Wenn der König abdankt, dann kommt der ganze Hofstaat zusammen und steht ein letztes Mal Spalier. Sprich: Sein offizielles Abschiedsspiel absolvierte Tennis-Superstar Roger Federer an der Seite seines ewigen Rivalen und Freundes Rafael Nadal vor den Augen von weiteren Größen wie Novak Djokovic und Andy Murray. Geschenke gab es dabei aber keine, zumindest in sportlicher Hinsicht.

Der 41-jährige Schweizer, der sich unter anderem 310 Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste stand und sich nun nach 103 Turniersiegen und insgesamt 20 Grand-Slam-Titeln vom Bewerbssport zurückzieht, musste nämlich in der Nacht auf Samstag beim Laver Cup in London zum Abschied eine Niederlage einstecken: Federer und Nadal unterlagen beim Vergleich Europa gegen den Rest der Welt dem US-Duo Jack Sock und Frances Tiafoe mit 6:4,6:7(2),9:11 nach vergebenem Matchball bei eigenem Aufschlag. Team Welt glich damit auf 2:2 aus.

Mit einem Sieg hatten Federer und Nadal allerdings ohnehin nicht gerechnet, sondern nur darauf gehofft, wie sie vor der Partie erklärt hatten. Und so betonte Federer nach der Niederlage vor der ausverkauften O2-Arena in London: "Es war ein wundervoller Tag. Ich bin glücklich, ich bin nicht traurig. Ich habe es genossen, noch einmal meine Schuhe zu binden." Danach kamen dann aber doch die Tränen, so groß waren seine Emotionen beim Abschied: "Ich wollte mich da draußen nicht einsam fühlen, mit diesem Team goodbye sagen, fühlt sich besser an."

Der Schweizer bedankte sich bei all seinen jahrelangen Konkurrenten für all die Jahre auf der Tour. Auch Rafael Nadal konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als er die Worte Federers hörte. "Es war eine wundervolle Reise, ich würde es sofort wieder tun", war Federer von Emotionen überwältigt.

Davor hatten der Norweger Casper Ruud mit einem 6:4,5:7,10:7 über Jack Sock sowie der Grieche Stefanos Tsitsipas durch ein glattes 6:2,6:1 über Diego Schwartzman (ARG) zunächst auf 2:0 für die Gastgeber gestellt. Dann hatte Andy Murray das umkämpfte dritte Single des Tages gegen den Australier Alex de Minaur mit 7:5,3:6,7:10 verloren.

Während des Spiels von Tsitsipas war es zu einem Zwischenfall gekommen. Nach dem ersten Satz lief in der O2-Arena ein Mann auf den Platz und entzündete dabei seinen Arm, um gegen die Benutzung von Privatjets in Großbritannien zu protestieren. Sicherheitspersonal löschte das Feuer umgehend und trug den Mann aus der Halle. Das Match zwischen Tsitsipas und Schwartzman wurde ohne Verzögerung fortgesetzt.

Beim Laver Cup spielt von Freitag bis Sonntag ein Europa-Team gegen eine Auswahl mit Tennis-Spielern aus dem Rest der Welt. Dieses Mal ist Europa zum ersten und auch letzten Mal mit den "big three" Federer, Nadal und Djokovic sowie auch noch Murray, der erstmals dabei ist, gespickt. Am Freitag gibt es pro Sieg einen Punkt, am Samstag je zwei und am Sonntag je drei Punkte. Jene Mannschaft, die 13 Zähler erreicht, ist Sieger. (apa/reuters/dpa)