Bei den meisten Sportarten am Land kann man sich vor, zurück und nach oben bewegen. Im Unterwasserrugby gibt es hingegen eine weitere Dimension. Für seine Spielerinnen und Spieler geht es auch unter Wasser zur Sache, dort wird um einen handballgroßen Ball gerangelt und gekämpft. Nur Schnorchel und Flossen sieht man zwischenzeitlich an der Wasseroberfläche auftauchen. In Österreich haben Wien, Graz und Kärnten je einen Verein, der Herren-, teilweise Damen und Mixed-Teams stellt. Das Nationalteam kämpft alle vier Jahre um WM- oder EM-Edelmetall. Bei der diesjährigen Europameisterschaft in Norwegen belegten sowohl die Damen als auch die Herren den siebten Platz. Die Großmächte des Sports kommen unter anderem aus dem skandinavischen Raum und Deutschland.

Erfunden im Nachbarland

Im Jahr 1961 führte Ludwig von Bersuda im Tauchtraining ein Spiel mit Ball unter Wasser ein, aus welchem sich Unterwasserrugby entwickelte. Bersuda füllte zunächst einen Fußball mit Salzwasser und erhöhte damit die Dichte des Spielgerätes. Dieser sank daher langsam im Wasser zu Boden anstatt an der Oberfläche zu schwimmen. Auch andere Vereine übernahmen das Training mit Bällen im Wasser.

Sowohl die verwendeten Bälle als auch die Spielformen unterschieden sich zunächst allerdings. Da sich Fußbälle als unpraktisch erwiesen, wurden alternativ gefüllte Plastikbälle, Handbälle oder Wasserbälle verwendet. Viele Vereine spannten ein Netz unter Wasser quer durch das Schwimmbecken. Einige andere nutzen kübelartige Gegenstände, in die der Ball hineingelegt werden musste oder spielten stattdessen mit ganzen Torbereichen an der Beckenwand. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Spiel mit dem Ball noch als Zeitvertreib im Tauchtraining gedacht.

Doch nach und nach entstand die Idee, daraus einen Wettkampfsport zu entwickeln. 1964 wurde schließlich das erste Unterwasserrugby-Spiel der Geschichte auf europäischem Boden zwischen Duisburg und Mühlheim ausgetragen. Im Herbst 1976 begannen erstmals in Österreich, und zwar in Wien, Taucher mit in Handtücher gewickelten Bleigewichten auf zwei am Beckenboden gestellte Sessel zu spielen.

Maximal drei Atemzüge

Heute gibt es Österreich das einmal im Jahr stattfindende Meisterschaftsturnier. Ansonsten spielen die Teams aus Wien, Graz und Kärnten bei internationalen Bewerben mit. Sowie zuletzt das Grazer Team, welches bei der Open League 2022 im spanischen Platja d’Aro als bestes Mixed-Team den dritten Platz erspielte. Die Regeln des in Österreich noch als Nische geltenden Sports sind schnell erklärt. Das Becken, in dem gespielt wird, ist dreieinhalb bis fünf Meter tief. Zwei Teams zu je sechs Spielern versuchen dabei, den mit Salzwasser gefüllten Ball in das gegnerische Tor, einen Metallkorb am Boden des Beckenrandes, zu befördern.

Der Korb am Boden des Beckens wird mit vollem Einsatz verteidigt. 
- © Heinz Toperczer

Der Korb am Boden des Beckens wird mit vollem Einsatz verteidigt.

- © Heinz Toperczer

Zur notwendigen Ausrüstung gehören neben einer Badehose auch eine Tauchermaske, ein Schnorchel, Flossen und eine Haube als Schutz für das Trommelfell. Die spielenden Teams unterscheiden sich durch verschiedenfarbige Hauben und Badehosen. Das Spiel an sich findet überwiegend nahe des Schwimmbecken-Bodens statt - kurzes Auftauchen für ein bis drei Atemzüge ist jedoch erlaubt. Unter Wasser darf nur jener Spieler, der gerade auch am Ball ist, festgehalten werden - Stöße sind nicht erlaubt.

Sophie Handl ist seit 2019 Spielerin im Team der STC Graz. Begonnen hat sie mit dem Sport nach einem "Try Out Day", wo sie den Unterwassersport erstmalig ausprobierte. "Wassersport hat mir schon immer Spaß gemacht, Unterwasserrugby ist einfach etwas ganz besonders", sagt sie. Vor allem die Tatsache, sich in allen drei Dimensionen bewegen zu können, mache den Reiz. "Zudem verlangt der Sport eine gute Lunge, Ausdauer und viel Taktik." Die Bekanntheit des Sports hält sich in Österreich dennoch in Grenzen. "Vor allem im Damenbereich gibt es nicht so viele Spielerinnen wie in anderen Ländern", erzählt die 18-Jährige.