Melbourne. (art) Beobachter haben es eh schon länger vermutet: Begegnungen zwischen Novak Djokovic und Andy Murray könnten bald zu dem werden, was davor Roger Federer gegen Rafael Nadal gewesen war: das programmierte Traumfinale bei Grand Slams, ein Klassiker, bei dem die Protagonisten ihre Leidensgrenzen ausloten, jenes Duell, das das Herren-Tennis über Jahre hinaus prägt. Am Sonntag stehen sich die beiden 25-Jährigen, die Nummern eins und drei der Welt, im Endspiel der Australian Open gegenüber.

Es ist das 17. Kräftemessen, insgesamt lautet die Bilanz 10:7 zu Gunsten des Serben. Allerdings hat Murray im vergangenen Jahr einen Reifeschub durchgemacht, der dem davor als launisch verrufenen Briten auch in einem ständig auf- und abwogenden und auf hohem Niveau stehenden Halbfinale gegen Federer die nötige mentale Stärke für den 6:4, 6:7, 6:3, 6:7, 6:2-Sieg beschert hat. "Nach dem Verlust des Tiebreaks im vierten Satz habe ich mir einfach gedacht: Du musst weiterkämpfen. Und als er dann ein paar Fehler gemacht hat, war ich zur Stelle", sagte er.

So präsentiert sich Murray also zu Beginn des neuen Tennisjahres, in dem er schon davor das Turnier in Brisbane gewonnen hat: als Kämpfer, der sich in jeden Punkt hineinbeißt, ohne selbst zu verbissen zu sein, was einst als große Schwachstelle und gemeinhin als Grund galt, dass bei den großen Turnieren stets die Nerven versagten.

Fehlendes Puzzlestück

Doch das war früher, bevor er Ivan Lendl als Trainer verpflichtete und zu diesem eine für Außenstehende seltsam anmutende Symbiose einging. Lendl, der immer ein bisschen grantig wirkende Star von früher, schaffte es binnen kürzester Zeit, nicht nur einen Draht zu dem als eigenwillig geltenden Schotten zu finden, er machte auch aus einem immer ein bisschen mit sich und der Welt hadernden Spieler einen Siegertypen - und fügte dem zweifelsohne vorhandenen Talent somit das zum ultimativen Durchbruch auf höchster Ebene noch fehlende Puzzlestück hinzu. Der Lohn waren der Olympia-Sieg in Wimbledon und der US-Open-Titel einige Wochen später. "Es war eine meiner besten Entscheidungen, Ivan zu holen. Er hat so viel erlebt und Erfahrung wie nur wenige andere", sagt Murray.

Das soll nun auch im Finale gegen Djokovic helfen. Denn der Weltranglistenerste und fünffache Major-Sieger, der im Halbfinale über David Ferrer hinweggebraust ist und einen Tag länger zur Erholung zur Verfügung hatte, ist nach wie vor Favorit - doch Murray bereit, den Kampf anzunehmen. "Es wird hart, es wird wehtun", sagt er. "Ich freue mich darauf."