Nyon. (man) Der europäische Fußballverband Uefa erhöht die Drehzahl in seinem Bemühen, die Finanzen der Fußballklubs unter Kontrolle zu bekommen. Diese Woche veröffentlichte der Verband seinen Bericht zum Finanzjahr 2010 mit auf den ersten Blick erschreckenden Zahlen.

So machten Europas Erstligaklubs im Jahr 2010 insgesamt einen Verlust von 1,641 Milliarden Euro. Mit 56 Prozent haben mehr als die Hälfte der europäischen Klubs am Jahresende ein Minus vor dem Ergebnis stehen. Zwar sind die Einnahmen um 6,6 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro gestiegen. Doch die Ausgaben stiegen noch stärker, und vor allem das Ziel, die Personalkosten zu senken, konnte die Uefa noch nicht erreichen. Insgesamt gaben die Klubs laut Uefa 6,8 Milliarden Euro für Spieler aus, das sind 83 Prozent der Personalausgaben, die ihrerseits wiederum 64 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen.

"Das ist der letzte Weckruf für alle. Dieser Trend muss sich schnell ändern, um den europäischen Fußball zu schützen", sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino bei der Präsentation des Berichts. Der Trend, von dem der Italiener spricht, ist die Tatsache, dass die Verluste seit 2006 in jedem Jahr größer wurden. Zwischen 2008 und 2010 nahmen sie gar um eine Milliarde Euro zu.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat die Uefa ihr Finanzkontroll-Programm Financial Fairplay entwickelt. Die aktuell laufende Saison ist die erste, in der das Programm zur Anwendung kommt, in dieser und der kommenden Saison dürfen die Klubs insgesamt jeweils nicht mehr als 45 Millionen Euro Verlust machen. Die Zahlen werden dann für die Lizenzierung der Saison 2013/14 verwendet.

Die Klubs reagieren bereits

Nachdem eine Gehaltsobergrenze, wie sie etwa die nordamerikanischen Profiligen haben, in Europa nicht praktikabel wäre, hat sich die Uefa dazu entschieden, die Kostenspirale mit einer Obergrenze für die Verluste in den Griff bekommen zu wollen, erklärte Andrea Traverso, der Lizenzierungschef des Verbandes.

Erstmals wurden bei der Präsentation des Berichtes auch konkrete Sanktionen für jene Klubs genannt, die die Financial-Fairplay-Regeln nicht einhalten. Wirklich schlauer ist man nach dieser Ankündigung aber nicht, enthalten die möglichen Strafen doch einen ganzen Gemüsegarten an Sanktionen: Begonnen von Ermahnungen über Geldstrafen, Punktabzüge, ein Verbot, gewisse Spieler aufzustellen, bis zu einem Ausschluss aus Uefa-Bewerben ist alles möglich. Der Verband ist allerdings fest entschlossen, seine Sanktionen auch durchzusetzen. "Das System wird nicht sehr glaubwürdig sein, wenn ein Klub, der die Regeln bricht, nicht effektiv bestraft wird", sagt Alasdair Bell, Chefjurist der Uefa.

Ob die Uefa aber tatsächlich ihre Aushängeschilder mit den härtest möglichen Sanktionen bestrafen wird, bleibt abzuwarten. So hat etwa allein Manchester City, im Besitz eines Scheichs aus Abu Dhabi, in der vergangenen Saison einen Verlust von etwa 235 Millionen Euro gemacht. Auch Chelsea, der Klub des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, schrieb in der vergangenen Saison ein Minus von 93 Millionen Euro. Im Sinne des Financial-Fairplay-Programms wären das schwere Verstöße gegen Uefa-
Regularien.

Doch dass auch die Klubs die neuen Regeln ernst nehmen, sieht man auch an der gerade laufenden Transferperiode: Transfers mit spektakulären Ablösesummen blieben bisher die Ausnahme. Das Abkühlen des Transfermarktes könnte sich aber auch negativ auswirken, allerdings nicht für die ganz Großen. Doch den mittelgroßen Klubs brechen Einnahmen weg, die mancherorts zum halbwegs ausgeglichenen Bilanzieren dringend notwendig sind.