Für Österreichs Vertreter im Einzel war Melbourne keine Reise wert: Dominic Thiem verlor in der ersten Runde gegen den starken Russen Andrej Rublew mit 3:6, 4:6, 2:6; Julia Grabher bei ihrem Grand-Slam-Debüt gegen die Estin Anett Kontaveit mit 2:6, 3:6. Beide Niederlagen kamen nicht unerwartet, Thiem ist nach seinem Comeback noch nicht so weit, gegen Gegner solchen Kalibers unter Wettkampfdruck zu bestehen, wie er selbst danach zugeben musste, Grabher war gegen die Nummer 19 der Welt von Beginn an Außenseiterin.

Auch den 6:3, 6:4, 6:0-Erfolg des neunfacchen Australien-Siegers Novak Djokovic durfte man durchaus unter die Rubrik "Vorhersehbares" einordnen.

Die Überraschung des Tages lieferte daher ein anderer: Andy Murray schien bei seinem Fünfsatzsieg gegen Matteo Berrettini die Zeit zurückzudrehen, bestimmte gegen den Vorjahres-Semifinalisten die ersten beiden Sätze, fiel dann zurück, kam aber mit jenem Kampfgeist und jener Zähigkeit, die ihn schon früher ausgezeichnet hatten, zurück. Im fünften Satz wehrte er einen Matchball ab und setzte sich schließlich mit 6:3, 6:3, 4:6, 6:7, 7:6 gegen die Nummer 13 des Turniers durch.

Früher, das war damals, als der Schotte noch nicht durch seine wiederkehrenden Hüftprobleme massiv eingeschränkt war; als er 2012 Olympia-Gold, bis 2016 drei Grand-Slam-Turniere gewinnen und Platz eins der Weltrangliste erklimmen konnte. Danach aber begann der sportliche Leidensweg des nunmehr 35-Jährigen. Seit 2019 - als er zwischendurch auch seine Karriere für beendet erklärt hatte, spielt er mit einer künstlichen Hüfte.

"Es ist beeindruckend, was er zu leisten im Stande ist nach all seinen Operationen und all den Kilometern, die er in seiner Karriere schon gelaufen ist", sagte daher auch der um neun Jahre jüngere Berrettini anerkennend.

Ein kleiner Schritt für Thiem

In dem Spiel gegen den Italiener hätte sich Murray nach seiner klaren Führung auch einige Kilometer ersparen können, doch es hätte wohl nicht zur Dramaturgie seiner Karriere gepasst. "Morgen werde ich es spüren, aber heute bin ich einfach nur überglücklich und stolz", erklärte Murray, der es nun in der zweiten Runde entweder mit dem australischen Lokalmatador Thanasi Kokkinakis oder Fabio Fognini, einem weiteren Italiener, zu tun bekommt.

Während die Reise für die Nummer 66 der Welt damit noch weitergeht, ist die Akte Melbourne für Österreichs Nummer eins Thiem für heuer geschlossen. Der auf Platz fünf gesetzte Rublew erwies sich als der erwartet schwere Gegner, zudem fühlte sich der Niederösterreicher durch eine beim Aufschlag in der Rippengegend zugezogenen Verletzung gehandicapt.

Österreichs Dominic Thiem sucht indessen noch nach seiner Form. 
- © apa / reuters / Carl Recine

Österreichs Dominic Thiem sucht indessen noch nach seiner Form.

- © apa / reuters / Carl Recine

"Dann ist es gegen so einen Gegner natürlich sehr, sehr schwer, zurückzukommen", erklärte die ehemalige Nummer drei der Welt, die dennoch für die Zukunft die positiven Aspekte mitnehmen will: "Ich denke schon, dass es ein kleiner Schritt nach vorne war. Ich merke es auch in den Tagen vor dem Turnier, wenn ich gegen die absoluten Topleute trainiere, dass das Tempo, das ich spiele, wieder okay ist. Dass es nicht merkbar langsamer ist, als was die spielen, wieder ein bisschen flüssiger."

In Sachen Rückkehr nach Verletzungspausen dient vielleicht Murray als Vorbild.