Am Tag eins nach dem Grand Prix von Österreich in Spielberg dominierte neben dem Sieg von Ferrari-Pilot Charles Leclerc vor allem ein Thema. Laut Medien- und Augenzeugenberichten soll es während und rund um das Rennen im Zuschauerbereich zu sexistischen und rassistischen Übergriffen gekommen sein. Zwar hat die Rennleitung das Verhalten der Fans als inakzeptabel bezeichnet, sie weiß aber nicht recht, wie sie mangels konkreter Anzeigen mit der Causa umgehen soll. So meinte Red-Bull-Ring-Manager Erich Wolf am Montag knapp: "Die Vorfälle werden in enger Abstimmung mit der FIA in den nächsten Tagen und Wochen aufgearbeitet." Man kehre die Sache bestimmt nicht unter den Teppich, betonte er und kündigte für die kommenden Rennen Konsequenzen an.

Wie diese Konsequenzen konkret aussehen, ist aber noch nicht klar: "Wir sprechen da nicht über Vermutungen. Zuerst arbeiten wir an dem Thema." Wolf zufolge sind noch am Sonntag die Sicherheitskräfte am Ring verstärkt worden, und auch bei der Polizei wurden alle Stäbe zu erhöhter Aufmerksamkeit bei dem Thema angehalten. Bis zum Abend sei aber keine einzige derartige Anzeige eingelangt, erklärte Sprecher Christoph Grill auf Nachfrage der Austria-Presse-Agentur am Montag. Dabei sei die Exekutive mit einer eigenen Expositur direkt am Red-Bull- Ring rund um die Uhr erreichbar gewesen, die Beamten seien auch am Gelände unterwegs und jederzeit ansprechbar gewesen.

Dass die Übeltäter in der Masse hunderttausender Fans ausgeforscht werden, ist fraglich. Aber auch trotz der Vorkommnisse war das Rennen in Spielberg ein riesiger Erfolg. Während auf den Rängen die 300.000-Marke geknackt wurde, vermeldeten auch die TV-Sender hohe Quoten. Im ORF verfolgten im Schnitt 757.000 Motorsportfans den Österreich-Grand-Prix, auf ServusTV waren durchschnittlich 183.000 Personen mit dabei. In Hinblick auf den Marktanteil erzielte das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen 47 Prozent in der Gesamtzielgruppe und 51 Prozent bei den 12- bis 49-Jährigen. Der Salzburger Privatsender kam auf 11,4 beziehungsweise 8 Prozent Marktanteil.

Sportlich hat der Sieg in Österreich Leclerc allerdings nicht viel weiter gebracht, zumal Ferrari in den Punkterängen, bedingt durch das Ausscheiden von Silverstone-Gewinner Carlos Sainz nach Motorschaden, nicht viel Boden gutmachen konnte. Als Fahrer liegt Leclerc 38 Zähler hinter Titelverteidiger Max Verstappen, in der Konstrukteurswertung sind es 56 Punkte. Tatsächlich ging der rote Doppelsieg, der im letzten Rennviertel möglich schien, buchstäblich in Flammen auf, als der Motor im Heck von Sainz ohne Anzeichen kaputt ging. Für den Favoritensieg Verstappens, angefeuert von hunderttausenden Landsleuten, reichte es dennoch nicht. "Wir waren einfach ein bisschen zu langsam heute", sagte er. Die nächste Chance wartet schon: Am 24. Juli in Le Castellet.(rel/apa)