"Wiener Zeitung": Der österreichische Sport ist nicht gerade ein leuchtendes Beispiel beim derzeit heftig diskutierten Thema Transparenz. Durch das neue Sportfördergesetz soll sich das ändern. Was wird konkret passieren?

Peter Wittmann: Ich erwarte mir, dass die Verwaltung vereinfacht wird; dass es machbarer wird, an Förderungen heranzukommen. Das jetzige System ist so kompliziert, dass das alleine schon schwierig ist. Zum zweiten bin ich ein Verfechter einer Transparenz-Datenbank, damit jeder sehen kann, wer welche Förderungen bekommt. Wir haben intern schon so etwas aufgebaut. Ob die dann benützt oder erweitert wird, oder ob nur die Vorarbeiten herangezogen werden, wird man ebenso sehen, wie von welcher Stelle sie verwaltet wird.

Interne Kontrollmechanismen greifen oft nicht. Im Gespräch ist daher eine externe, professionelle Kontrolle. Wie stehen Sie dazu?

Wir sind für alles offen, auch für externe Wirtschaftprüfungen. Man muss halt nur berücksichtigen, dass das viel teurer ist, und dann abwägen.

Der Rechnungshof hat zuletzt zum wiederholten Mal die Zusammenlegung der allgemeinen mit der besonderen Sportförderung gefordert, um das System zu entwirren. Ist das ein Thema?

Dazu gibt es von uns ein klares Nein. Denn das würde bedeuten, dass man den Staatssport einführt. Die Besonderheit des Sports, dass er über alle politischen Änderungen hinweg bestehen kann - einerseits in der Breite, andererseits, dass die Spitze nicht unter die Räder gekommen ist - ist ja, dass er nicht von jeweiligen Minister abhängig ist.

Trotzdem wird traditionell mit den verschiedenen Fördertöpfen auch viel Polit-PR gemacht . . .

Natürlich. Jeder will doch der sein, der sagen kann, ich bin der, der dem Sport das Geld gibt. Ich bin ja auch einmal auf der anderen Seite gestanden. Aber in anderen Ländern, die nicht dieses duale System wie wir haben, ist es viel schlimmer. Wir haben die Autonomie des Sports, durch die vieles geregelt ist.

An dem neuen Gesetz wird schon seit Jahren gebastelt. Jetzt tritt es frühestens 2013 in Kraft. Warum diese Verzögerung?

Da muss man den Minister (Norbert Darabos; Anm.) fragen. Die Vorlage muss vom Ministerium kommen. Wir haben einen Diskussionsprozess gehabt, jeden Verband dazugeholt, jeder hat Ideen eingebracht. Ich habe das ans Ministerium weitergeleitet. Warum sich noch nichts getan hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Es gibt Stimmen, die behaupten, unter anderem Sie wie auch Peter Haubner (Präsident der Sportunion und ÖVP-Mandatar; Anm.) würden das Gesetz blockieren, um nicht Einfluss abgeben zu müssen . . .

Da sieht man, dass diese Leute keine Ahnung haben. Wie sollen wir ein Gesetz verhindern? Das ist wie bei jedem Gesetz: Eingebracht wird’s vom Minister, dann geht’s in den Ministerrat, und dann kommt es ins Parlament.

. . . in dem unter anderem Sie und Haubner sitzen . . .

Ja, aber wir haben unsere Hausaufgaben vor einem Jahr fertig gehabt und unsere Vorschläge weitergegeben. Es gibt keinen Grund, warum wir verhindern sollten, dass der Prozess weitergeht. Es hängt nicht von uns ab, wann der Minister seinen Entwurf herausgibt. Das hätte er vor einem Jahr oder vor zwei auch schon machen können.

Es besteht oft der Eindruck eines Gegeneinanders zwischen Dach- und Fachverbänden, zwischen Breiten- und Spitzensport. Verlangsamt das nicht gewisse Prozesse?

Ich habe in den internen Gesprächen nicht den Eindruck. Momentan ist eher ein Miteinander festzustellen, allein schon um die Autonomie beizubehalten. Es ist allen ein Anliegen, unabhängig von den politischen Entscheidungsträgern zu bleiben. Wir sitzen ja im selben Boot gegenüber dem Ministerium.

Von Seiten der Fachverbände gibt es sehr wohl die Kritik, dass zu wenig Geld dorthin kommt, wo es benötigt wird und zu viel versickert. Muss sich da nicht etwas ändern?

Dazu muss man einerseits sagen, dass wir das Geld, das dem Sport garantiert wird, auf 80 Millionen Euro verdoppelt haben. Die Verbände müssen auch selbst schauen, dass sie die eigenen Strukturen so anpassen, dass es auch dem Sport zugute kommt. Es ist leicht zu sagen, es soll mehr sein. Aber das ist zu wenig. Auf der anderen Seite beneiden uns viele Länder darum, dass wir sowohl Spitzensport- als auch Breitensportförderung haben. In vielen Ländern bleibt der Breitensport auf der Strecke. Dadurch wird es auch für jeden einzelnen teurer, Sport zu betreiben. Und das aktive Älterwerden ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Deshalb ist es enorm wichtig, ein adäquates Angebot für jedes Alter anbieten zu können. Das kommt wieder dem Gesundheitswesen zugute.

Die Situation für den Spitzensport wird allerdings immer schwieriger. Aus Vermarktung, TV- und Ticketeinnahmen ist in vielen Sportarten wenig Geld zu holen, immer mehr Sponsoren, vor allem staatlich subventionierte Unternehmen, die bisher große Förderer des Sports waren, ziehen sich - auch durch die Anti-Korruptionsgesetze - zurück. Woher soll dann noch das Geld kommen, wenn nicht durch effizientere Förderung?

Das ist ein allgemeines Problem. Es sind ja nicht nur die staatlich unterstützten Unternehmen, es ist auch der kleine Baumeister im Ort, der kein Geld mehr hergeben kann. Das Zurückziehen dieser kleinen, regionalen Sponsoren trifft den Sport besonders hart.