Paris. Wenn 2011 das Jahr der arabischen Revolutionen ist, dann nicht nur auf dem arabischen Kontinent, sondern auch in Paris. Dort allerdings mehr in sportlicher denn politischer Hinsicht. Seit Ende Juni eine Investorengruppe aus dem Wüstenstaat Katar 70 Prozent des Fußballklubs Paris Saint Germain (PSG) vom bisherigen Hauptaktionär Colony Capital übernommen hat, erhoffen die Fans des einzigen namhaften Klubs der Hauptstadt einen Umsturz in Form eines gewaltigen Qualitäts- und Erfolgssprungs. "Unser Ziel ist es, ab 2012 an der Champions League teilzunehmen. Ab 2015 wollen wir dort eine Hauptrolle spielen", kündigt der neue PSG-Verwaltungsratschef Nasser Al-Khelaïfi an.

In der vergangenen Saison verfehlte der französische Erstligist die Qualifikation knapp und steigt Mitte August in der Play-off-Runde in die Europa League ein. Der letzte von zwei Meistertiteln liegt 17 Jahre zurück. Nun will man die Tür zu neuem Ruhm aufstoßen - mithilfe eines Geldregens und einer personellen Erneuerung. In der kommenden Saison, die am Samstag (21 Uhr/live Eurosport) mit dem Heimspiel gegen Lorient beginnt, will der Verein um den Titel mitspielen. In kurzer Zeit hat PSG mehr als 80 Millionen Euro für Transfers ausgegeben - das entspricht in etwa dem gesamten Saison-Budget seines südfranzösischen Rivalen Olympique Marseille, einem der finanzstärksten Klubs des Landes.

Der Verein geht auf große Einkaufstour

Im Gegensatz zu anderen großen europäischen Ligen wie der englischen Premier League, wo 9 von 20 Teams in ausländischem Besitz sind, waren ausländische Sport-Mäzene in Frankreich bisher unüblich. Das zwang die hiesigen Vereine, wie französische Medien schreiben, "wie falsche Reiche ihre Spieler überzubezahlen in einer total ausgedörrten Landschaft des französischen Fußballs". Unter den acht Neuzugängen im PSG-Team sind die Franzosen Jérémy Ménez (vorher bei AS Roma), Mohamed Sissoko (Juventus Turin) und der italienische Torhüter Salvatore Sirigu (US Palermo). Für Aufsehen sorgte vor allem, dass Javier Pastore für 42,5 Millionen Euro geholt wurde. Hatte der 22-jährige Argentinier zuletzt bei Palermo eine starke Saison, so stieß die hohe Ablöse für den eher unbekannten Spieler in Frankreich auch auf Unverständnis.

Geht es dem neuen Sportdirektor Leonardo vor allem um den Ankündigungseffekt? Der Brasilianer und frühere PSG-Spieler erwidert, er wolle den Pariser Vorzeigeklub nicht nur kurzfristig mit spektakulären Neuzugängen neu aufrichten: "Wir werden unser Projekt intelligent und vernünftig vorantreiben und nichts überstürzen."

Wirtschaftsimpulse aus Katar sind erwünscht

Ob der Verein dem Erfolgsdruck standhält, wird aber auch bezweifelt. So spottet die französische Zeitung "Libération", er sei nicht mehr als eine Vitrine: "Wenn sich mit PSG Geld machen ließe, wüsste man das längst." Colony Capital hatte den Klub nicht zuletzt deshalb verkauft, weil man die alljährlichen Verluste nicht mehr abdecken wollte. Vielmehr vermutet die "Libération" andere, eben doch nicht nur sportliche Hintergründe hinter dem Deal der Gruppe Qatar Sport Investments, den Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ausdrücklich begrüßte.

Der bekennende PSG-Fan hat einen guten Draht zum katarischen Erbprinzen Tamim bin Hamad, den er 2010 mit der französischen Ehrenlegion auszeichnete. Es gibt vielfältige diplomatische, wirtschaftliche und finanzielle Verbindungen zu dem reichen Emirat, das kräftig in Frankreich investiert, nicht ohne Eigeninteresse. So ist PSG-Verwaltungsratschef Al-Khelaïfi eben auch Sportchef beim einflussreichen arabischen Fernsehsender Al-Jazeera, der sich für 2012 bis 2016 einen Teil der Übertragungsrechte der französischen Liga gesichert hat. Frankreich unterstützte für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Katar. Die Stadt Paris wiederum erhofft sich von dem neuen Investor Hilfe bei der Renovierung des Prinzenpark-Stadions, der Heimstätte des PSG, für die Ausrichtung der Europameisterschaft 2016.