Madrid. (art) Dieser Sonntag wird wieder so etwas wie ein inoffizieller Feiertag sein für Spaniens Fußball-Öffentlichkeit. Das ist eben so, wenn die beiden Erzrivalen Real Madrid und der FC Barcelona aufeinandertreffen. Und dabei ist es völlig wurscht, dass dieses Duell in der vergangenen Saison mit fünf Partien in der Liga, der Champions League und im Cup schon ein bisschen inflationär geworden ist und es sich bei der Begegnung am Sonntag (22 Uhr) lediglich um das Hinspiel im Supercup, das gemeinhin als besseres Testspiel angesehen wird, handelt.

Aber der Cláscio ist eben das Spiel der Spiele - nicht nur in Spanien, sondern für die Fans in ganz Europa. Nun sollen sie einen Vorgeschmack auf das bekommen, wofür der Sport im Land des Europa- und Weltmeisters gemeinhin steht: technische Schmankerl, Emotionen, attraktives Kombinationsspiel. Auf Klubebene war der FC Barcelona, der gerade in freudiger Erwartung von Heimkehrer Cesc Fàbregas ist, zuletzt die dominierende Mannschaft, bei den Nationalteams setzten die Iberer bei den letzten Turnieren den Maßstab. Doch längst ist in Spaniens Fußball-Welt nicht alles Gold, was nach außen mit dem Clásico und den schillernden Stars so schön glänzt. Hinter der Fassade bröckelt es gewaltig, wegen einer Streikdrohung der Spielergewerkschaft AFE steht sogar hinter dem Ligastart am darauffolgenden Wochenende ein dickes Fragezeichen.

Stein des Anstoßes sind die Schulden, die viele Vereine bei ihren Arbeitnehmern haben. Laut Gewerkschaftsangaben haben 200 Spieler der ersten beiden Ligen insgesamt 50 Millionen Euro aus der vergangenen Saison noch nicht überwiesen bekommen. Denn die Vereine haben mit schweren Schulden zu kämpfen, insgesamt sollen sich vier Milliarden Euro angehäuft haben. Die Problematik ist nicht neu. In der vergangenen Saison haben etliche Klubs Zahlungsunfähigkeit angemeldet.

Laut spanischem Konkursgesetz dürfen sie aber während eines Gläubigerverfahrens nicht zu einem Zwangsabstieg verurteilt werden. Die Gewerkschaft fordert daher ein Tarifabkommen mit der Liga, in dem die Lizenzierung wie in anderen europäischen Ländern strenger geregelt ist - und erhält dabei überwältigende Unterstützung von namhaften Spielern und der Trainervereinigung.

Ein Grund für die hohe Schuldenlast wird von den Vereinen selbst bei der Regelung der Vergabe der TV-Gelder gesehen, bei der wegen der dezentralen Vermarktung ein großes Ungleichgewicht zwischen den Top Zwei und dem strauchelnden Rest der Liga herrscht. Während Barcelona und Real sich beinahe der Hälfte der Einnahmen von insgesamt mehr als 600 Millionen Euro aufteilen, bekommen Mittelständler wenige Millionen. "Das richtet nicht nur für die Vereine, sondern auch für die Liga großen Schaden an", sagt Betis-Sevilla-Präsident Miguel Guillen zu Reuters. "Das Interesse in anderen Ländern wird zurückgehen, wenn außer Real und Barcelona niemand Chancen hat."

Am Sonntag aber werden all diese Probleme keine Rolle spielen. Denn es ist Clásico-Zeit. Und da ist er noch da, der schöne Schein.