Den 17. Februar 2022 wird Brittney Griner wohl nie vergessen. Die zweifache Basketball-Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin, die erst im Vorjahr unter die "25 Greatest Players in WNBA History" gewählt und mit zahlreichen anderen Preisen ausgezeichnet wurde, findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder: Auf dem Weg aus den USA zu ihrem russischen Verein UGMK Jekaterinburg, bei dem sie während der Saisonpause der WNBA spielt, entdecken die Zollbehörden am Moskauer Flughafen in ihrem Handgepäck eine E-Zigaretten-Kartusche mit Cannabis-Öl; der Basketball-Star wird festgenommen und abgeführt. Diesen Mittwoch gaben ihre Anwälte bekannt, dass sie sich aktuell auf dem Weg in eine Strafkolonie befindet. Genauer Aufenthalts- oder Zielort: unbekannt.

Damit ist in dem Tauziehen um die Zukunft der 32-Jährigen, das längst zu einem Politikum geworden ist, die nächste Runde eingeläutet. Zwar hatte sich Griner in dem Prozess schuldig bekannt; das im August ergangene Urteil von neun Jahren Haft wegen Drogenbesitzes und -schmuggels fiel aber extrem hart aus; US-Präsident Joe Biden hatte es als "inakzeptabel" bezeichnet. Der Argumentation der Basketballerin, sie habe Cannabis in den USA wegen ihrer Schmerzen bei chronischen Verletzungen verschrieben bekommen, es bei ihrer Reise nach Russland aber irrtümlich eingepackt und dort nie verwendet, wurde kein Glauben geschenkt; auch die geringe Menge (umgerechnet 0,5 Gramm) spielte keine Rolle. Die diplomatischen Bemühungen, sie im Zuge eines Gefangenenaustauschs freizubekommen, verliefen ergebnis-, weltweite Solidaritäts- und Protestaktionen wirkungslos. Russland wirft der US-Botschaft ohne Nennung von Details vor, ihren "offiziellen Pflichten" nicht nachzukommen, die USA beklagen ihrerseits einen Schauprozess.

Brittney Griner kurz nach ihrer Festnahme in Russland . . . - © afp / E. Novozhenina
Brittney Griner kurz nach ihrer Festnahme in Russland . . . - © afp / E. Novozhenina

Der Fall spiegelt das angespannte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen wider, spätestens seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine - exakt eine Woche nach der Verhaftung Griners - sind die Fronten festgefahren. In den USA und Europa wurden seither zahlreiche Russen wegen Umgehung von Sanktionen festgenommen, was vom Kreml als Affront gesehen wird.

Zudem verlangte Moskau laut Berichten auch die Freilassung des in Deutschland in Haft befindlichen "Tiergartenmörders", der im August 2019 in der Parkanlage "Kleiner Tiergarten" in Berlin einen Georgier tschetschenischer Abstammung erschossen hatte. Das Berliner Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann auf Auftrag russischer Stellen gehandelt hat. Zwar haben die USA diese Forderung nicht offiziell bestätigt, eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats wurde auf CNN aber schon im Sommer mit den Worten zitiert: "Zwei zu Unrecht inhaftierte Amerikaner (neben Griner geht es noch um den von Russland als Spion eingeschätzten Marinesoldaten Paul Whelan, Anm.) als Geiseln für die Freilassung eines russischen Mörders im Gewahrsam eines Drittlandes zu halten, ist kein ernsthaftes Gegenangebot. Es ist ein böswilliger Versuch, das vorliegende Angebot zu umgehen, auf das Russland eingehen sollte."

Appelle an die Öffentlichkeit

Passiert ist dies nicht. Und mit der Verlegung Griners in die Strafkolonie werden die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr in die USA nicht größer. Es werde bis zu zwei Wochen dauern, bis man eine Nachricht über ihren neuen Aufenthaltsort bekomme, teilten ihre Anwälte mit.

Seit ihrer Festnahme gibt es eine Welle der Solidarität. 
- © afp / Getty / Christian Petersen

Seit ihrer Festnahme gibt es eine Welle der Solidarität.

- © afp / Getty / Christian Petersen

Aus dem Weißen Haus hieß es, dass Präsident Biden seine Regierung angewiesen habe, "auf ihre russischen Entführer einzuwirken, um ihre Behandlung und die Bedingungen, die sie in einer Strafkolonie ertragen muss, zu verbessern". Die Managerin der Sportlerin, Lindsay Colas, bat die Öffentlichkeit unterdessen weiter um Unterstützung, darum, "weiter Briefe zu schreiben und darin Liebe und Sorge auszudrücken". Viel mehr ist dem schillernden Basketball-Star Brittney Griner nicht geblieben.