Lausanne. Langsam, sehr langsam, kehrt Jan Ullrich wieder in die Öffentlichkeit zurück, aus der er sich mit einem Mal verabschiedet hatte und auch verabschieden musste. Er war einer der Heroen der deutschen Sportgeschichte, ein moderner Herakles, der das Unglaubliche geschafft und als erster Deutscher die Tour de France gewonnen hat. Er war ganz oben, im Olymp, und stürzte urplötzlich herab, als der Dopingskandal um den Arzt Eufemiano Fuentes im Jahr 2006 aufflog.

Ullrich musste sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zum einen wegen der Ablehnung, die ihm entgegengebracht wurde, zum anderen wegen des Drucks, da alle von ihm ein Geständnis forderten. Ehemalige Teamkollegen hatten das Schweigen gebrochen, ein früherer Masseur hatte ausgepackt, nur Ullrich selbst hat nie geredet. "Ich habe sehr viel leiden müssen, bis hin zum Burnout", sagt er heute. Und: "Ich hätte früher etwas sagen sollen."

Seit ein paar Monaten zeigt sich der mittlerweile 38-Jährige wieder gelegentlich in der Öffentlichkeit, so hatte er sich am Mittwoch bei einem Sponsortermin in Bielefeld präsentiert. Jan Ullrich ist das neue Testimonial für den "Cycling Day" des Kosmetikkonzerns Alpecin, der sein Shampoo mit dem Slogan "Doping für die Haare" bewirbt.

Zwei Jahre Sperre
Vermutlich hat das Unternehmen nicht gewusst, dass der Sportgerichtshof tags darauf sein Urteil in der Causa Ullrich fällen wollte. Seit sechs Jahren laufen diverse Verfahren. Der ganze Fall zog sich aufgrund von komplexen Zuständigkeiten immer weiter in die Länge, dazu kam, dass es ein reiner Indizienprozess war. Doch nun ist es offiziell: Jan Ullrich ist des Dopings für schuldig gesprochen worden. Der CAS sieht seine Verwicklung in die Fuentes-Affäre als erwiesen an, er soll 80.000 Euro an den Arzt bezahlt und ihn mehrfach besucht haben. Blutbeutel mit seiner DNA waren bei Fuentes sichergestellt worden. Ullrich wurde rückwirkend mit August 2011 für zwei Jahre gesperrt und alle Ergebnisse seit 2005 annulliert, darunter ein dritter Platz bei der Tour de France.

Die Fakten sind seit vielen Jahren bekannt. In der Öffentlichkeit war Ullrich deshalb schon vor dieser Entscheidung als Dopingsünder abgeurteilt worden, die Beweiskette sprach zu eindeutig gegen ihn. In dem Verfahren vor dem CAS hat Ullrich die gegen ihn zusammengetragenen Indizien auch nie zu bekämpfen versucht, seine Verteidigungslinie richtete sich immer nur gegen formale Fehler in dem Verfahren.

Warten auf Erklärung
"Das CAS-Urteil war ja nicht so spannend. Interessanter wird, wie sich Jan dazu äußert. Er wird wissen, was er sagen kann", erklärte Rolf Aldag, der bis zum Ende des Jahres als Teamchef bei HTC Highroad gearbeitet hatte. Ullrichs Management hat eine Stellungnahme für Donnerstagabend oder Freitag angekündigt.