München. Die Basketball-Szene Deutschlands reagiert schockiert, der europäische Verband Fiba Europe sicherheitshalber erst einmal gar nicht. Wenige Tage vor der Entscheidung über den Ausrichter der Europameisterschaften 2015, für die Deutschland gemeinsam mit Frankreich, Italien und Kroatien ein revolutionäres Konzept vorgelegt hatte, verkündete die Gemeinschaftsbewerbung nun das Aus des Projekts. Nicht etwa aufgrund interner Querelen, sondern geschlossen aus Protest gegen das Geschäftsgebaren des europäischen Dachverbandes. Doch dem dürfte der Rückzug in letzter Sekunde gar nicht unrecht sein, verbleibt damit doch die Ukraine als einziger Bewerber.

Nun ist es nicht etwa so, dass die Ukraine die schönsten Hallen, die besten Unterbringungsmöglichkeiten oder die tollsten Verkehrsverbindungen aufweisen könnte. Die Baustellen im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr sind hinlänglich bekannt. Aber das ist bei der Vergabe von sportlichen Großereignissen ohnehin meist nur ein Nebeneffekt, wenn überhaupt. Sotschi und Pyeongchang sind auch nicht gerade als Wintersportparadiese in Erscheinung getreten, ehe sie zu den Schauplätzen der Olympischen Spiele 2014 und 2018 ernannt wurden.

Und Katar brachte es als Land, das sowohl flächen- als auch einwohnerzahlmäßig in etwa Oberösterreich gleichkommt, zustande, sich neben den sonstigen regelmäßig dort ausgetragenen Sportveranstaltungen die Gastgeberrolle der Weltmeisterschaften im Handball 2015 und Fußball 2022 zu sichern. Als sich die Weltöffentlichkeit nach letzterer Entscheidung wegen der hohen Temperaturen mokierte, die sportliche Höchstleistungen verunmöglichen würden, erwog die Fifa sogar einen kompletten Bruch mit den Usancen und eine Verlegung in den Winter. Die Korruptionsvorwürfe, die im Rahmen der Vergabe aufkamen, hat er freilich noch immer nicht geklärt.

Ukraine williger Partner

Von Korruption ist derweil im Streit um die Basketball-EM (noch?) keine Rede, wohl aber vom Geld und Forderungen des Dachverbandes, die nur mit viel interpretatorischer Kreativität als innerhalb der Grenzen der Sittlichkeit liegend angesehen werden können. Der Hintergrund ist nicht neu: Während die Dachverbände die großen Gewinner von Sportveranstaltungen sind, zahlen im Verlustfall die Veranstalter. Und da ist die Ukraine um einiges weniger widerspenstig.

Um sie als Partner zu bekommen, soll, das sagen zumindest die Deutschen, der Europaverband die Regeln noch nach der offiziellen Einreichfrist mehrmals geändert und auf die Ukraine zugeschnitten haben. Zuletzt wurde gefordert, dass die Bewerber noch vor der Vergabe einen Sponsor präsentieren müssen; ein Teil der 8 Millionen Euro, die als Garantiezahlung an die Fiba gehen, sollte schon im Jänner fließen. Diese Bedingungen hält die Viererbewerbung für inakzeptabel und machte daher "schweren Herzens", wie DBB-Präsident Ingo Weiss betonte, einen Rückzieher.

Dabei hätte das Konzept durchaus seinen Reiz gehabt. Da jeder der Veranstalter seine Vorrundenspiele daheim ausgetragen hätte, wären volle Hallen wohl garantiert gewesen. Nur so könne man eine solche Veranstaltung organisieren, "es sei denn, ein Teilnehmer lässt sie sich vom Staat finanzieren", sagt DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt mit Blick auf die Ukraine, wo Geld dank großzügiger Subventionen keine Rolle spielen dürfte. Der Ärger über den Verband sitzt tief: "Statt strategisch eine Sportart zu entwickeln, geht es offenbar nur darum, wer die meiste Kohle zahlt", meint er zur "Süddeutschen Zeitung". "Da kannst du so ein Ding auch bei Ebay reinstellen."