Es wurde langsam Zeit, dass Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem auf die Erfolgsspur zurückfindet. So sehen es nicht nur der heimische Tennisverband und viele seiner Fans, sondern wohl auch der Betreiber des Wachsfigurenkabinetts im Prater. Vor wenigen Tagen hat der Lichtenwörther im Wiener Madame Tussaud’s einen Abguss seiner selbst aus Wachs der Öffentlichkeit vorgestellt und es damit heimischen Sportgrößen wie Hermann Maier, Stefan Kraft oder David Alaba gleichgetan.

Grund für die späte Enthüllung der Figur - immerhin liegt Thiems US-Open-Triumph zwei Jahre zurück - war die Corona-Pandemie, eine Verzögerung, die der Tennis-Profi angesichts seines jüngsten Formtiefs wohl gern in Kauf genommen hat. Als ob er es geahnt hätte, ist er am Freitag erstmals seit Gstaad im Juli wieder in die Vorschlussrunde eines ATP-250-Turniers aufgestiegen. Und die gute Nachricht lautet: Mit dem Erreichen dieses Halbfinales ist auch ein Platz unter den Top-100 wahrscheinlicher.

Die einen hatten noch am Durchbruch gezweifelt, für andere hatte es sich indes in den vergangenen Monaten irgendwie abgezeichnet. Für den Niederösterreicher selbst ist der 6:4, 6:3-Sieg im ATP-Viertelfinale in Gijon über den an Nummer vier gesetzten Argentinier Francisco Cerundolo ein wichtiger Schritt nach vorne gewesen. Im Kampf um seinen ersten Finaleinzug seit fast zwei Jahren trifft Thiem am Samstag (12 Uhr) auf den topgesetzten Russen Andrej Rublew.

Die Freude über den Aufstieg war freilich groß. "Vom ersten Match am Montag habe ich mich hier großartig gefühlt. Ich bin superhappy, dass ich am Wochenende noch im Turnier bin", sagte Thiem. Dass er nun zum zweiten Mal nach Gstaad im Juli den Pool der besten vier erreicht hat, ist "sehr wichtig für mich. Ich will mich im Ranking verbessern, ich bin noch jenseits von 150. Da hilft ein Halbfinale viel", meinte er.

Thiem startete auf dem Hartplatz von Gijon sofort mit einem Break, musste aber postwendend auch seinen Aufschlag abgeben. Danach war der Österreicher mit seinen Service-Spielen ungefährdet, beging weniger Eigenfehler und setzte Cerundolo als Rückschläger stark unter Druck. Mit dem zweiten Break ging Thiem, der wiederholt mit einer starken Rückhand punktete, 4:3 in Führung und servierte zur Satzführung aus.

Im zweiten Satz schaffte die frühere Nummer drei der Welt das Break zum 2:1. Trotz 40:0-Führung kassierte er aber gleich das Re-Break. Der Argentinier war nun besser im Spiel, so wie im ersten Satz nahm Thiem seinen Gegner aber wieder im siebenten Game den Aufschlag ab. Er ging entscheidend mit 4:3 in Führung und verwertete nach 1:33 Stunden seinen ersten Matchball. "Ich habe richtig gut begonnen im zweiten Satz, und dann passiert was, was mir nicht passieren darf: Bei 2:1 und 40:0, wo er ein bisschen nachgelassen hat, dass ich das Game noch verliere. Das muss ich besser machen, alles daransetzen, dass ich das Game durchbringe", meinte Thiem.

Nun wartet Top-Ten-Spieler

Nun geht es gegen Rublew, der den US-Amerikaner Tommy Paul am Freitag mit 7:5 und 6:3 bezwang. "Ich werde mich steigern müssen, wenn ich gegen Rublew, wieder einmal einen Top-Ten-Spieler und gegen einen der besten Spieler auf der Welt zur Zeit, spiele", erklärte Thiem. "Das ist eine unglaubliche Herausforderung." Thiem hat gegen den Russen die ersten zwei Duelle gewonnen, der war damals allerdings erst 20 Jahre alt. Die jüngsten drei Aufeinandertreffen (2019 in Hamburg, 2020 in Wien und 2020 bei den ATP-Finals in London) hat aber der Russe, der nächste Woche 25 Jahre alt wird, gewonnen.

Mit dem Erfolg über den Weltranglisten-29. Cerundolo, der erst dritte Erfolg über einen Top-30-Spieler seit seinem Comeback, nähert sich Thiem seinem großen Ziel, zu Jahresende in die Top 100 vorzustoßen. Mit dem Halbfinaleinzug wird sich der 29-Jährige auf jeden Fall schon einmal auf eine Position um 130 verbessern. Die Fans in Wien dürfen sich jedenfalls vor dem Stadthallenturnier (22. bis 30. Oktober) auf einen im Aufwind befindlichen Lokalmatador freuen. Das Original kann auch eine Wachsfigur nicht ersetzen.(rel/apa)