Im Vorjahr hat Marco Kasper nach einer starken Saison die Scouts bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Tampere auch auf der internationalen Bühne überzeugt. Der Kärntner Stürmer wurde schließlich beim NHL-Draft von den Detroit Red Wings als Nummer acht gewählt. Heuer sind bei der WM ab Freitag wieder in Tampere die Augen der Talentespäher aus Nordamerika auf den 18-jährigen David Reinbacher fokussiert, der jüngste rot-weiß-rote Verteidiger bei einer WM seit 30 Jahren.

"Er bringt das ganze Paket mit", sagt Teamchef Roger Bader über den 1,89 Meter großen Lustenauer, dessen Wachstum noch nicht abgeschlossen ist. "Grundsätzlich will jeder große Verteidiger. Dann ist sehr attraktiv und gesucht, dass er den Schläger rechts hat. Und er hat gute Hände, macht gute Spielzüge, er kann gut schießen, darum war er auch im Powerplay eine feste Größe. Er kann hart spielen, Muskeln muss er noch zulegen. Er hat nicht wirklich eine Schwäche, sondern lauter Stärken", analysiert Bader.

Reinbacher war im Vorjahr mit dem EHC Kloten aufgestiegen, danach ist auch für ihn die Entwicklung überraschend schnell gegangen. Der Vorarlberger überzeugte in der starken Schweizer Liga derart, dass er die zweitmeiste Eiszeit aller Kloten-Abwehrspieler erhielt und in allen Situationen eingesetzt wurde. In 49 Spielen verbuchte er 24 Scorerpunkte. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so explodiert. Es hat sich von Spiel zu Spiel immer mehr entwickelt, der Trainer hat mir die Chance gegeben, sehr auf mich vertraut und mir Fehler verziehen. Ich bin natürlich glücklich, wie die Saison verlaufen ist. Ich will einfach den Moment genießen", sagt Reinbacher. Seine starken Leistungen haben ihn auch für die NHL-Klubs attraktiv gemacht. Reinbacher wird für den Draft im Juni hoch gehandelt, Scouts schließen nicht aus, dass er als erster Verteidiger und in den Top Ten gewählt wird. Seinen hohen Marktwert kann er mit einer guten WM bestätigen. In Tampere wird Reinbacher nicht nur der jüngste Spieler im österreichischen Kader sein, sondern auch der zweitjüngste rot-weiß-rote WM-Verteidiger, seitdem Österreich 1993 erstmals an einer A-WM teilgenommen hat. Lediglich Gerhard Unterluggauer war vor genau 30 Jahren noch jünger.

Die Vorfreude auf sein WM-Debüt ist natürlich groß. "Das ist sehr, sehr cool, es macht Riesenspaß. Wir haben eine coole Truppe hier, das ist wie eine Familie", sagt Reinbacher. Persönliche Ziele definiert er nicht, nach seiner Verletzung in der Vorbereitung will er nur sein "Topspiel finden". Sonst zählt nur der Klassenerhalt mit dem Team. "Wir wollen zeigen, dass wir eine A-Nation sind."

Auf ihn warten Duelle mit Weltklasse-Stürmern, Erfahrung damit hat Reinbacher schon in der Schweiz gemacht. Etwa in den Matches gegen Meister Geneve-Servette mit den finnischen Weltmeistern Teemu Hartikainen und Valtteri Filppula. "Wenn du die live siehst, ist das unbeschreiblich. Wenn solche Namen auf dich zufahren, muss ich innerlich lachen, es ist eine Freude gegen solche Spieler", sagt der Vorarlberger.

Reinbacher ist durch die Schweizer Eishockey-Schule gegangen. Bereits mit sieben Jahren wurde er meist von seinem Vater zum Training beim SC Rheintal nach Widnau gefahren, mit 13 ist er nach Kloten gewechselt. "Bis jetzt ist alles aufgegangen", sagt er. Der nächste Schritt könnte im Sommer folgen, Gedanken an den Draft hat er aber zur Seite geschoben. "Wir sprechen daheim darüber praktisch nicht, das wird ausgeblendet. Man hat das eine oder andere Gespräch, aber das ist alles im Hintergrund. Ich kann frei spielen und im Moment leben."(apa/red.)