Oakland. Es ist noch nicht lange her, da waren die Oakland Athletics in aller Munde - oder zumindest auf so ziemlich allen Kinoleinwänden. Die Geschichte über die schwierigen Anfänge des 21. Jahrhunderts, als ein gewisser Billy Beane das strauchelnde Team, das in den Siebzigerjahren noch eine führende Rolle in der Major League Baseball MLB eingenommen hatte, als General Manager übernahm und mittels revolutionären Spielerselektionsverfahrens trotz budgetärer Unterlegenheit wieder auf Vordermann brachte, begeisterte die Kinozuschauer auch jenseits des baseballverrückten Amerikas - und brachte Brad Pitt eine Oscar-Nominierung ein.

Und heuer könnte es eigentlich wieder so eine hollywoodeske Saison für die Athletics werden: Da war zuerst das Drama um Pitcher McCarthy, der während eines Spiels einen Schädelbruch erlitten hatte, mittlerweile aber wieder wohlauf ist, dann die unerwarteten sportlichen Erfolge, die den Athletics einen Play-off-Platz in Aussicht stellen. Zumindest sportlich läuft es also für das Team, das nach wie vor mit finanziellen Problemen kämpft, diese aber durch den Einsatz von jungen Spielern zu kompensieren gelernt hat. Doch ein Machtkampf im Hintergrund sorgt für Verunsicherung und dürfte nun vor seiner Eskalation stehen. Seit Jahren hegt Klub-Eigner Lew Wolff Abwanderungsgelüste, er will das Team lieber gestern als heute ins wohlhabendere San José übersiedeln.

Neues Stadion benötigt

Da die in San Francisco ansässigen Giants aber dagegen sind, weil sie Konkurrenz in ihrem Einzugsgebiet fürchten, liegt die Entscheidung bei Liga-Präsident Bud Selig. Und der hatte bisher in der Entscheidungsfindung keine Eile. Seit dreieinhalb Jahren schwelt der Konflikt bereits, dieser Tage berichteten US-Medien, bis Ende des Jahres könnte eine Kompromisslösung gefunden werden. Wolff vermutet eine Hinhaltetaktik - und hat bereits angekündigt, das Team zu verkaufen, sollte dem Deal nicht in Kürze stattgegeben werden.

Für Oakland, dem bald auch der Verlust der Basketballer der Golden State Warriors droht, ist die Situation alles andere als zufriedenstellend. Schließlich will sich jede größere Stadt in den USA, die etwas auf sich hält, seiner Sportteams rühmen - das schafft Arbeitsplätze und eine Identifikationsplattform für die Bewohner, und es kurbelt die lokale Wirtschaft an. Und um die steht es in Oakland ohnehin nicht zum Besten. Also wurde eine private Initiative "Save Oakland Sports" ins Leben gerufen, die auch unter dem sinnstiftenden Akronym "S.O.S" firmiert, und Bürgermeisterin Jean Quan war zuletzt mit Werbeauftritten für die Sportteams beschäftigt. Es sollen private Unterstützer gefunden werden, die in ein neues Stadion investieren. Denn die Athletics teilen sich eine Spielstätte mit den Footballern der Raiders, die in den Neunzigern aus Los Angeles hergelockt wurden. "Es gibt keinen besseren Ort für ein neues Stadion", sagt Quan. Doch ob das jemals errichtet wird, ist mangels potenter Geldgeber fraglich. Außer, die Geschichte der Oakland Athletics nimmt wieder einmal eine hollywoodmäßige Wendung.