Lewis Hamilton hat eine Ära in der Formel 1 geprägt. In Frankreich folgt nun am Sonntag (15 Uhr/ServusTV, Sky) aller Voraussicht nach der nächste Meilenstein für den Briten: Als erst sechster Fahrer bestreitet Hamilton seinen 300. Grand Prix (Rekordmann ist der Finne Kimi Räikkönen mit 349 Rennstarts). Ein Ende ist für den Mercedes-Superstar indes nicht in Sicht. Aktuell treibt den 37-Jährigen die Jagd nach dem ersten Saisonsieg in einem nicht mehr überlegenen Auto an.

Wohl auch deshalb will der siebenmalige Champion sein Jubiläum nicht zelebrieren. Solche Zahlen würden ihn zu sehr an sein Alter erinnern, sagte der Rekordjäger zudem. Viel wichtiger ist für den Vizeweltmeister, es wieder ganz nach vorne zu schaffen. "Ich arbeite auf den Sieg hin und glaube, dass wir das wieder schaffen werden. Keiner in unserem Team gibt auf und jeder macht Druck", sagte Hamilton vor dem Frankreich-Rennen, dem vorletzten vor der Formel-1-Sommerpause.

Für die Rückkehr an die Spitze schuftet und schwitzt - oder friert - Hamilton auch im hohen Rennfahrer-Alter noch. Vor dem Frankreich-Termin suchte er bei minus 110 Grad in einer Kältekammer Ablenkung und Abkühlung, wie er auf Instagram schrieb. Die für ihn ungewöhnliche Durststrecke von nun schon zwölf Rennen ohne Sieg soll endlich enden. Drei dritte Plätze in den vergangenen drei WM-Läufen zeigen einen Aufwärtstrend, der sich beim zwölften Grand Prix des Jahres in Mittelmeer-Nähe fortsetzen soll.

Noch sprechen die Zahlen aber klar gegen Mercedes und Hamilton. Der Brite ist in der Gesamtwertung nur Sechster, liegt mit 109 Punkten satte 99 Zähler hinter Max Verstappen (208). Auch Teamkollege George Russell (128) steht vor dem Altmeister, der ein klares Ziel hat: Titel Nummer acht. Noch liegt er mit Michael Schumacher punkto gewonnene Weltmeisterschaften gleichauf, mit einer weiteren Trophäe würde er die Ikone hinter sich lassen. "Jetzt müssen wir uns weiter steigern, um wieder an die Spitze zu kommen", forderte Hamilton zuletzt in Österreich.

In dieser Saison geben Red Bull und Ferrari das Tempo vor. Mercedes musste viel aufholen, wirkt nun aber gefestigt. Vor allem in Sachen Zuverlässigkeit scheint das Fahrzeug des deutschen Autobauers im Vorteil. Das könnte auch in Le Castellet wichtig sein, bei Temperaturen von mehr als 30 Grad werden Fahrzeuge und Reifen enorm beansprucht. Hamilton konnte 2018 und 2019 schon an der Côte d’Azur gewinnen, wurde im Vorjahr Zweiter hinter Verstappen.

Freiwillig verzichtete Hamilton auf das erste Training am Freitag. Nyck de Vries übernahm das Cockpit des Routiniers. Im Laufe einer Saison müssen junge Fahrer ohne große Erfahrung in zwei Trainings eingesetzt werden. Hamilton entschied sich selbst dafür, seinen Platz nun in Frankreich zu räumen. Teamkollege Russell (24) wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison einmal aussetzen.

Leclerc zum Auftakt vorne

Ferrari-Fahrer Leclerc ist im ersten Training die schnellste Runde gefahren. Der 24-jährige Österreich-Sieger verdrängte Verstappen aus den Niederlanden im Red Bull mit 0,091 Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz. Rang drei belegte bei großer Hitze und 59 Grad Asphalt-Temperatur der Spanier Carlos Sainz im zweiten Ferrari mit 0,338 Sekunden Rückstand.

Sainz wird den Grand Prix übrigens zehn Startplätze weiter hinten in Angriff nehmen müssen. Der Spanier wird mit der Rückversetzung für den Einbau einer neuen Steuerelektronik über das erlaubte Kontingent hinaus bestraft.