Mit einer furiosen Aufholjagd hat Max Verstappen den schlechten Vorzeichen getrotzt und sich erstmals den Sieg beim Großen Preis von Ungarn geholt. Von Platz zehn gestartet, pflügte der Niederländer mit seinem Red Bull am Sonntag durchs Feld und gewann schließlich vor Lewis Hamilton und Pole-Position-Mann George Russell im Mercedes. Verstappen profitierte auch von erneut fragwürdigen Strategie-Entscheidungen bei Ferrari, die seinen WM-Konkurrenten Charles Leclerc betrafen.

Vierter wurde Carlos Sainz als besserer Ferrari-Pilot vor Sergio Perez im zweiten Red Bull. Der Monegasse Leclerc, der zwischenzeitlich geführt hatte, musste sich am Ende mit dem sechsten Platz begnügen. Verstappen baute damit seinen WM-Vorsprung auf 80 Punkte aus und liegt vor der Sommerpause überlegen vor Leclerc in Front. Noch nie hatte ein WM-Führender zu diesem Zeitpunkt ein so großes Guthaben auf seinen Verfolger. Neun Rennen sind danach noch zu absolvieren, weiter geht es 28. August in Spa-Francorchamps.

"Wer hätte das gedacht, als wir aufgestanden sind, dass wir das Rennen gewinnen werden?", fragte Verstappen nach seinem 28. Grand-Prix-Sieg seine Mannschaft. Von einem so schlechten Startplatz hatte der Weltmeister zuvor noch nie gewonnen. "Ich habe natürlich gehofft, dass ich dem Podium nahe komme. Aber wir hatten so eine gute Strategie, sind immer zum richtigen Zeitpunkt an die Box gefahren." Red-Bull-Teamchef Christian Horner war fast außer sich: "Das zählt zum Bestem von dir. Unglaublich! Fantastisch!" Sogar mit einem 360-Grad-Dreher habe man gewonnen, verwies Verstappen auf ein letztlich folgenloses Missgeschick. "Es hat viel Spaß gemacht da draußen."

Hamilton freute sich über ein erneut beachtliches Resultat für das Team. "Ich bin euch so dankbar. Lasst uns weiter Gas geben!", sagte der Brite. "Ein bisschen ein besseres Qualifying, und ich hätte hier um den Sieg kämpfen können." Russell hatte das Rennen nach dem Start angeführt und war nicht ganz zufrieden. "Mit den Medium am Ende und dem Regen habe ich echt gekämpft", meinte der 24-jährige Landsmann von Hamilton. "Ich glaube schon, dass der Lewis in Budapest hätte gewinnen können", betonte Teamchef Toto Wolff im ORF-Interview. "Aber wir fahren nicht um die Weltmeisterschaft im Moment, deswegen muss man Rennen für Rennen als Experiment sehen."

Verstappen und Perez stürmten gleich nach dem Startsignal von den Plätzen zehn und elf aus nach vorne. In der 13. Runde waren die Red Bulls, die beide vor dem Rennen ohne Strafe eine neue Antriebseinheit bekommen hatten, bereits Fünfter und Sechster. Auch der von sieben gestartete Hamilton machte einen Sprung nach vorne auf vier. In der 16. Runde bogen Russell und Verstappen in die Boxengasse ein, Sainz folgte eine Runde später. Der Spanier kam hinter Russell auf die Strecke zurück und wurde auch von seinem später neue Reifen aufziehenden Stallkollegen Leclerc überholt. Hamilton verlor das virtuelle Boxenstopp-Duell gegen Verstappen. Die Reihenfolge nach dem ersten Reifenwechsel-Durchgang lautete somit Russell - Leclerc - Sainz - Verstappen - Hamilton.

In der 31. Runde übernahm Leclerc die Führung, er zog vor der ersten Kurve außen an Russell vorbei. Verstappen fuhr in der 38. Runde als Erster aus der Spitzengruppe zum zweiten Mal an die Box, Leclerc und Russell konterten eine Runde später. Wieder zurück auf der Strecke war Verstappen vor Russell, kurz darauf schnappte er sich den überraschend auf den langsamen Hard-Reifen umgesteckten Leclerc. Nach einem Dreher von Verstappen war Leclerc kurzfristig wieder am Niederländer vorbei, wurde dann aber erneut von ihm überholt.

Der Monegasse tat sich mit seinen Reifen nun enorm schwer und verlor in der 54. Runde von 70 Position zwei an Russell. Bei einem dritten Stopp wechselte Leclerc auf die schnelleren Soft-Reifen, verabschiedete sich damit aber im Kampf um das Podium. Hamilton überholte kurz vor Schluss Sainz und auch seinen Teamkollegen Russell.

"Ich denke, am Medium zu starten, war das Richtige. Aber ich habe einfach nicht verstanden, warum wir auf die harten Reifen gegangen sind. Ich habe am Radio ganz klar gesagt, dass ich mit den Medium so lange wie möglich fahren möchte, es hat sich gut angefühlt. Das müssen wir uns anschauen", sagte Leclerc und bedauerte "viele, viele Punkte", die man hinter Red Bull zurückliegt. "Wir müssen von Rennen zu Rennen schauen, aber wir müssen uns verbessern." Sainz stellte enttäuscht fest: "Wenn du auf jedem Reifen langsam bist, kann etwas mit der Strategie nicht stimmen." (apa)