Das Königspaar der Niederlande hätte seinen Staatsbesuch in Österreich auch gut erst kommende Woche absolvieren können. Neben den heimischen Royal-Fans hätten sich Willem und Alexandra nämlich auch von Tausenden holländischen Untertanen bejubeln lassen können. Anlass für den Zustrom aus dem Polderstaat ist aber freilich der Formel-1-Grand Prix in Spielberg am 8. Juli, dessen großer Publikumsmagnet ja der niederländische Weltmeister Max Verstappen (24) ist. Der Vorverkauf deutet darauf hin, dass erstmals in der Geschichte an die 300.000 Fans zum Rennen kommen könnten.

So ist der Sonntag seit langem ausverkauft, und auch für die Tage davor gab es nur noch einzelne Restkarten. Knackt Spielberg die 300.000-Marke, wäre man punkto Besucherzahlen bei Bezahlevents in Österreich ganz weit vorne mit dabei und damit auch die Formel 1 nach Jahren der Tristesse wieder ein Event der Superlative. Der bisherige Fan-Rekord stammt aus 2014, als die Königsklasse bei der Rückkehr in die Steiermark von 220.000 Fans empfangen wurde. Seit damals hat die Formel 1 weltweit an Interesse gewonnen. Allein die Vorjahres-Saison mit dem verrückten Finale in Abu Dhabi verfolgten über 1,5 Milliarden Zuschauer. Damit spielt die Formel 1 mittlerweile in einer Liga mit den Olympischen Spielen, der Champions League und Fußball-WM.

Die Gründe für den Hype sind leicht erklärt. Einerseits hat die Formel 1 selbst dank spannender Rennen wieder Interesse auf sich gezogen, wobei die erfolgreiche Netflix-Doku-Serie "Drive to Survive" eine Rolle spielte. Und andererseits ist Vierfach-Spielberg-Sieger und WM-Leader Verstappen auf der Strecke seines Teambesitzers Dietrich Mateschitz ein verlässlicher Publikumsmagnet trotz neuerdings auch eigenem Heimrennen in Zandvoort. Und letztlich sind die Fans nach zwei Jahren im Pandemiemodus heiß darauf, wieder Vollgas zu geben.

Regen und Wirbel um Streckensturm in Silverstone

Diese Begeisterung war auch im Vorfeld des Grand Prix von Großbritannien am Sonntag in Silverstone zu spüren - auch wenn das Wetter Sicht und Stimmung etwas trübte. Für Valtteri Bottas war es dennoch ein guter Tag. Der Finne legte im verregneten Auftakttraining im Alfa Romeo die schnellste Rundenzeit hin. Schönheitsfehler: Die meisten Teams hatten ihre Boliden in der Garage gelassen, weswegen auch die Piloten bei dieser ersten Übungseinheit am Freitag so gut wie keine Erfahrungen sammeln konnten. Ein Grund war zudem ein Ausrutscher des Kanadiers Lance Stroll. Als der Asphalt kurz vor Ende trockener wurde, rauschte er im Aston Martin ins Kiesbett. Das Training wurde daraufhin abgebrochen.

Nur zehn der 20 Piloten verzeichneten mindestens eine komplette gezeitete Runde. Platz zwei hinter Bottas belegte Lewis Hamilton im Mercedes. Dahinter folgten das Ferrari-Duo Carlos Sainz und Charles Leclerc sowie Mick Schumacher im Haas. Weltmeister Verstappen drehte keine Runde mit Zeitnehmung. Aufschlüsse für das zehnte Saisonrennen am Sonntag (16 Uhr/ServusTV und Sky) gab das erste Training kaum. Der Niederländer liegt aktuell mit deutlichem Vorsprung an der Spitze der Gesamtwertung. Er hat heuer bereits sechs WM-Läufe gewonnen. Zweiter ist sein Red-Bull-Teamkollege Sergio Perez vor Leclerc.

Für Aufregung sorgte am Freitag eine Warnung vor einem möglichen Rennstrecken-Sturm durch Demonstranten. Mögliche Protestaktionen auf der Rennstrecke haben die Sicherheitskräfte vor dem Formel-1-Gastspiel in Alarm versetzt. Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass eine Gruppe von Aktivisten plane, das Rennen zu stören und die Strecke zu besetzen, teilten die zuständigen Behörden der Grafschaft Northamptonshire am Freitag mit. Die Polizei kündigte verstärkte Einsatzkräfte und umfassende Maßnahmen an.