Denver. (art) Rekorde sind ja meist was für Statistik-Freaks und nicht immer von langem Haltbarkeitsdatum. Doch Jamie Moyers Name wird wohl länger nicht aus den Geschichtsbüchern gelöscht werden. Am Dienstag gewann er mit den Colorado Rockies mit 5:3 über die San Diego Padres, mit 49 Jahren und exakt 150 Tagen ist er damit der älteste Spieler, der je auf der Position des Pitchers einen Sieg in der Major League Baseball feiern konnte. Dabei war er die gesamte vergangene Saison wegen einer Schulterverletzung ausgefallen und schon das Ende seiner Karriere ausgerufen worden.

Doch Moyer wirft immer noch, und das ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Denn der achtfache Vater wirkt nicht nur wegen seiner ergrauten Haarsträhnen, die unter dem Kapperl hervorblitzen, wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Der Baseballsport hat sich verändert, seit er 1986 in der MLB debütierte - ganz zu schweigen vom letzten Sieg des legendären Pitchers Jack Quinn 1932, als dieser 49 Jahre und 70 Tage alt war -, er ist professioneller, schneller und physischer geworden und bevorzugt auf der Werfer-Position ebensolche Typen. Moyer ist weder groß noch bullig, und seine Wurfgeschwindigkeit kann mit den Besten nicht mithalten. Das konnte sie nie wirklich, doch Moyer hat andere Qualitäten perfektioniert, er wirft präzise und kontrolliert und bereitet sich wie kaum ein anderer auf die jeweiligen Gegner vor. Und Erfahrung hat er mittlerweile sowieso genug gesammelt.

Ausnahmeerscheinungen

Die lässt auch in anderen Sportarten in gesetzterem Alter bisweilen noch Spitzenleistungen zu, wenngleich die Athleten, die sich rund um die 50 auf höchstem Niveau messen, Ausnahmeerscheinungen sind. Zuletzt sorgte etwa der 52-jährige Golfer Fred Couples für Furore, als er beim Masters in Augusta nach zwei Runden in Führung lag, sich dann aber mit Platz zwölf begnügen musste. In Österreich war vor acht Jahren schon das kurzfristige Comeback des damals 47-jährigen Klaus Lindenberger im Tor des Zweitligisten Lask eine Sensationsmeldung. Thomas Musters Rückkehr ins Tennis-Profigeschäft mit Anfang 40 war auch nicht gerade von Erfolg gekrönt. Und als die deutsche Kanu-Ikone Birgit Fischer vor wenigen Wochen mit 50 Jahren noch einmal Olympia ansteuern wollte, wurde sie von Herz-Rhythmus-Problemen gestoppt.

Nur Jamie Mayor spielt noch immer - und denkt laut eigenen Angaben gar nicht einmal sonderlich viel über sein Alter ("Das würde bedeuten, dass mein Fokus auf den falschen Dingen liegen würde") oder einen Rücktritt nach. Zwar habe er das Familienleben im Vorjahr, als er erstmals nach einem Vierteljahrhundert mehr Zeit zu Hause verbrachte, genossen und freue sich irgendwie auf den Zeitpunkt, wenn er das auf Vollzeitbasis machen könne - "aber noch nicht jetzt", sagt er entschieden. "Baseball hilft mir einfach, mental und körperlich fit zu bleiben." Und da ist immer noch der Traum, einmal gegen einen seiner Söhne, deren ältester schon auf College-Niveau spielt, antreten zu können. Es wäre der nächste Meilenstein in einer außergewöhnlichen Karriere. Und für Jamie Moyer vielleicht bedeutender als sein jetziger Rekord.