Der Dopingskandal färbt auch auf die Krebsstiftung von Lance Armstrong, "Livestrong", ab. Seinem Lebenswerk droht Schaden. - © EPA
Der Dopingskandal färbt auch auf die Krebsstiftung von Lance Armstrong, "Livestrong", ab. Seinem Lebenswerk droht Schaden. - © EPA

Wien. (may) "Mach es endlich. Gestehe." So wie die "Denver Post" in einem Kommentar fordern immer mehr Kollegen den gefeierten und später gefallenen Radstar Lance Armstrong auf, reinen Tisch zu machen. Tyler Hamilton, einst Freund und Gefährte des siebenfachen Tour-de-France-Siegers, nunmehr wichtiger Zeuge der US-Anti-Doping-Agentur (Usada), rechnet auch früher oder später mit einem Doping-Bekenntnis Armstrongs. "Ich wäre überrascht, wenn er nicht auf irgendeine Art eines Tages gestehen wird. Weiter zu leugnen, ist eine schwere, schwere Last." Und irgendwann würden ihm die Menschen sicher vergeben, meint der frühere Radprofi, der selbst des Dopings überführt worden war.

Ins selbe Horn stößt IOC-Vizepräsident Thomas Bach: "Es wäre gut für den Sport und ihn selbst, wenn Armstrong damit aufhört, den Kopf in den Sand zu stecken und mit einer umfassenden und offenen Aussage reinen Tisch macht. Es ist spät, aber nicht zu spät - es wäre ein Reinigungsprozess." Auch Bach verfolgt die aktuellen Geschehnisse um den 41-jährigen Texaner mit höchstem Interesse, da die Aberkennung der Olympia-Zeitfahrbronzemedaille aus dem Jahr 2000 droht.

Diese Entscheidung, sowie jene über die Aberkennung aller Tour-Titel von 1999 bis 2005, obliegt nun dem Radsport-Weltverband UCI, der allerdings in dem Bericht der Usada selbst schwer belastet wird. Obwohl die obligate Verjährungsfrist von acht Jahren für Dopingvergehen schon überschritten ist, sei eine Annullierung der Titel sowie der Medaille dennoch denkbar, erklärt der Jurist Bach. Mit Spannung wird jedenfalls die Entscheidung der UCI erwartet, die spätestens bis Monatsende erfolgen muss.

Allerdings muss sich Armstrong ein etwaiges Geständnis insofern gut überlegen, als ihm im schlimmsten Fall damit eine Haftstrafe droht: Armstrong hat nämlich im Jahr 2006 in einem Verfahren Doping unter Eid geleugnet. Damit könnte der Texaner einen Meineid begangen haben - und wie die ehemalige US-Sprinterin Marion Jones hinter Gittern landen. Die dreifache Goldmedaillen-Gewinnerin von Sydney hatte ja eine sechsmonatige Gefängnisstrafe ausgefasst.

Lebenswerk droht Schaden


Indes kommt Armstrong auch wirtschaftlich immer mehr unter die Räder: Nach seinem Hauptsponsor Nike, der sich "seit mehr als einem Jahrzehnt" getäuscht sieht, sprangen binnen kurzer Zeit mit der Brauerei Anheuser-Busch, dem Fahrradbauer Trek sowie der Fitnessstudio-Kette 24 Hour Fitness weitere prominente Firmen ab. Auch die Energy-Drink-Marke FRS sowie Honey Stinger, ein Produzent von Energie- und Fruchtriegeln, sollen entschieden haben, ihre Zusammenarbeit mit der gestürzten Rad-Ikone zu beenden. Und auch der weltbekannte Sonnenbrillenhersteller Oakley überprüft derzeit seinen Sponsorenvertrag mit dem 41-Jährigen. Unter diesem massiven Druck hat Armstrong, wie berichtet, am Mittwoch den Vorsitz seiner Krebsstiftung zurückgelegt, um "mögliche Schäden von der Organisation fernzuhalten", wie er in einem Statement erklärte. Wiewohl namhafte Sponsoren der Armstrong-Stiftung "Live-strong", die seit 1997 fast 500Millionen Dollar zur Unterstützung von Krebskranken gesammelt hat, weiterhin die Stange halten, droht auch diese im Windschatten des Dopingskandals Schaden zu nehmen.

Damit ist plötzlich auch Armstrongs Lebenswerk in Gefahr. Kommendes Wochenende soll die "Lance-Armstrong-Foundation" in einem großen Festakt ihr 15-jähriges Bestehen feiern - vielleicht eine gute Gelegenheit, über die Wahrheit zu sprechen.