Vielleicht hätte er es besser sein lassen, die Sache mit dem Comeback. Vor nicht ganz einem Jahr erst, im Februar 2022, verkündete NFL-Superstar Tom Brady das Ende seiner Karriere - um dann nur 40 Tage später seinen Rücktritt vom Rücktritt zu vermelden. PR-mäßig war das jedenfalls sehr gut eingefädelt, nur während die einen die Rückkehr ihres Helden feierten, hegten andere ernste Zweifel an der Nachhaltigkeit des Entschlusses. Zunächst lief es für den Quarterback der Tampa Bay Bucaneers ja ganz gut, noch im November bestätigte Brady gegenüber der Presse, trotz seiner 45 Lenze noch immer bereit für Höchstleistungen zu sein. "Ich bin fit und in guter Form, es fühlt sich nicht wie Arbeit an", erklärte er. "Ich bereue nichts. Ich wollte mich einfach weiter mit anderen messen, und ich liebe den Wettkampf."

Nun gilt im Sport dasselbe wie in der Politik. Solange das Ringen um Punkte (oder Wählerstimmen) mit Erfolg gekrönt ist, ist alles in Ordnung. Bleiben die Erfolge aber aus, kann es ungemütlich werden - verbunden mit der Erkenntnis, dass jener Moment, an dem man besser das Feld geräumt hätte, bereits vorbei ist. In genau dieser Situation findet sich nun Brady wieder. Grund dafür ist die krachende Niederlage der Buccaneers in der Wildcard-Runde der Play-offs am Montagabend. In der letzten Partie mit Brady als Quarterback verlor das Team aus Florida gegen die Dallas Cowboys 14:31. Bereits zur Pause war es 18:0 für die Texaner rund um Quarterback Dak Prescott gestanden. Und es hätte noch peinlicher kommen können, ärgerte sich doch Dallas darüber, eine Rekordzahl an Extra-Punkten vergeben zu haben.

Gegen die Cowboys entwickelten die Bucs lange überhaupt keine Gefahr und waren auch nach dem ersten Touchdown zum Ende des dritten Viertels weitestgehend chancenlos. Bei den Fans blieb aber dieses Bild hängen: Drei Minuten vor Abpfiff verletzte sich Bucs-Profi Russell Gage bei einem Zusammenstoß dem Augenschein nach im Hals- und Nackenbereich und konnte das Spielfeld nur mithilfe eines Fahrzeugs verlassen.

Niederlage und Scheidung

Brady kam nicht gut weg. Dallas-Star Prescott hatte im Gegensatz zu ihm einen starken Abend, warf vier Pässe für Touchdowns und erlief zudem einen weiteren. Für Brady und die Bucs ist damit eine enttäuschende Saison zu Ende gegangen, was wiederum die Spekulation über ein Karriere-Aus des siebenfachen Superbowl-Siegers anheizt. Die Zahlen trügen nicht: Brady hat in seinem 23. NFL-Jahr mit nur acht Siegen in 17 Spielen erstmals mehr Niederlagen als Erfolge in der Hauptrunde erlebt.

Brady selbst vermied nach dem Spiel eine eindeutige Aussage zu seiner Zukunft als Football-Profi. "Ich gehe nach Hause und versuche, heute Nacht so gut wie möglich zu schlafen", meinte der 45-Jährige ratlos. "Viel Konzentration lag auf diesem Spiel. Ein Tag nach dem anderen, wirklich." Und noch auf dem Weg aus dem Pressezentrum sagte Brady: "Ich liebe diese Organisation, und es ist ein großartiger Ort." Wie lange dieser Ort den Quarterback noch beherbergen wird, wird sich weisen. Vieles deutet aber darauf hin, dass Bradys Zeit diesmal wirklich abgelaufen sein könnte. Fehlender Erfolg, die Last des Alters, aber auch die Scheidung von Supermodel Gisele Bündchen gehen auch an einem Superstar wie Brady nicht spurlos vorüber.

Bester Spieler des Planeten

In die Sportgeschichte wird Brady in jedem Fall eingehen. Der Footballer aus Kalifornien prägte den Sport wie kein anderer und stieg dadurch nicht nur zum Multi-Millionär auf, sondern auch zu einer der großen Sport-Ikonen der USA. Im Jahr 2000 wurde er beim Draft in der sechsten Runde als Nummer 199 gezogen, am Ende seiner beeindruckenden Laufbahn stand TB12 zehnmal im Superbowl-Finale und triumphierte hier sieben Mal. Außerdem wurde er drei Mal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt.

Für viele ist Brady daher einer der besten Sportler des Planeten. Erst im November übertraf er als erster Quarterback in der NFL-Geschichte die magische Marke von 100.000 Passing Yards. Brady gab sich damals, gefragt nach der Bedeutung des Rekords, bescheiden. "Es geht mir nur um den Sieg. All das andere hat mich nie interessiert." Am Ende einer gescheiterten Saison und womöglich seiner Karriere dürfte er das wohl etwas anders sehen.(rel/apa)