Die erste Hürde ist immer die Qualifikation. Das weiß niemand so gut wie Lukas Weißhaidinger, der sich dieser Prüfung in der Nacht auf Montag bei der Leichtathletik-WM in Eugene stellt. Am Leistungsvermögen soll es nicht scheitern. "Ich glaube, dass ich in einer sehr guten Verfassung bin. Gregor hat mich konkurrenzfähig für ganz oben gemacht", sagt der 30-Jährige. Zu tun bekommt er es mit einem "sehr schnellen und sehr glatten" Wurfkreis. Da müsse man technisch sauber arbeiten, wie schon in Tokio. "Ich bin froh, dass wir anders als in Tokio sehr früh angereist sind und Wurftraining machen konnten", sagt der Bronzemedaillengewinner bei Olympia, WM und EM.

Der Kreis im Aufwärmstadion sei ähnlich wie jener im Stadion Hayward Field, er habe im Training am Donnerstag Vertrauen geschöpft. Es gelte, mit Ruhe und Konzentration in den Wurf reinzugehen. Denn in der Qualifikation habe man nur drei Würfe, und einer davon müsse passen. Die drei bisherigen Bronzemedaillengewinne Weißhaidingers gingen nicht ohne Nervenkitzel in der davor zu absolvierenden Qualifikation in die Bücher ein. 2018 bei der EM in Berlin und 2019 bei der WM in Doha hatte er jeweils die geforderte Weite für den Direktaufstieg nicht erreicht und musste auf ungünstige Platzierungen und den Ausgang der zweiten Gruppe warten. Er stieg letztlich einmal als Elfter, einmal als Zwölfter auf. 2021 bei Olympia in Tokio musste der Medaillenanwärter nach zwei ungültigen Versuchen alles in den letzten legen und stieg als Gesamtfünfter auf. Die geforderte Weite in Eugene für die Direktqualifikation ist 66 Meter, zwölf kommen ins Finale.

"Nur ein bisschen aufregend"

"Heuer habe ich überhaupt keine Angst", sagt Weißhaidinger. "Wenn die Qualifikation nicht hinhaut, dann hat es mich erwischt. Aber daran denke ich nicht. Ich werde es konzentriert angehen. Ich denke weder über Nervosität nach, noch dass ich es ganz locker schaffe. Es ist ein einfacher Arbeitsprozess, den ich so durchlaufen habe, dass ich ins Finale komme. Dass die Quali nicht mein Freund ist, das wissen wir schon. Das Ganze ist für mich aber nicht negativ behaftet, sondern einfach ein bisschen aufregend."

Wenn sich Trainer Gregor Högler an die vergangenen Qualifikationen zurückerinnert, dann meint er: "Ich habe immer gedacht, es kann nicht ärger werden, es ist immer ärger geworden. Irgendwann muss das Gesetz der Serie abbrechen und es erwischt einen. Denn in Rio zum Beispiel kam er aus einer Verletzung zurück und war Zweiter."

Ein bisserl entspannter sei er heuer, weil sein Athlet technisch besser geworden sei. "Aber was kommt, weiß ich nicht, denn der Kreis ist schon rutschig. Aber Luki kann mehr als voriges Jahr, und da war er am Schluss auch souverän." Der Trick sei, die drei Würfe in der Qualifikation als drei Wettkämpfe zu sehen und nicht nach dem ersten oder zweiten verpatzen Versuch vorzeitig innerlich w.o. zu geben. Das werde aber eh nicht passieren. "Er ist eine coole Socke. Es gibt ein Grundvertrauen. Er weiß, was er da drinnen tut. Aber es kann trotzdem jeden erwischen, es hat auch schon Olympiasieger erwischt."

Weißhaidinger warf in dieser Saison bereits den österreichischen Rekord von 69,11 Metern, der schwedische Olympiasieger und Weltmeister Daniel Stahl mit 71,47 und der in der Diamond League überragende Slowene Kristjan Ceh kamen mit 71,27 über die 70-Meter-Marke. Nein, sie seien nicht außer Reichweite für ihn, versichert Weißhaidinger. "Ich weiß, wenn ich den Wurf habe, kann ich es auch. Ich brauche nicht nach links oder rechts schauen, ich muss einfach den Wurf machen. Dann können wir über Gold reden." Wenn er in der Nacht von einer Medaille träume, dann genauso von der Bronzemedaille wie von Gold. "Wir greifen Gold an und nehmen uns bis 2024 dafür Zeit. Überrascht hat mich, dass ich die Qualität heuer schon dahin gesteigert habe, dass ich würdig bin für Gold. Das bei einer WM zu machen, ist eine schwierige Geschichte, das wollen 30 andere auch."(apa)