"Wiener Zeitung" (sir): Sie haben im Vorjahr mit Interviews für Aufsehen gesorgt, als sie öffentlich über Spielmanipulationen im serbischen Fußball gesprochen haben. Wie waren die Reaktionen?

Boban Dmitrovic: Ich habe vom Verband eine sechsmonatige, bedingte Sperre bekommen. Eigentlich darf ich nichts mehr sagen. Aber ich bin wirklich stolz auf mich, weil ich der Erste war, der etwas gesagt hat. Auf der Straße haben mir Leute applaudiert, auch Spieler, die nichts sagen können.

Haben die Spieler Angst?

Ja. Es sind junge Spieler, wenn sie den Mund aufmachen, sind sie weg vom Fußball. Ich bin schon fast 40 Jahre alt und spiele nur noch zum Spaß, für mich ist es leicht, etwas zu sagen.

Warum reagiert der Verband nicht, warum ermittelt er nicht?

Es sind viele Politiker im Fußball drin, sie wollen gegen diese Dinge nicht kämpfen. Ich und andere Spieler haben jetzt etwas gesagt, aber die Reaktion vom Verband war: Warum seid ihr nicht früher gekommen?

Also: warum?

Die Spieler haben Familie, an die sie denken. Im Fußball war früher auch die Mafia drin. Wer weiß, vielleicht passiert etwas. In Serbien gibt es auch erst seit einem Jahr eine Fußballer-Gewerkschaft. Es gab keine Stelle, an die man sich wenden konnte. Wenn es Probleme mit Verträgen gab, hattest du keine Chance.

Ein ehemaliger Kollege von ihnen, Dragisa Pejovic, hat berichtet, körperlich attackiert worden zu sein von einem Klubdirektor.

Ich war dabei, als er in der Dusche vom Sportdirektor angegriffen wurde. Ich habe in Österreich auch eine Watsche von Ljupko Petrovic (Ex-GAK-Trainer, Anm.) bekommen, aber der war dann am nächsten Tag nicht mehr Trainer. Der Verein hat sofort reagiert.

Aber auch in Österreich ist es zu jener Zeit immer wieder vorgekommen, dass Spieler bei Vertragsstreitigkeiten vom Klub bestraft wurden.

In Serbien passiert das bei jedem 18-Jährigen. Wenn er nicht unterschreibt, trainiert er allein. Ein Spieler ist von seinem Verein aus der Wohnung geschmissen worden, weil er nicht unterschreiben wollte. Jetzt im Winter, bei minus 20 Grad.

Was hat sich verändert?

Wenn jetzt etwas vor das Fußballgericht kommt, bekommt der Spieler zu 95 Prozent das Problem in den Griff. Halb Europa steht hinter uns und auch die Fifpro. Und Serbien will in die EU. Also muss sich das Land bewegen. Auch in diesem Bereich.

Die Zuschauerzahlen in der serbischen Liga sind sehr niedrig, viele Spieler verlassen das Land. Ist das eine Folge der Situation hier?

Jeder Zuschauer ist Zeuge, was hier passiert. Ich habe viele Spiele bestritten, in denen du keine Chance hast, weil der Schiedsrichter etwas bekommen hat. In meinem ersten Jahr nach meiner Rückkehr nach Serbien habe ich nach manchen Spielen geweint. Dass viele junge Spieler gehen, ist logisch. Sie wollen alle besser leben, keinen schlechten Vertrag bekommen. Circa 70 Prozent der Spieler hier sind nicht einmal versichert. Wenn du dich verletzt, sagt der Verein auf Wiedersehen.

Sie sind 39 Jahre alt, was werden Sie in der Zukunft machen?

Ich habe die Uefa-A-Lizenz als Trainer. Die Ausbildung in Serbien ist sehr gut, und ich hoffe wirklich, dass ich in Österreich arbeiten kann. Diese neun Jahre in Österreich waren die besten meines Lebens. Österreich war mein Traum.