Wien. (apa/art) Kurzfristig rauchten die Köpfe. In den Hauptquartieren von Ferrari, Red Bull und des Weltautomobilverbandes FIA war am Donnerstagvormittag Alarmbereitschaft angesagt.

Nachdem englische und italienische Medien berichtet hatten, dass im Internet Videos vom letzten Saison-Grand-Prix aufgetaucht waren, die Sebastian Vettel bei einem angeblich verbotenen Überholmanöver während einer Gelb-Phase zeigten, verlangte Ferrari eine Prüfung der Bilder.

Denn das Überholen während einer Gelb-Phase wird mit einer Durchfahrtsstrafe oder nachträglich mit einer 20-Sekundenstrafe geahndet. Diese 20 Sekunden mehr hätten bedeutet, dass der deutsche Red-Bull-Pilot am Ende nicht Sechster, sondern Achter geworden wäre. Und somit wäre er auch nicht Weltmeister, sondern um einen Punkt vom spanischen Ferrari-Fahrer Fernando Alonso abgehängt worden. Hätte und wäre - seit Gerhard Bergers Zeiten im allgemeinen Sprachgebrauch der Formel 1.

Denn der Rauch verzog sich noch am selben Tag. Zwar forderte die Scuderia die FIA zu einer Überprüfung auf, doch ein Protest, der formal bis Freitag eingereicht werden kann, ist unwahrscheinlich - dass einem solchen stattgegeben würde, noch unwahrscheinlicher. Denn auf anderen Videos ist ersichtlich, dass die Ampel bei dem inkriminierten Manöver in der vierten Runde, als sich Vettel am Franzosen Jean-Éric Vergne vorbeischob, zwar tatsächlich noch auf Gelb stand, ein Streckenposten aber schon die grüne Flagge schwenkte. "Wenn die Ampeln nicht an den Flaggenposten installiert sind, dann gilt für den Fahrer das erste Signal, das gezeigt wird. Wird also eine gelbe Flagge geschwenkt und etwas später blinkt die Ampel gelb, dann beginnt das Überholverbot bereits bei der Flagge. Umgekehrt gilt das auch für grünes Licht", erklärte Formel-1-Rennchef Charlie Whiting gegenüber dem Fachmagazin "auto, motor und sport". Vettel habe auf die grüne Flagge reagiert und damit "alles richtig gemacht", so Whiting. Damit kann Vettels Party-Marathon ungestört weitergehen. Der 25-Jährige, der sich in einem turbulenten Brasilien-Grand-Prix am Sonntag zum jüngsten Dreifachweltmeister der Geschichte gekrönt hat, absolviert derzeit seine PR-Tour und beehrt dabei am Samstag auch Graz. Er wird es wohl als Weltmeister tun.