Bei den WTA-Finals ist sie vorzeitig ausgeschieden, beim Abschluss des Tennisjahres bei den Frauen, dem Finalturnier im Billie-Jean-Cup, gar nicht erst dabei. Die polnische Weltranglistenerste Iga Swiatek, die in der Nacht auf Montag in Texas im Halbfinale überraschend Aryna Sabalenka unterlegen war (Finale in der Nacht auf Dienstag gegen Caroline Garcia), hatte ihren Verzicht auf den Nationenbewerb in Glasgow mit den Reisestrapazen begründet und die Gelegenheit für Kritik an der Damenprofivereinigung WTA sowie dem internationalen Tennisverband genützt.

"Es ist enttäuschend, dass sie sich nicht einmal bei so grundlegenden Dingen wie dem Turnierkalender einigen konnten und uns nur einen Tag für die Reise um den Globus und durch zwei Zeitzonen geben", hatte die 21-Jährige erklärt.

Iga Swiatek übt Kritik an der WTA und der ITF. 
- © afp / Getty / Katelyn Mulcahy

Iga Swiatek übt Kritik an der WTA und der ITF.

- © afp / Getty / Katelyn Mulcahy

Favoritinnen wären die Polinnen aber auch mit Swiatek nicht unbedingt gewesen, diese Rolle gebührt den US-Amerikanerinnen mit Jessica Pegula und Coco Gauff, den Nummern drei und vier der Welt - den einzigen Top-Ten-Spielerinnen beim Finalturnier. Und auch wenn das bei den übrigen nicht am dichten Kalender liegt, sondern vielmehr daran, dass sich entweder ihr Team nicht qualifiziert hat oder im Fall der russischen Titelverteidigerinnen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgeschlossen ist, so sprach Swiatek damit ein altes Dilemma an, das im Tennissport immer wieder für Probleme und Unmut sorgt.

Bei den Herren ist nach langem Ringen zumindest für die Zukunft eine Lösung gefunden, ab der kommenden Saison ist der Daviscup nach einer Einigung zwischen Rechteinhaber Kosmos und der ATP im Turnierkalender integriert.

Während diesbezüglich also bei den Frauen noch Aufholbedarf herrscht, gibt es immerhin dasselbe Preisgeld zu verdienen. An die zwölf teilnehmenden Verbände beziehungsweise die Spielerinnen, die zunächst in vier Dreiergruppen um den Aufstieg ins Halbfinale rittern, werden 12 Millionen Dollar ausgeschüttet, das siegreiche Team bekommt einen 2.197.500-Dollar-Scheck.

Alle Phasen des Tennissports miterlebt

Zum Vergleich: Als Billie Jean King, seit dem Vorjahr Namensgeberin des Bewerbs, die USA 1963 noch unter ihrem Geburtsnamen Moffitt zum Premierentitel im Federations Cup führte, war von Preisgeld noch keine Rede; die besten Spielerinnen (und Spieler) tingelten als Amateure durch die Tenniswelt. Nicht zuletzt der US-Ikone, die sich zehn Jahre später geweigert hätte, an den US Open teilzunehmen, wenn es dort für Frauen nicht das Gleiche wie für Männer zu verdienen gegeben hätte, und die im selben Jahr die Profiorganisation WTA mitbegründet hatte, ist die Entwicklung zu verdanken, die das Frauentennis seither genommen hat.

Und immerhin: Billie Jean King wird in Glasgow dabei sein. Und bei dieser Gelegenheit vielleicht auch für eine Überarbeitung des Kalenders lobbyieren. Denn auch 59 Jahre nach der Premiere des Federation Cups, 49 Jahre nach Gründung der WTA, gibt es noch genug zu tun.