Titel und Kontroversen

Doch wenngleich der Debütant wegen eines Kupplungsdefekts beim Rennen schon in der ersten Runde ausfiel, überraschte er das Fachpublikum mit seinem siebenten Platz in der Qualifikation und einem Zerwürfnis mit dem Topstar Alain Prost, der ihn im Training seiner Ansicht nach behindert hatte. Dass er zur Räson gerufen wurde, beeindruckte ihn ebensowenig wie der große Name des Franzosen. "Ich habe schon damals nicht verstanden, warum man einen schnelleren Fahrer nicht vorbeilassen kann", sagt er heute.

In seiner weiteren Karriere, die ihn schon nach dem ersten Rennen zu Benetton und nach zwei WM-Titeln zu Ferrari führte, wo er von 2000 bis 2004 gleich fünfmal hintereinander triumphierte und der Scuderia einen kaum für möglich gehaltenen Höhenflug bescherte, ließen sie ihn zumeist vorbei. Manche respektvoll freiwillig, andere gezwungenermaßen.

Die harten, oft grenzwertigen Manöver des Deutschen sind ebenso Folklore wie Funkdurchsagen à la das Jean Todt’sche "Let Michael pass for the Championship" in Spielberg 2002. Die einen brachten dem siebenfachen Weltmeister den wenig schmeichelhaften Kosenamen "Schummel-Schumi" ein, die anderen der Formel 1 hitzige Diskussionen über die (mittlerweile wieder erlaubte) Stallorder.

Die Kontroversen um seine Person waren ständiger Wegbegleiter Schumachers - und sie sind es noch. Galten sie in seiner ersten Karriere, die er 2006 mit seinem Rücktritt beendete, seinem unnachgiebigen Fahrstil und der Fadesse, die er der Formel 1 wegen seiner Erfolge bescheren würde, mokiert man sich nun ironischerweise darüber, dass er seit seiner Rückkehr 2010 im Mercedes-Team noch nicht so richtig auf Touren gekommen ist.

"Zu achtem Titel fähig"

Für seinen Teamchef Ross Brawn, der an allen sieben Titeln des 42-Jährigen maßgeblich beteiligt war, ist es mittlerweile Alltag geworden, seinen vermeintlichen Superstar im Team vor den Kritikern in Schutz zu nehmen. Freilich ist Schumacher, wiewohl meist langsamer als sein Teamkollege Nico Rosberg, offiziell von jeder Schuld an den Misserfolgen freigesprochen. "Wenn wir ihm ein Auto geben mit dem Potenzial, um die WM zu fahren, gibt es keine Zweifel, dass er in der Lage ist, seinen achten Titel zu gewinnen", sagt Brawn. Nach bisher 30 Rennen ohne Stockerlplatz wäre jedoch schon ein solcher eine mittlere Sensation. Und sollte er ausgerechnet in Spa passieren, ein weiteres Kapitel der Geschichte, die Schumacher hier schon geschrieben hat.