Im Frühling jubilieren gemäß einem alten Kinderlied die Vögel, im Herbst jubilieren heuer zwei österreichische Traditionsläufe: Der Wolfgangseelauf wird 50, der Linz-Marathon 20 Jahre alt. Beide Veranstaltungen fielen wegen der Pandemie einmal aus, deshalb erleben sie nun auch ihre 50. beziehungsweise 20. Auflage.

Da der Linz-Marathon wegen Corona heuer ausnahmsweise auf einen Herbst-Termin ausgewichen ist, finden die Läufe an zwei aufeinander folgenden Sonntagen statt, womit sie einander natürlich einige Teilnehmer wegnehmen. Wegen der Pandemie sind die Teilnehmerzahlen derzeit ohnehin geringer als früher, was alle Laufveranstalter hart um ausgeglichene Budgets kämpfen lässt. Am Wolfgangsee hatte man schon mehr als 6.000 Nennungen, am Sonntag, 16. Oktober, rechnet Organisator Franz Sperrer mit 3.500 bis 4.000 Startern auf den angebotenen vier Distanzen.

Herzstück der Veranstaltung ist natürlich die landschaftlich malerische Runde um den See, eine 27 Kilometer lange Strecke mit dem Falkenstein als herausforderndem Bergabschnitt. 1972 hat Franz Zimmermann aus St. Wolfgang gewonnen, später hat er jahrzehntelang den Lauf organisiert, der sich bald international wachsender Beliebtheit erfreute. Aus Österreich haben sich Marathonlegenden wie Georg Förster, Josef Steiner, Gerhard Hartmann und Helmut Stuhlpfarrer - er blieb 1988 als bisher einziger Österreicher in 1:29:42 unter eineinhalb Stunden -, in die Siegerliste eingetragen. Auch heimische Damen waren siegreich, darunter Sabine Stelzmüller, die mehrfache Berglauf-Weltmeisterin Gudrun Pflüger und Elisabeth Rust. Ohne große ausländische Konkurrenz gab es nach langer Pause im Corona-Jahr 2021 erstmals wieder österreichische Sieger: Markus Lemp und Anna Glack.

Sonst war der Wolfgangseelauf, der wiederholt unter die schönsten Läufe Österreichs gewählt wurde, zuletzt fest in ausländischer Hand. Zehnmal triumphierte der Kenianer Hosea Tuei, der 2012 mit 1:26:10 den gültigen Streckenrekord markierte. Bei den Damen hält seit 1990 die Ungarin Helena Barocsi mit 1:40:38 die Bestmarke.

Die "Ehemaligen-Klasse"

Zum 50-Jahr-Jubiläum hat der Veranstalter viele Sieger von einst an den Wolfgangsee geladen, wo auch der in Bad Ischl gestartete Salzkammergut-Marathon und Bewerbe über 10 und 5,2 Kilometer auf dem Programm stehen. Für den 27-Kilometer-Klassiker sieht Organisator Sperrer zwei Topfavoriten: den Kenianer Simon Dudi Ekidor und seine Landsfrau Morine Gesare Michira, die jüngst beide beim Wachau-Halbmarathon Zweite wurden. In Linz werden am 23. Oktober neben dem Marathon ein Halbmarathon, ein Viertelmarathon und ein Staffel-Marathon ausgetragen. Der mehrfache Rekordläufer Günther Weidlinger, der jetzt den Linz-Marathon organisiert, erwartet, dass die Teilnehmerzahl vom Vorjahr, etwa 8.500, "um zehn bis zwölf Prozent" übertroffen wird. Man hat kräftig investiert, damit der Streckenrekord, den seit 2007 der Ukrainer Alexander Kuzin mit 2:07:33 hält, fällt. Mit vielversprechenden Bestzeiten werden Ayele Abshreo aus Äthiopien (2:04:23) und Filex Chemonges aus Uganda (2:05:12) am Start sein. Die Damenbestmarke von 2:30:27 hat erst im Vorjahr die Kenianerin Brenda Jerotich Kiprono aufgestellt.

Heimische Spitzenläufer werden den Halbmarathon bevorzugen, der zugleich österreichische Staatsmeisterschaft ist. Da Peter Herzog, der kürzlich in Berlin beim 2:01:09-Weltrekordlauf von Eliud Kipchoge in 2:12:16 Stunden zweitbester Europäer wurde, im Staffelbewerb antritt und sich Lemawork Ketema auf den Valencia-Marathon vorbereitet, gilt der vielfache Titelhamsterer Andreas Vojta als klarer Favorit.

Bei den Damen ist Marathon-Rekordlerin Eva Wutti erste Sieganwärterin, nach Aussage ihres Betreuers Hannes Langer hat sie sich "ein klares Ziel definiert", Linz könnte ein "kleiner Baustein" zur erfolgreichen Fortsetzung ihrer großen Karriere werden.

Für die beiden Zukunftshoffnungen Julia Mayer und Timon Theuer kommt Linz nach langen gesundheitlichen Problemen zu früh. Beide schließen einen ernsthaften Start aus, nicht ganz aber einen spontanen Trainingslauf.