Wien. Zwischen den Themen Warschau, Platini, Iniesta, Löw und Ibrahomivic hat sich in der Vorwoche eine kleine Meldung versteckt: Die Landesverbände des ÖFB haben der Bundesliga ein Papier zu einer Liga-Reform präsentiert, in dem der Wunsch einer Vergrößerung der Ersten Liga von 10 auf 16 Teams enthalten ist.

Erstens könnten dann die Regionalligameister aufsteigen und müssten nicht Relegation spielen, und zweitens hätten so die Absolventen der Nachwuchsakademien bessere Jobchancen. Mehr Vereine ist gleich mehr Arbeitsplätze.

Die Euro ist noch gar nicht vorbei, das Papier noch nicht einmal diskutiert worden, da taucht eine neue Meldung auf: Erstligist FC Lustenau ist mit den Gehältern im Rückstand, die Spielergewerkschaft wurde eingeschaltet.

Eine solche Meldung gebiert eine Reihe von Fragen: Wieso kann ein Klub im April die Lizenz erhalten, wenn er die Gehälter aus diesem Monat nicht bezahlen kann? Warum fällt der Liga ein Liquiditätsengpass nicht auf, obwohl der Klub monatlich seine Liquidität der Liga vorweisen muss? Und warum hat der Lask keine Lizenz bekommen, obwohl dort die Spieler nicht monatelang auf ein Gehalt warten mussten?

Laut Lustenau-Klubchef Dieter Sperger ist der Engpass überwunden. Da lange unklar war, ob der FCL den Klassenerhalt schafft, wurden Sponsorverträge noch nicht abgeschlossen und VIP-Packages für die kommende Saison nicht verkauft - der Geldfluss kam zum Erliegen. Auch die Vienna hatte im Frühjahr einen Engpass, da ein Sponsor zu spät bezahlte. Es zeigt, wie knapp Fußballvereine in Österreich kalkulieren, wie schnell die Liquidität versiegt. "Das ist Alltag, die Budgets sind extrem eng", sagt Vienna-Manager Lorenz Kirchschlager.

Auch Sperger verweist auf die "Margen, die sehr eng" seien. Wenn alles normal läuft, geht es sich irgendwie aus, wenn nicht, wird’s problematisch. Auf solch wackeligen Beinen steht der Profifußball hierzulande. "Deshalb ist die Frage auch berechtigt, ob er auf lange Sicht zu finanzieren ist", sagt Sperger.

Blamage und Argument


Für die Bundesliga sind die finanziellen Probleme von Lustenau gleichzeitig Peinlichkeit und Segen. Einerseits ist die Sinnhaftigkeit des Lizenzverfahrens in Frage gestellt, andererseits hat die Liga nun ein gutes Argument, dem ÖFB auf seine Erweiterungsideen zu antworten: Wenn schon bei 20 Profiklubs in Österreich solche Probleme auftauchen, wie soll es denn bei 26 sein? Für Kirchschlager wäre eine Aufstockung schlicht "wahnwitzig", wie er sagt. "Eigentlich sind 20 Vereine schon zu viel."

Eine Reduktion der Profivereine würde fast zwangsläufig zu nur noch einer, größeren Bundesliga und einer semiprofessionellen zweiten Liga führen. Oder man überlegt andere Formate wie eine geschlossene Liga nach US-amerikanischem Vorbild oder Maßnahmen wie Gehaltsobergrenzen. Doch diese Varianten sind kaum mehrheitsfähig und werden nicht einmal diskutiert.

"Eine Aufstockung wäre wirtschaftlich unverantwortlich", sagt Rudolf Novotny von der Spielergewerkschaft. Bei einer Aufstockung würde man junge Spieler in Jobs hineinlocken, denen das wirtschaftliche Fundament fehle. "Ich habe noch keinen 19-Jährigen getroffen, der die Chance, Profifußballer zu werden, nicht ergreift. Mit 19 wollen es die Spieler wissen."

Die Regulative der Ersten Liga helfen diesen Spielern auch, bei jedem Match müssen zumindest vier U21-Kicker auf dem Spielbericht stehen. Doch kaum sind sie 22, wird es für sie weit schwerer, einen Kaderplatz zu ergattern. Es sind jene Spieler, die sich dann bei der Gewerkschaft als arbeitslos gewordene Profis melden.

Mit 19 träumen viele noch davon, selbst einmal zwischen Platini, Iniesta und Löw zum Thema zu werden. Vielleicht schafft es ja auch einer von ihnen tatsächlich. Einer. Für alle anderen ist selbst das Profitum in Österreichs zweiter Liga eher eine Illusion.