Warschau. Nicklas Bendtner wird nicht über den finanziellen Erfolg oder Misserfolg dieser Europameisterschaft entscheiden. Mit den 100.000 Euro Strafe, die ihm die Uefa für illegale Werbung auf seinem Unterhosenbund aufgebrummt hat, wird er allerdings im Spitzenfeld der Strafzahler dieser Europameisterschaft liegen.

Der russische Verband etwa musste quasi als Kollektivtäter für das Fehlverhalten seiner Fans im Auftaktspiel gegen Griechenland 120.000 Euro bezahlen. Auch wenn die Frage nach der Verantwortlichkeit für die jeweiligen Verfehlungen außen vor bleibt, hat es Bendtner, der laut eigenem Bekunden unwissentlich für das Wettunternehmen eines Freundes warb, angesichts im Fußballgeschäft üblicher Strafen besonders hart erwischt, kein Wunder, dass der dänische Stürmer gegen das Urteil berufen will.

Doch Bendtner hat die Uefa quasi in ihren Grundfesten attackiert. Wird das Werbe- und Verkaufsmonopol des Fußballverbandes umgangen, sieht sich die Uefa in letzter Konsequenz in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Da versteht der europäische Fußballverband keinen Spaß. Und das musste Bendtner nun spüren.

Denn die EM hat nicht zuletzt den Zweck, den aufwendigen Betrieb der Uefa für die kommenden vier Jahre sicherzustellen, und dazu tragen Sponsoraufwendungen und Vermarktungsrechte einen entscheidenden Teil bei. Zwar sind die absurden Wachstumsraten vorerst vorbei - für die Euro 2012 rechnet die Uefa mit 1,345 Milliarden Euro Einnahmen, das wären 6 Millionen Euro weniger als 2008 - doch einerseits ist die wirtschaftliche Situation in den beiden Veranstalterländern auch für die Uefa nicht einfach, und andererseits sind die Zuwachsraten (die Einnahmen stiegen von der EM 2000 zur EM 2004 fast um das Vierfache und von 2004 bis 2008 noch einmal um die Hälfte) auf diesem Niveau nicht mehr beizubehalten.

David Taylor, der Geschäftsführer der Uefa Events, ist dennoch überzeugt, dass die Entscheidung, nach Osteuropa zu gehen, die richtige war: "Zu Beginn waren wir nicht sicher, wie unsere Sponsoren darauf reagieren würden, aber die Reaktion war positiv." Dabei sind die EM-Jahre traditionell für die Uefa die ertragreichsten, in den drei darauffolgenden Jahren lebt der Verband auch von diesen Turnieren, auch wenn er sich in den vergangenen zwanzig Jahren mit der Champions League ein zweites einträgliches Standbein geschaffen hat. Wie das Blog "The Swiss Ramble", das die Uefa-Geschäftsberichte der vergangenen Jahre durchleuchtet hat, berichtet, machte die Uefa bei Einnahmen von jährlich gut 1,3 Milliarden Euro zuletzt zwar leichte Verluste, die sind aufgrund hoher Rücklagen, insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro, allerdings kein Problem.

Profit für die Teilnehmer

Die Einnahmen werden auf jene verteilt, von denen die Uefa profitiert, in erster Linie die Vereine sowie Nationalmannschaften, und auf jene, denen die Uefa praktisch gehört, ihren Mitgliedsverbänden. Dabei kommt die Champions League stärker den teilnehmenden Vereinen zugute. Fast 80 Prozent der Einnahmen in der Höhe von mehr als 1,1 Milliarden Euro fließen zurück in die teilnehmenden Klubs. Bei der Europameisterschaft sind die Prämien wesentlich bescheidener, in diesem Sommer werden an die teilnehmenden Verbände insgesamt 196 Millionen Euro ausgeschüttet. Der Rest der Einnahmen kommt über Solidaritätszahlungen allerdings wieder den Verbänden zugute, dazu ist eine Teilnahme an der EM aber nicht notwendig.

Bei der Ausrichtung des Turnieres lässt sich die Uefa aber stets kräftig von den ausrichtenden Ländern unter die Arme greifen. So wendete die Uefa 2008 nicht einmal ein Fünftel der Einnahmen für die tatsächliche Turnierorganisation auf. Doch immerhin holten sich die Schweiz und Österreich einen kleinen Teil der Kosten über Steuereinnahmen wieder zurück. In der Schweiz brachten etwa allein die Prämien an die Spieler 3,6 Millionen Euro an Steuern ein, für Österreich gibt es dazu keine Zahlen. Polen und der Ukraine wird aus diesen Posten nichts bleiben. Die Uefa verlangte von den Veranstaltern einen Verzicht auf Steuern auf die Prämien und die Einkommen der Uefa-Mitarbeiter. "Das war schon in den Anforderungen für die Kandidatur enthalten", sagt Malgorzata Brzoza, Sprecherin des polnischen Finanzministeriums.

Veranstalter investieren

Dabei hat Polen anlässlich des Turnieres rund 20 Milliarden Euro und die Ukraine noch einmal 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert. Das habe die Wettbewerbsfähigkeit der Länder gesteigert, was "mehr ausländische Direktinvestitionen ins Land bringen könnte", erklärt Birgit Niessner, Chefanalystin bei der Erste Bank. "Ohne diesen Sportevent wären die Investitionen wohl nicht getätigt worden", schreibt Niessner in einer Aussendung. Allerdings profitieren von den Investitionen zunächst auch viele west- und mitteleuropäische Konzerne. So baute die österreichische Baufirma Alpine in Polen drei Stadien, die Strabag war im Autobahnbau tätig, und auch deutsche Baufirmen bekamen lukrative Aufträge.

Darum braucht sich die Uefa freilich nicht kümmern, sie wird schon bald weiterziehen und sich auf die Suche nach neuen Einnahmequellen machen. So wird die nächste Europameisterschaft 2016 in Frankreich erstmals mit 24 Mannschaften ausgetragen. Da hofft die Uefa auf die simple Gleichung "mehr Spiele, mehr Einnahmen". Eine zusätzliche Einnahmenquelle hat sich der Verband erst kürzlich erschlossen, die TV-Vermarktung der europäischen Qualifikationsspiele zur Welt- und Europameisterschaft werden ab 2014 zentral vermarktet. Auf diesem Weg hofft die Uefa, die Einnahmen fast verdoppeln zu können.

Dagegen ist der zweite Klubbewerb der Uefa, die Europa League, trotz einer Unmenge an Teilnehmern und Spielen für den Verband noch ein Zuschussgeschäft. Deshalb wird über die Zukunft des Bewerbs bereits diskutiert, auf Dauer soll jedenfalls auch dieser Bewerb oder sein Nachfolger Geld abwerfen. Um die Finanzen der Uefa wird man sich also keine Sorgen machen müssen. Selbst wenn Nicklas Bendtner mit der Berufung gegen seine Strafe erfolgreich ist.