich entschieden, der Vorsprung auf Ferrari-Akteur Charles Leclerc beträgt mittlerweile 49 Punkte. Knapp vor dem Monegassen liegt Sergio Pérez, der 46 Punkte weniger als Verstappen gemacht hat. Viele im Formel-1-Umfeld und auch Fans treibt angesichts des aktuellen Trends bereits die Sorge um, dass die Weltmeisterschaft schon bald nach dem Sommer entschieden sein könnte. Wollen Ferrari und Leclerc noch ein entscheidendes Wörtchen mitreden, müssen rasch Siege her.

Was die Renngeschwindigkeit betrifft, sind die Scuderia und Red Bull an sich etwa auf dem gleichen Level. Das hat auch das vorangegangene Rennen in Montreal gezeigt, wo Verstappen sich am Schluss vehement gegen Carlos Sainz verteidigen musste, um seinen Sieg dingfest zu machen. "Beide Teams haben ein gleich schnelles Auto, in Kanada war Ferrari im Rennen sogar um einen Hauch schneller. Die Umsetzung muss aber besser werden", meint auch Servus-TV-Experte Christian Klien.

Zu viele Ferrari-Fehler

"Die Standfestigkeit ist aber nicht unbedingt der Wahnsinn, bei den Boxenstopps macht Ferrari Fehler, und auch strategisch muss man sich verbessern. In einer engen Weltmeisterschaft darfst du dir diese Dinge nicht erlauben", führt der Vorarlberger aus. Red Bull mache "einfach einen besseren Job. Zu Saisonstart, als man kein so starkes Auto hatte, wurde viel über die Strategie kompensiert."

Eine Vorentscheidung sei dennoch lange nicht gefallen, erinnerte Klien an das Vorjahr, als der WM-Zweikampf in England neu angefacht wurde. Der Mega-Crash von Verstappen und dem damals noch als Titelverteidiger agierenden Lewis Hamilton erhitzte noch Tage später die Gemüter. "Verstappen hatte alles im Griff. Dann kamen Silverstone und Budapest, und schwuppdiwupp - war der Vorsprung weg", sagte Klien. Das harte Manöver des Briten in der Copse-Kurve war einer der Höhepunkte im vergangenen WM-Duell. Während Hamilton seinen Heim-Triumph anschließend zelebrierte, weilte der Niederländer im Krankenhaus, wiewohl der spätere Champion noch Glück im Unglück hatte - passierte der Einschlag in die Reifenstapel doch mit sagenhaften 51 g.

Laut Klien wird eine Art Trendwende im WM-Zweikampf zwischen den Bullen-Boliden und der Scuderia in diesem Jahr jedoch nicht passieren. "Silverstone ist ein flüssiger Kurs mit schnellen Kurven, auf dem Topspeed gefragt ist", erklärt der bisher letzte Formel-1-Pilot aus Österreich. "Ferrari fühlt sich eher auf mechanischen, winkeligen Strecken wohl." Mit Spannung erwartet wird allerdings, ob Mercedes - Hamilton gewann in Silverstone bereits acht Mal - einen weiteren Schritt nach vorne machen und heuer womöglich doch noch um den Titel mitfahren kann. Wo sonst, wenn nicht in Silverstone? "Die Strecke ist auch sehr flach, mit wenigen Bodenwellen, was Mercedes sehr hilft. Und Kanada war für Lewis ein Lichtblick, er nähert sich seiner Form", erörtert Klien. Hamiltons Teamkollege und Landsmann George Russell bestreitet zudem seinen ersten Heim-Grand-Prix mit einem konkurrenzfähigen Auto.

Toto Wolff zuversichtlich

"Wir wissen, dass die beiden Top-Teams einen beachtlichen Vorsprung haben. Unsere Herausforderung besteht darin, diese Lücke zu schließen. Silverstone hat uns in der Vergangenheit gelegen. Zudem haben wir einige Verbesserungen geplant, und die Strecke ist glatter", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Es ist auch unser Heimspiel, da Brackley und Brixworth so nah an der Strecke liegen. Unsere Teammitglieder werden am Freitag an der Strecke sein und von der Tribüne aus die Ergebnisse ihrer harten Arbeit in Aktion sehen."