Wer will, wer mag, wer hat noch nicht? Durch das Zweitrunden-Out von Rafael Nadal bei den Australian Open ist das Rennen um die Weltranglistenführung nach diesem Grand-Slam-Turnier offener geworden. Nadal selbst, der sich am Mittwoch dem US-Amerikaner Mackenzie Donald mit 4:6, 4:6, 5:7 geschlagen geben musste, fallen fast alle 2022 da gewonnenen Punkte aus der Wertung, er verlässt die Top Fünf. Sein voranliegender, in Melbourne verletzt fehlender spanischer Landsmann Carlos Alcaraz kann nur warten, wie die sonstige direkte Konkurrenz abschneidet.

Diese wird durch Casper Ruud, Stefanos Tsitsipas und Novak Djokovic gebildet. Der Grieche Tsitsipas müsste für die Übernahme der Weltranglistenführung Ende nächster Woche seinen ersten Grand-Slam-Titel holen, Djokovic seinen zehnten Australian-Open- beziehungsweise 22. Major-Gewinn realisieren.

Mit Letzterem würde der Serbe mit Nadal gleichziehen. Ruud reicht der Finaleinzug, sofern Tsitsipas nicht das Turnier gewinnt. Auf Djokovic könnte der Norweger in der unteren Rasterhälfte schon vor dem Endspiel treffen. Tsitsipas ist in der von Nadal nun verlassenen oberen Rasterhälfte. Sollte das genannte Trio auslassen, geht Alcaraz als Nummer eins in den Februar.

Nadal war McDonald im ersten Satz klar unterlegen, eine mögliche Aufholjagd wurde dann im zweiten Durchgang auch durch eine folgenschwere Hüftverletzung verunmöglicht. Danach schleppte sich der Grand-Slam-Rekordsieger mehr oder weniger nur noch bis zum Matchball, ehe die Partie nach 2:32 Stunden beendet war. "Ich wollte nicht aufgeben, ich bin der Titelverteidiger hier. Bis zum Ende alles geben, egal wie groß die Chancen stehen, ist die Philosophie des Sports", sagte Nadal.

"Mental zerstört"

Leichte Hüftprobleme hätte er schon vorher gehabt: "Ich hatte Behandlungen, aber es war nicht so ein großes Problem. Jetzt fühle ich mich, als könnte ich mich nicht bewegen." Er sei "ermüdet" und "frustriert", dass das Zurückkehren von Blessuren so einen großen Teil seiner Karriere ausmachen würde: "Ich kann einfach nicht sagen, dass ich im Moment mental nicht zerstört bin, denn dann würde ich lügen." Nadal hatte im Match allerdings schon vor seiner Verletzung frustriert gewirkt. Nachdem die Verletzung im oberen Bereich des linken Beins kurz behandeln worden war, verschwand er für eine medizinische Auszeit in die Kabine. Ehefrau Maria Francisca Perello hatte Tränen in den Augen.

McDonald schien mit der Situation überfordert, in seinem bis dahin starken Spiel gab es einen Bruch. Doch er fing sich wieder. Für Nadal ist es das frühestes Ausscheiden bei diesem Major seit 2016. Er verlor nun sieben seiner jüngsten neun Einzel, das war ihm zuletzt 17-jährig 2003/2004 passiert. Der nun 36-Jährige hatte in Wimbledon verletzungsbedingt aufgeben müssen. Damals war er zum Halbfinale gegen den Australier Nick Kyrgios wegen eines Risses des Bauchmuskels nicht angetreten. Nadal leidet zudem seit Jahren unter chronischen Fußschmerzen, deswegen hatte er vor nicht langer Zeit schon über einen Rücktritt nachgedacht. "An den meisten Tagen war ich traurig, ich hatte die Freude am Tennisspielen verloren. Deshalb dachte ich, ich müsste mich zurückziehen", hatte er kürzlich der spanischen Zeitung "Marca" gesagt.

Weitere männliche Akteure aus dem vorderen Teil der Gesetztenliste blieben im Turnier. Der Kanadier Felix Auger-Aliassime musste aber einen Zweisatzrückstand aufholen, ehe er gegen den Slowaken Alex Molcan 3:6, 3:6, 6:3, 6:2, 6:2 gewann. Der Russe Daniil Medwedew beim 7:5, 6:2, 6:2 gegen den Australier John Millman, der Italiener Jannik Sinner beim 6:3, 6:2, 6:2 gegen den Argentinier Tomas Martin Etcheverry und der US-Amerikaner Frances Tiafoe beim 6:4, 6:4, 6:1 gegen den Chinesen Shang Juncheng gaben jeweils keinen Satz ab.

Das interessanteste Frauen-Match des Tages war das Duell der 18-jährigen Coco Gauff mit der 20-jährigen Emma Raducanu. Die britische US-Open-Siegerin von 2021 ließ bei einer 5:4-Führung im zweiten Durchgang die Chance zum Satzausgleich aus und verlor gegen Gauff letztlich 3:6, 6:7. "Ich habe mir da einfach nur gesagt, ich muss dranbleiben", sagte Gauff danach über ihren hundertsten Sieg auf der Tour.

Diesen Meilenstein erreichte sie als erste Spielerin vor ihrem 19. Geburtstag seit der Dänin Caroline Wozniacki 2009.(apa/red.)