Luxemburg. (man) "Alles was schiefgehen kann, wird schiefgehen." In etwa das besagt Murphy’s Gesetz. Geht die Premier League in der Entscheidung um ihr eigenes Murphy’s Gesetz von dieser Maxime aus, stehen dem europäischen Fußball turbulente Zeiten bevor.

Denn am Dienstag spricht der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Rechtsstreit zwischen Karen Murphy, Pubbesitzerin in Portsmouth, und der englischen Fußball-Liga ein Urteil, das gespannt erwartet wird. Das Gericht entscheidet, ob es rechtmäßig ist, dass Fußballligen ihre Fernseh-Übertragungsrechte in unterschiedlichen EU-Ländern zu unterschiedlichen Preisen verkaufen.

Dieses Faktum machte sich Murphy zunutze. Sie zeigte in ihrem Lokal Premier-League-Spiele mit einer importierten Decoder-Karte über einen griechischen Satellitensender und umging damit die wesentlich höheren Pay-TV-Gebühren des britischen Senders Sky. Daraufhin wurde sie von einem britischen Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, zog aber bis zum EuGH. Und die Generalanwältin dort sprach sich im Frühjahr für ein Urteil zu ihren Gunsten aus. In etwa drei Vierteln der Fälle folgt der EuGH den Empfehlungen der Generalanwälte.

Nicht nur Fußball betroffen

Ist das auch diesmal so, könnte der Fall weitreichende Auswirkungen nicht nur auf Fußballübertragungen haben. Denn argumentiert der EuGH wie die Generalanwältin, die die dezentrale Ausschreibung der TV-Rechte als "gleichbedeutend mit der Ausschaltung des Binnenmarktes" bezeichnete, müssen Fernsehrechte zukünftig europaweit ausgeschrieben werden. Somit schauen am Dienstag auch andere große europäische Ligen und Verbände aus anderen Sportarten gespannt nach Luxemburg.

Aktuell verdient die Premier League mit den britischen Rechten in drei Saisonen umgerechnet 2,1 Milliarden Euro. Dazu kommen 1,6 Milliarden an Einnahmen aus ausländischen TV-Rechten, wovon rund 400 Millionen Euro aus Europa kommen. Für die Klubs ist dieses Einkommen eine der wichtigsten Geldquellen.

Deshalb sind die Ligen auch erpicht darauf, diese Einnahmen möglichst nicht anzutasten. Ob sich die Idee des Binnenmarktes, dass Konsumenten Dienstleistungen zum europaweit billigsten Preis konsumieren können, auch hier durchsetzt, ist freilich offen. Denn anstatt sinkender Preise in Großbritannien könnte das Urteil auch zur Folge haben, dass der Preis für TV-Rechte und in weiterer Folge auch die Gebühren für Konsumenten im Rest Europas angehoben werden. Unter Insidern ist jedenfalls in keinem Fall ausgemacht, dass es zu einem großen Umsturz im Fernsehmarkt kommen wird. "Ich bin überzeugt, dass der Markt eine Lösung finden wird, mit der alle Beteiligten gut leben können", sagt etwa Peter Herrmann, Professor für Sportrecht an der Universität Bayreuth.