Wien. (art) Manch einer im Saal wird seinen Ohren nicht getraut haben. Als Michel Platini, Präsident des europäischen Fußball-Verbandes Uefa, am Vorabend des EM-Finales in Kiew im Sommer über eine neuartige Idee schwadronierte, man könne doch eine Endrunde auch über ganz Europa verstreut abhalten, schwankten die Reaktionen zwischen Überraschung und Kopfschütteln.

"Ich könnte mir eine EM in ganz Europa vorstellen, man könnte in 12 oder 13 Städten in ganz Europa spielen", sagte er damals. Es war eine Vision, die kaum jemand ernst nahm. Doch eine solche steht ja meist am Beginn großer Pläne. Und große Pläne hat Platini ganz offensichtlich. Denn seit damals ließ ihn der Gedanke einer europaweiten EM offenbar nicht mehr los, in den kommenden Wochen will er den nationalen Verbänden die Details präsentieren. Bisher ist lediglich durchgesickert, dass die sechs Vierergruppen jeweils auf zwei Austragungsstätten aufgeteilt werden sollen. Die Gruppenspiele würden demnach in jenen Ländern stattfinden, die die beiden Topmannschaften der jeweiligen Gruppen stellen. Halbfinale und Finale würden in Istanbul stattfinden, weil sich die Türkei nach der nur knapp gescheiterten Bewerbung für 2016 bisher in der Pole Position für die EM vier Jahre darauf befunden hatte.

ÖFB unentschlossen


Bleibt es bei diesen Plänen, wären auch Spiele in Österreich wegen der schlechten Weltranglistenplatzierung kein Thema, in Frage käme ohnehin nur Wien. Ob man sich dennoch als Ersatzort bewerben werde, lässt der ÖFB noch offen. "Unsere Möglichkeiten sind limitiert, wir haben dazu noch keine wirkliche Meinung", sagt ÖFB-Präsident Leo Windtner. "Erst müssen wir die Pläne näher kennen, bis dahin ist alles nur Orakeln."

Doch das könnte sich schnell ändern. Schon Anfang Dezember soll das Exekutivkomitee der Uefa über den Vorschlag abstimmen. Platini ist sich offenbar schon ziemlich sicher: "Mein Gefühl sagt mir, dass wir eine große Mehrheit haben werden", sagt er zur "Bild"-Zeitung. Der Zweck des Projekts sei klar: "Wir wollen die EM zu den Menschen bringen, nicht die Menschen zur EM."

Das ist freilich ein schönes Argument, doch ganz so altruistisch angelegt ist der Plan auch wieder nicht. Schließlich stehen dahinter ganz konkrete Probleme: Weil Platini - vor allem, um die kleineren Länder zufriedenzustellen, die ihm bei seiner Wahl wertvolle Stimmen eingebracht haben - für die Endrunden ab 2016 in Frankreich eine Aufstockung von 16 auf 24 Teams durchsetzte, wird der Aufwand für die Ausrichter künftig noch größer. Das wiederum hat zum Resultat, dass sich bald nur noch ganz wenige Staaten Europameisterschaften mit all ihren Erfordernissen wie infrastrukturellen und logistischen Maßnahmen leisten können. Drei Spiele allerdings, die nur ein Stadion benötigen, sind leicht zu heben. "Das wäre eine wunderbare Sache", meint Platini. Es war ja auch seine Vision.