Nur zwei Games hat Dominic Thiem am Montagabend in der ersten Gijon-Runde gegen den Portugiesen Joao Sousa abgegeben. Die ATP hat ermittelt, dass es Thiem in seiner Karriere auf ATP-Level zuvor nur einmal gelungen war, so glatt zu gewinnen. Im Wien-Achtelfinale 2013 hatte er den Tschechen Jaroslav Pospisil 6:1, 6:1 besiegt. "Das ist eine interessante Statistik, aber die Erinnerung an die Woche damals ist noch sehr aktuell. Es war eine der besten Wochen bis jetzt in meiner Karriere mit dem Match gegen (Jo-Wilfried) Tsonga danach", sagt Thiem im Rückblick.

Danach war er mit 20 Jahren dem damals Weltranglistenachten nur hauchdünn mit 6:7 im dritten Satz unterlegen. Es war eine Riesentalentprobe - und brachte auch für die breite Öffentlichkeit die Gewissheit, dass da ein großer heimischer Sportstar heranwächst. Damals stand Thiem vor seinem Durchbruch und auf Platz 149 in der Weltrangliste.

Neun Jahre später ist er 17-facher Turniersieger, vierfacher Major-Finalist und holte 2020 den US-Open-Titel. Nun kämpft Thiem nach langer Verletzungspause und anfangs sehr durchwachsenem Comeback auf der Tour um die Rückkehr in alte Höhen. Als Nummer 165 in Gijon ins Turnier gegangen, hofft er endlich auf den großen Coup, der ihn so bald wie möglich zurück in die Top 100 hieven soll. Gegen seinen Lieblings-Gegner Joao Sousa (Bilanz nun 7:1) hat schon wieder sehr viele an frühere Glanztaten erinnert.

So sah es auch Thiem. "Heute war es vom ersten bis zum letzten Punkt richtig gut, der volle Fokus war da. Es war das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass die Kombination zwischen Sicherheit und Schlagtempo gepasst hat." Vor allem bei der Vorhand habe es diesmal wenige unerzwungene Fehler gegeben. "Eigentlich habe ich auch mit jedem Schlag sehr viel Schaden anrichten können. Das ist ein sehr gutes Zeichen."

Ein großes Ziel vor Augen

Ob er im Achtelfinale am Mittwoch auf Albert Ramos-Vinolas oder Marcos Giron trifft, entscheidet sich heute - spielt aber keine große Rolle, kann Thiem seine Form weiter zeigen. Gegen den Spanier führt er im Head-to-Head mit 2:1, gegen den Amerikaner 1:0.

"Ich muss einfach schauen, dass ich wieder mit dem gleichen Gefühl und der gleichen Konzentration in das Match gehe." Er müsse sich den Erstrunden-Auftritt gut einprägen und so auch ins Achtelfinale gehen. "Es hilft natürlich, dass ich ein sehr großes Ziel vor Augen habe. Das ist, das Jahr in den Top 100 zu beenden. Von dem her muss ich jedes Match voll spielen, und ich brauche unbedingt die Siege und gute Matches."

Sollte Thiem das Viertelfinale erreichen, könnte er auf den als Nummer vier gesetzten Argentinier Francisco Cerundolo treffen. Im Halbfinale könnte ihm ein Duell mit dem topgesetzten Russen Andrej Rublew blühen. Mit einem Viertelfinaleinzug winken ihm bereits die Top 150, nach Punkten würde er mit seinem guten Freund Dennis Novak gleichziehen. Gelingt Thiem der erhoffte Lauf zum 18. Titel in Gijon, dann hat er sein großes Saisonziel schon erreicht: die Rückkehr in die Top 100.(apa)