Die Jubelgeste, Hände ungläubig vors Gesicht, Körper auf den Rücken, ist im Tennis weithin bekannt; von Caroline Garcia hat man sie auf allerhöchster Ebene aber eher selten gesehen. Am Dienstag, in Fort Worth, Texas, war aber der große Moment der Französin gekommen: Mit einem 7:6, 6:4-Finalsieg über Aryna Sabalenka, die zuvor überraschend die Weltranglistenerste Iga Swiatek ausgeschaltet hatte, krönte sich die 29-Jährige beim Saisonabschlussturnier der besten acht Spielerinnen, den WTA Finals, zur (inoffiziellen) Weltmeisterin.

Sie ist damit nicht nur die älteste Siegerin dieser Veranstaltung, seit Serena Williams 2014 ihren letzten Titel im Alter von 33 Jahren gewonnen hat, sondern neben Amelie Mauresmo auch die bisher einzige französische Gewinnerin. "Die Krönung", titelte daraufhin die Sportzeitung "L’Equipe", die den Triumph unter die Top-Ten-Momente des französischen Frauentennis reihte.

Da nimmt es wenig wunder, dass sich die einst so stolze Tennisnation die Frage stellt, ob Garcia auch das Potenzial hat, als künftige Weltranglistenerste in die Fußstapfen Mauresmos zu treten. Schließlich kann die Grande Nation auf drei Fed-Cup- beziehungsweise zehn Daviscup-Siege zurückblicken und hat zahlreiche Stars und Ikonen hervorgebracht. Aber abgesehen von Mauresmo hat es noch keine Französin und kein Franzose in der Profiära an die Spitze der Welt geschafft.

Aus Tief herausgefunden

In der Stunde des Triumphs wollte Garcia darüber zwar nicht nachdenken, ihre Aussagen dürfen aber durchaus als Kampfansage an die Konkurrenz interpretiert werden. "Es ist wichtig, sich immer zu verbessern", betonte sie.

Garcia weiß, wovon sie spricht. Nach ihrem erstmaligen Vorstoß in die Top Ten im Jahr 2018 - im Herbst davor hatte sie sich zum ersten und bis heuer einzigen Mal für das Saisonabschlussturnier qualifiziert und es dort bis ins Halbfinale geschafft - schlitterte sie in ein Formtief, aus dem sie erst in diesem Jahr herausfand. Das allerdings so richtig. Im Juni in der Rangliste noch jenseits der besten 70 gelegen, kämpfte sie sich in der zweiten Saisonhälfte mit drei Turniersiegen sowie ihrer Premierenteilnahme an einem Major-Halbfinale bei den US Open wieder ganz nach vorne. Das Jahr beendet sie nun als Nummer vier - mit Respektabstand auf die dominante Swiatek zwar, aber in Schlagdistanz auf die Tunesierin Ons Jabeur und die US-Amerikanerin Jessica Pegula.

Stilgerecht feierte sie in Texas ihren größten Triumph. - © afp / getty images / Katelyn Mulcahy
Stilgerecht feierte sie in Texas ihren größten Triumph. - © afp / getty images / Katelyn Mulcahy

Die Variabilität im Spiel der Französin macht sie jedenfalls auch für die kommende Saison zu einer Akteurin, die man bei allen großen Turnieren auf der Rechnung haben muss. Ihre drei Turniersiege seit Sommer holte sie auf drei verschiedenen Belägen; als (ehemalige) Spitzenspielerin im Doppel verfügt sie über ein starkes Netzspiel. Neu hinzugewonnen hat sie zudem an mentaler Stärke. Hatten ihr früher die Nerven oft einen Streich gespielt, lasse sie sich jetzt von negativen Emotionen nicht mehr beeindrucken, sagte sie in Texas.

"Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, ruhig zu bleiben und von Punkt zu Punkt, von Game zu Game zu schauen." Bis zu jenem Punkt, mit dem schließlich nicht nur Game und Satz, sondern auch das Match entschieden war - und Garcia als Siegerin die große Jubelgeste hervorkramen durfte.