Minnesota. (art) Eigentlich kann es schon als kleine Sensation bezeichnet werden, dass die nordamerikanische Basketball-Liga NBA am Montag überhaupt, wenn auch verspätet, in die Saison gehen kann. Der erst vor wenigen Wochen im Sinne einer 50:50-Regelung geschlichtete Streit um die Einnahmenaufteilung zwischen Team-Besitzern und Spielern hatte sie arg gefährdet. Die Fans hätten einiges verpasst: die Mission Titelverteidigung der Dallas Mavericks mit ihrem Leithammel Dirk Nowitzki etwa. Oder das Debüt eines der aufsehenerregendsten Talente der vergangenen Jahrzehnte. Am Montag wird der 21-jährige Spanier Ricky Rubio für die Minnesota Timberwolves bei ihrem Auftaktspiel gegen Oklahoma sein erstes Pflichtspiel in der NBA bestreiten. Auch er gilt vor allem unter europäischen Fans, die bisweilen neidisch in die amerikanische Glitzerwelt blicken, als kleine Basketball-Sensation.

Gewiss, der 21-Jährige mit den großen Kulleraugen und dem dunklen Wuschelkopf hat Star-Potenzial. Er war mit 15 beim katalanischen Klub Joventut Badalona der Jüngste, der ein Pflichtspiel in der spanischen Liga bestritt; er war mit seinem Silbergewinn 2008 der Jüngste, der sich eine Olympia-Medaille im Basketball um den Hals hängen lassen durfte; und er war dem FC Barcelona im Jahr darauf, als er eigentlich schon von Minnesota gedraftet gewesen war, die Rekordablösesumme von 3,7 Millionen Euro wert. Nun, da Rubio, außerdem schon Europa- und Weltmeister, bei den Spaniern alles gewonnen hat, was es hier abzustauben gibt, sei "der Moment gekommen, diese Reise anzutreten", sagte er bei einer emotionalen und von der Presse gestürmten Medienkonferenz im Sommer, bei der er seinen schon lange erwarteten Wechsel in die NBA verkündete.

Reißender Absatz

Dort erwartet man sich einiges von Rubio, der mit seiner Schnelligkeit, Wendigkeit und seinem Spielwitz die Qualitätsmerkmale eines guten Point Guards vereint. Die Timberwolves zählten seit ihrer bisher letzten Play-off-Teilnahme im Jahr 2004 stets zu den schwächsten Teams der NBA. Das soll sich nun nicht zuletzt durch ihn und den neuen Trainer Rick Adelman ändern, abgesehen davon erhofft man sich in Minnesota auch einen Popularitätsschub durch den Europäer. Schon jetzt wurden mit 7500 Saisonkarten um 2000 mehr verkauft als im vergangenen Jahr, seinen ersten Auftritt gegen Milwaukee verfolgten 15.0000 Zuschauer, was einen Testspiel-Rekord bedeutet.

Doch noch muss Rubio den Vorschusslorbeeren erst gerecht werden - und die Mannschaft zusammenfinden. Denn seine Kreativität stellt nicht nur einerseits seine größte Stärke dar, sondern andererseits mitunter auch seine Mitspieler vor Probleme. Nicht nur für die Gegner ist er schwer auszurechnen. "Wir müssen uns an seinen Stil gewöhnen", sagt Forward Kevin Love, "denn sonst kann es schon passieren, dass man einen Ball ins Gesicht bekommt".

Als Kritik will er das nicht verstanden wissen, ebenso wenig hat er ein Problem mit dem Trubel um seinen neuen Mannschaftskollegen, den er eher pragmatisch sieht. "Ricky ist schon jetzt der Liebling der Presse. Ich hoffe, das bleibt auch so, denn das würde bedeuten, dass er gut spielt." Und das können die Timberwolves, bei denen schon das Erreichen der ersten Play-off-Runde eine weitere kleine Sensation wäre, wahrlich gut gebrauchen.