Australiens Tennissport hat schon lustigere Tage erlebt, auch wenn die schon ein Weilchen her sind. Doch hier im Melbourne Park, wo alljährlich das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres zur Austragung kommt, erinnert man sich mit schöner Regelmäßigkeit daran - an die alten Tage mit Rod Laver und Margaret Court (auch wenn diese aufgrund homophober Aussagen in den vergangenen Jahren bei vielen an Kredit verspielt hat), und an die jüngeren mit Ashleigh Barty, die im vergangenen Jahr eine Jahrzehnte währende Durststrecke beendet und als erste Lokalmatadorin seit 1978 das Heim-Major im Einzel gewonnen hat.

Doch die ehemalige Weltranglistenerste hat danach ihre Karriere beendet und anlässlich ihrer kürzlich verkündeten Schwangerschaft einen anderen Grund zum Feiern; und zu Beginn der diesjährigen Auflage, bei der Österreichs Beiträge Dominic Thiem und Julia Grabher in der Nacht auf heute ihre Erstrundenmatches bestritten, ist weder bei den Herren noch bei den Damen jemand in Sicht, dem zugetraut wird, als australischer Einzelsieger oder australische Einzelsiegerin in ihre Fußstapfen zu treten. Am Auftakttag verloren die Organisatoren in Nick Kyrgios eine ihrer (wenn auch nicht unumstrittenen) Attraktionen; der Weltranglisten-21. und Wimbledon-Finalist des Vorjahres musste sein Antreten wegen einer Meniskusverletzung absagen. Bei den Damen hält Ajla Tomljanovic die Fahnen als derzeit 35. im Computer hoch.

Doch weil die Australier sich von nichts und niemandem die Tennisstimmung bei ihrem "Happy Slam" vermiesen lassen wollen, begeht man immerhin das letzte Farewell für eine ihrer Größen der vergangenen Jahrzehnte würdig. Am Wochenende hat Sam Stosur bekanntgegeben, in Melbourne das letzte Turnier ihrer Karriere zu bestreiten, seitdem ist das Interesse weiter gestiegen - obgleich Stosur lediglich im Doppel mit der Französin Alize Cornet (Nacht auf Dienstag) sowie im Mixed mit ihrem Landsmann Matt Ebden antritt.

"Ich freue mich so sehr, im Melbourne Park zu spielen, aber es wird mein letztes Turnier sein", verkündete die 38-Jährige davor auf den sozialen Netzwerken. "Ein kleiner Teil von mir", so die Australierin, "würde für immer gerne weiterspielen. Ich werde die Erfahrungen und die Emotionen vermissen."

Erfolge im Doppel und Einzel

Emotionen konnte die Rechtshänderin aus Brisbane immer gut transportieren, und die Fans gaben sie ihr in ihrer langen Karriere zurück. 2011 feierte sie mit ihrem Triumph bei den US Open ihren größten Erfolg im Einzel, im selben Jahr bekleidete sie auch den vierten Rang in der Weltrangliste, nachdem sie 2010 bei den French Open schon im Finale gestanden war.

Insgesamt holte sie im Einzel neun Titel auf der WTA-Tour. Noch erfolgreicher war die flinke und variantenreich spielende Stosur aber im Doppel, in dem sie vier Grand-Slam-Titel, darunter 2019 vor Heimpublikum, sowie drei weitere im Mixed feiern konnte. Dafür, um mit einem weiteren Triumph Abschied zu nehmen, bedarf es freilich einer besonderen Kraftanstrengung. Eine Farewell-Party gibt es für jene Frau, die im Kollegenkreis und unter den Fans auch für ihre Bodenständigkeit geschätzt wurde und dadurch das verkörperte, dessen sich Australiens Tennis gerne rühmt, aber auf alle Fälle. Und die darf bei aller Wehmut auch ein bisschen lustig werden.(tamsl)