Trikots, so weit das Auge reicht, riesige Helme auf dem Odeonsplatz, eine ausverkaufte Allianzarena beim Spiel zwischen den Seattle Seahawks und den Tampa Bay Buccaneers: Die NFL hat am vergangenen Wochenende München für sich in Beschlag genommen, der Hype um American Football sich über die Stadt ergossen.

Doch nicht überall, wo der Sport betrieben wird, fließen Millionengagen und stehen Fans Schlange, um einen Blick auf die Stars zu erhaschen. Am Samstag, einen Tag vor der Partie in München, ging im Tiroler Telfs die 22. Auflage der "Ladies Bowl" über die Bühne, es ist das Endspiel um die österreichische Meisterschaft.

Dauerchampion Vikings

Anders als die Partie in München war das Spiel eine klare Sache: Mit 48:0 gewannen die Vienna Vikings Ladies über die Telfs Patriots, Antonia Loicht, die nach einer Verletzung einer Mannschaftskollegin als Quarterback übernahm, war nicht zu stoppen. Die Wienerinnen untermauerten damit einmal mehr ihre Dominanz. Zum 20. Mal in Serie gewannen sie das Endspiel. Die Mannschaft ist die Frauensektion der Vienna Vikings, deren Männerteam heuer die European League of Football gewann.

"Seit heute in der Früh fühle ich mich wieder fit", sagt Loicht, die zur wertvollsten Spielerin der Partie gewählt wurde. "Aber die zwei Tage danach waren schon zach." Zach waren nicht nur die Blessuren nach dem Spiel, sondern auch die Anreise davor. Um 3 Uhr früh ging es mit dem Bus los, etwas zerknautscht sahen die Spielerinnen aus, als sie um kurz nach 9 Uhr in Telfs ausstiegen. Das Leben als Footballerin ist zeit- und kostenintensiv. Zwar zahlte der Verein den Bus zum Endspiel, die Anreisen und Übernachtungen zu den regulären Saisonspielen müssen die Spielerinnen aber selbst organisieren und bezahlen. Auch für die Verpflegung und die Ausrüstung muss das Team aufkommen. Dazu kommt ein Mitgliedsbeitrag von 49 Euro monatlich, um das Trainingsareal in der Ravelinstraße in Wien-Simmering in Schuss zu halten. "Spielerinnen, die noch studieren, können sich das kaum leisten", sagt Susanne Kerschbaumer, die 2013 bei den Vikings anfing. "Es ist schwer, neue Leute zu finden." Das merkt man auch an der Liga. Drei Teams sind heuer in der Meisterschaft angetreten, 2016 waren es noch sechs.

Die institutionelle Unterstützung ist überschaubar. In den sozialen Medien des österreichischen Verbandes, des AFBÖ, findet man zwar sehr viele Einträge über Männer- und Nachwuchsspiele, Inhalte zum Ladies Bowl sind aber rar. 2021 wurde außerdem das Nationalteam der Frauen eingestellt. 2019 belegte es bei der EM den letzten Platz, 2015 reichte es immerhin für Rang Vier. "Natürlich waren unsere Leistungen nicht überragend, aber wir haben den Großteil der Reisekosten selber tragen müssen", sagt Kerschbaumer. "Wenn uns niemand unterstützt, ist unsere Bilanz auch kein Wunder."

Sponsorensuche

Das Team ist aktuell auf der Suche nach einem Sponsor — vor allem um den finanziellen Aufwand der Auswärtsreisen zu reduzieren. Mit 5.000 Euro jährlich wäre schon viel erreicht, sagen die Spielerinnen. Viel Pause gönnen sich die Vikings ohnehin nicht. Einen Monat machen sie jetzt Trainingspause, danach geht es mit der Vorbereitung für die kommende Saison, die im September startet, los. "Man fühlt sich selten so lebendig wie auf einem American-Football-Feld", sagt Loicht. "Wir lieben diesen Sport einfach. Er ist uns den ganzen Aufwand wert."