Mit Jakob Schubert und Nicolai Uznik mischen am Donnerstag im Kombibewerb der EM in München (15.00 Uhr) gleich zwei Österreicher im Finale der besten acht um Medaillen mit. Boulder-Überraschungs-Europameister Uznik wird dazu aber eine starke Leistung im Lead benötigen, im Einzelbewerb war er in dieser Disziplin in der Qualifikation gescheitert. Schubert haderte nach Rang vier im Lead ob der verpassten Medaille, will das Glücksgefühl nun im neuen Olympiabewerb erfahren.

Mit Misserfolgen habe er schon in der Vergangenheit leben müssen, das sei daher nicht allzu schwierig gewesen. "So lange der letzte Bewerb nicht abgeschlossen ist, habe ich auch mit der Europameisterschaft noch nicht abgeschlossen. Ich habe noch ein Ziel. Natürlich wäre ich gern mit zwei Medaillen in der Hand in das Finale gegangen, aber es ist kein Wunschkonzert. Ich hoffe, dass ich liefern kann", sagte Schubert, der im Bouldern Neunter geworden war. Seine Kletterleistung im Lead sei gut gewesen und habe Selbstvertrauen gegeben, dass er in der Kombi noch was reißen könne.

Die Kombi aus Lead (Vorstieg) und Bouldern bringt im Bouldern die Änderung auf zwei Zonen (statt einer), das könne schon einiges bewirken, sagte Schubert. "Der Boulder sollte damit mindestens drei Schwierigkeiten haben. Das sollte auch den Boulderbau verändern. Ich hoffe, dass mir das ziemlich taugt." Leadkletterer seien es gewohnt, mehrere Schwierigkeiten hintereinander zu lösen. Er glaubt, dass es letztlich aufs Bouldern ankommen werde, da gelte es, bis zum Schluss um jeden Punkt zu kämpfen. Denn es könne schnell einmal vorkommen, dass jemand einen Boulder nicht schafft. Andererseits aber würden die besten Leadkletterer meist sehr eng zusammenliegen.

Lead-Goldmedaillengewinner Adam Ondra aus Tschechien ist auch für die Kombi am Königsplatz ein Topfavorit, ebenso wie der Slowene Luka Potocar und Schubert freilich. Auch Uznik hat eine Chance, wenn er im Bouldern seine Leistung bringt. "Solange er im Bouldern so abliefert, muss er sich keine Sorgen machen. Im Vorstieg muss er schon noch viel Arbeit reinstecken. Eine gute Performance erwischen kann er jetzt aber auch schon", weiß auch Schubert.

Uznik befand sich nach dem "großen Triumph" im Bouldern "wie in einer Trance". Es werde langsam aber zur Realität. "Ich habe mir schwer getan, zu glauben, wie ich das im Finale geschafft habe. Denn ich habe so mit meinem Körper zu kämpfen gehabt." Vor der Kombi habe er nicht mehr Respekt als vor jedem anderen Wettkampf, sein großes Ziel habe er bereits erreicht. "Die Freude über die Qualifikation für die Kombi ist größer als der Druck. Ich werde versuchen, im Bouldern wieder mein Bestes zu geben, im Optimalfall kann ich mir eine gute Platzierung holen. Wenn ich das schaffe, ist es theoretisch möglich, dass ich noch einmal die Chance auf eine Medaille habe. Aber es wird sehr schwierig."

Während der Bouldersaison sei keine Zeit gewesen, Vorstieg zu trainieren, zuletzt habe er das aber mehr gemacht. Allerdings habe ihn die Corona-Erkrankung zurückgeworfen, das merke man im Leadklettern deutlich mehr als im Bouldern. In den nächsten Monaten werde er den Fokus auf Vorstieg legen. "Bouldern ist offensichtlich meine Lieblingsdisziplin, das ist das, was mir am meisten Spaß macht. Aber wenn es im Lead auch besser geht, ist es nicht schwierig, den Spaß zu finden", sagte der 22-Jährige. Der Kärntner hofft in der Kombination in München auf eine schwierige Boulderrunde, wie es sie im Laufe der EM bisher ja schon gab. (apa)