Rio de Janeiro. (art) Die Stimmung als euphorisch zu bezeichnen, wäre noch ein Hilfsausdruck gewesen. Als die Brasilianer, von denen man sagt, sie hätten nicht nur Samba, sondern auch den Fußball im Blut, am 30. Oktober 2007 in Zürich die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zugesprochen bekamen, erfüllten 10.000 Kilometer weiter Jubelorgien das Land. Heute, dreieinhalb Jahre später und drei Jahre vor dem Großereignis, ist die Freude verhalten. Wegen Verzögerungen bei den Stadionbauten, bei der Infrastruktur und der explodierenden Kosten hagelt es Kritik von allen Seiten, zudem geriet der mächtige Verbandschef Ricardo Teixeira, ein Mitglied des Exekutivkomitees des Weltfußballverbandes Fifa, in der Affäre um Bestechung bei der WM-Vergabe 2018 und 2022 unter Druck.

Die Skepsis seiner Person gegenüber ist nicht neu, seit den 90er-Jahren begleiten ihn Korruptionsvorwürfe. Doch nun kommt die Kritik nicht von außen, sondern aus Brasilien, von einem Mann, dessen Stimme etwas zählt. In einem Interview mit der Zeitung "Folha de São Paulo" forderte Ex-Stürmerlegende Romario, der seit einem Jahr für die Sozialisten im Parlament sitzt, Teixeira auf, sein Amt als Organisationschef zurückzulegen. Zudem bekräftigte er seine Forderung nach einem Untersuchungsausschuss. "Wenn die Leute über Mafia und Fußball reden, hört man immer wieder den Namen Teixeira. Das wird man aus meinem Mund nicht hören, denn ich habe keine Beweise. Aber es gibt definitiv eine Gang im Fußball", erklärte Romario.

Transportproblem

Abgesehen von den Korruptionsvorwürfen steht Brasilien drei Jahre vor der WM auch organisatorisch ganz und gar nicht gut da. Das Stadion in São Paulo wird für den Confederations Cup, die traditionelle WM-Generalprobe, nicht rechtzeitig fertig, auch bei den anderen Arenen offenbaren sich eklatante Planungsfehler, die für Verzögerungen und erhebliche Mehrkosten sorgen. Schon im März hatte Fifa-Chef Joseph Blatter den Veranstaltern ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt - im Vergleich zu Südafrika drei Jahre vor der WM sei Brasilien "noch nicht so weit".

Romario besorgen indessen vor allem die Kosten. Ursprünglich hatte man für die Sportstätten Investitionen von zwei Milliarden Euro veranschlagt, "aber wie es jetzt läuft", sagt Romario, "werden wir bei 15 Milliarden Reais (6,6 Milliarden Euro) landen. Das ist absurd." Noch größere Probleme drohen Brasilien bei der Infrastruktur, vor allem beim Ausbau des schon jetzt überlasteten Verkehrswesens. Die Fertigstellung der geplanten Hochgeschwindigkeitsbahn von Campinas über São Paulo nach Rio wird sich bis weit nach WM-Schlusspfiff verzögern und möglicherweise nicht einmal bis zu den Olympischen Spielen 2016, der nächsten organisatorischen Herausforderung für das sportbegeisterte Land, erfolgt sein. Zuletzt hatte das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung gewarnt, dass die Arbeiten an neun von dreizehn Flughäfen nicht bis 2014 fertig sein würden. Da die Spielstätten Tausende Kilometer weit entfernt liegen, sind die Fans aber auf den Flugverkehr angewiesen.

Für Romario ist daher schon jetzt klar, dass seine Heimat nicht die beste WM-Endrunde aller Zeiten, die man in der ersten Euphorie versprochen hat, erleben wird. "Nur Jesus könnte noch helfen, dieses Ziel zu erreichen", sagt er. Und ernüchtert fügt er hinzu: "Aber dafür müsste seine Wiederkehr auf Erden schon aber innerhalb der nächsten drei Jahre erfolgen."